Invasive Arten Keine Jagdzecke in Bannewitz

Mit dem heißen Sommer 2018 kam eine Zeckenart nach Deutschland, der es hier sonst zu frisch war: Die Hyalomma-Zecke mit gestreiften Beinen, die fiese Krankheiten übertragen kann. Kein Wunder, dass viele Leute manche Insekten jetzt besonders argwöhnisch betrachten, wie eine besorgte Frau aus Bannewitz, die sich an MDR Wissen wandte.

auf einem braunen Umschlag mit Briefmarke liegt eine Streichholzschachtel, darin ein dickes Insekt.
Bildrechte: Liane Watzel

Im Januar wandte sich MDR-Wissen-Nutzerin Brigitte B. aus Bannewitz in Sachsen wegen eines seltsamen Spinnentieres per Mail an die Redaktion: Neben einem Blumenstrauß in ihrem Hausflur krabbelte eine - ja was? Könnte das eine Jagdzecke sein? Aus wissenschaftlicher Sicht wäre das ein wichtiger, weiterer Punkt auf der Landkarte gewesen, um zu verfolgen, wo die neue Zeckenart Hyallomma sich ausbreitet. Frau B. schickte das Tierchen in eine Streichholzschachtel verpackt an unsere Redaktion.

Die falsche Fährte: Streifen auf dem Insekt

Das Insekt, das Frau B. im Januar neben einem Blumenstrauß herumkrabbeln sah, war jedoch keine Jagdzecke. Das zeigt zum einen die Größe - das Exemplar, das uns geschickt wurde, ist ohne Fühler 15 Millimeter lang. Die Hyalomma-Zecke ist nur fünf bis sechs Millimeter groß. Damit ist sie fünf Mal so groß wie der gewöhnliche Holzbock, den wir uns nach dem Wiesenspaziergang gelegentlich aus der Kniekehle pflücken.

Schieben: Graue Gartenwanze von unten unten - von oben

Eine Wanze liegt auf dem Rücken.
Bildrechte: Liane Watzel
Eine Wanze liegt auf dem Rücken.
Bildrechte: Liane Watzel
Eine Wanze von oben.
Bildrechte: Liane Watzel
Alle (2) Bilder anzeigen

Schieben: Graue Gartenwanze von unten unten - von oben

Bildergalerie

Was die aufmerksame Bannewitzerin auf die falsche Fährte lockte, waren die gestreiften Fühler und der gestreifte Rand des Hinterleibs. Dabei gehören sie zusammen mit dem dornartigen Fortsatz, der zwischen den Beinen nach vorn ragt, und den schwarzen Punkten auf der gelblich, durchsichtigen Unterseite zu einer anderen, harmlosen Insektenart: Rhaphigaster nebulosa, die graue Gartenwanze. Sie überwintert generell gern mal im Haus und ernährt sich von Pflanzensaft.

Schlagzeilen, die man sich merkt

Ganz abwegig war die Vermutung von Frau B. allerdings nicht: Erst Anfang Januar hatte ein Zeckenfund aus Nordrhein-Westfalen für Schlagzeilen gesorgt: Eine Pferdebesitzerin, die im Dezember 2018 eine Zecke ans Robert-Koch-Institut in Berlin geschickt hatte, bekam Gewissheit: Das Expertenteam bestätigte den Verdacht, dass es sich um eine Hyalomma-Zecke handelte.

Was macht die neuen Zecken-Arten so gefährlich?

Die kleinen Spinnentiere gehen aktiv auf Suche nach einem Wirt und können gefährliche Krankheitserreger wie das Hämorrhagische Fieber in sich tragen. Das führt zu spontanen Blutungen aus dem Körper, beispielsweise aus Augen oder Nase, aber auch im Inneren an Organen oder Gehirn. 2018 war in Schleswig Holstein an einem der gefundenen Insekten das gefährliches Bakterium namens Rickettsia aeschlimannii nachgewiesen worden, ein Erreger des Zecken-Fleckfiebers.  

Zwei verschieden große Spinnentiere nebeneinander
Die Zecken Gemeiner Holzbock und Hyalomma marginatum liegen nebeneinander. Bildrechte: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Februar 2019 | 20:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 11:00 Uhr

Mehr zu Zecken und invasiven Arten