Blume des Jahres 2017 Bedrohte Schönheit: Der Klatschmohn

Wenn Getreidefelder und Wiesen anfangen in sattem, leuchtendem rot zu strahlen, dann ist endlich wieder Sommer. Denn kaum eine Pflanze steht so sehr für die warme Jahreszeit wie der Klatschmohn mit seinen zarten, hauchdünnen Blüten. Doch mit der Sommerromantik könnte bald Schluss sein: Den Ackerwildblumen geht nach und nach der Lebensraum verloren. Grund ist die Landwirtschaft. Deshalb ist der Klatschmohn Blume des Jahres 2017 - stellvertretend für viele solcher bedrohter Ackerwildpflanzen.

Eigentlich könnte man meinen, der Klatschmohn brauche keine zusätzliche Aufmerksamkeit: Wenn er leuchtend blüht, fällt er ja sowieso sofort ins Auge. Doch dieses wild-romantische Bild vom roten Mohn am Feldesrand oder aus den Wiesen wird in Deutschland immer seltener.

Die konventionelle Landwirtschaft raubt den Pflanzen ihren Lebensraum. Denn die Bauern bemühen sich nicht erst, die sich stark ähnelnden Samen von Getreide und Mohn zu trennen, sondern greifen oft gleich zur chemischen Keule. Deshalb nimmt der Klatschmohn als Blume des Jahres 2017 auch eine Stellvertreterrolle ein: Er stehe für zahlreiche bedrohte Ackerwildpflanzen und damit für den Verlust der bunten Vielfalt, heißt es seitens der Loki Schmidt Stiftung, die den Titel seit 1980 an gefährdete Pflanzenarten vergibt.

Der Überlebenskünstler

Eigentlich ist der Klatschmohn eine recht anspruchslose Pflanze, unter Botanikern gilt er sogar als Überlebenskünstler. Denn obwohl er auf Ackerflächen seltener geworden ist, taucht er immer wieder in der Landschaft auf: Der Klatschmohn ist ausgewichen auf Brachflächen, an den Waldrand oder in Gärten.

Die rote Blume stammt eigentlich aus dem Orient und aus der Mittelmeerregion. Ausgerechnet mit dem Getreideanbau ist sie nach Mitteleuropa vorgedrungen. Der Klatschmohn - lateinisch Papaver rhoeas - gehört zur Familie der Mohngewächse und wird bis zu 90 Zentimeter hoch. In voller Blüte steht er von Mai bis Juni.

Blüte des wilden Mohn
Eine wilde Mohnblüte Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Die Mohnblüte ist in den Vormittagsstunden offen und dann wird sie eben auch richtig besucht. Nachmittags sind die Pollen eigentlich schon leergeräumt und dann fängt der Mohn schon an zu verblühen. Aber die Pflanze blüht ja versetzt, das heißt, sie bildet mehrere Knospen aus und da blüht dann eben über einen längeren Zeitraum etwas.

Lutz Breitzke, Imker und Landwirt

Der Mohn und seine Biene

Der rote Mohn, der den Getreidebauern ärgert, freut wiederum zahlreiche Insekten: Jede Mohnblüte produziert etwa 2,5 Millionen Pollenkörner. Die Pflanze ist also eine wichtige Nahrungsquelle vor allem für Nützlinge wie Bienen. Die bekommen hier zwar keinen Nektar - den hat der Klatschmohn nämlich nicht - aber dafür die grünen Pollen.

Die Mohn-Mauerbiene (Hoplitis papaveris) ist sogar nach der Ackerpflanze benannt worden. Denn die Biene bevorzugt trockenes Gelände mit Wiesen und Feldern und ist wie der Klatschmohn in den Sommermonaten am aktivsten. Die ernährt sich von Ackerpflanzen wie dem Klatschmohn oder etwa der Kornblume. Mit dem Schrumpfen der Lebensräume dieser Blumen ist auch das Vorkommen der Mohn-Mauerbiene zurückgegangen. Das Insekt gilt heute als akut vom Aussterben bedroht. Für ihr Überleben ist der Klatschmohn nicht nur als Nahrungsquelle wichtig, erklärt Imker Lutz Breitzke.

Die benutzt zum Beispiel Teile der Blütenblätter, die sie abbeißt, um ihr Nest auszupolstern. Und in das Nest legt sie dann ein Ei rein, bringt dann noch Pollen und Nektar mit dazu, verschließt dann das Nest wieder. Und dort schlüpft dann die neue Mohnbiene.

Lutz Breitzke, Imker und Landwirt

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR: im Radio | 19.06.2017 | 06:15 Uhr