Potsdamer Klimastudie Kohlekraftwerke abschalten verringert Extremwetter

Was haben Kohlekraftwerke und Hitzesommer miteinander zu tun? Sehr viel sagen Klimaforscher. Wer Extremwetter vermeiden will, sollte seine Kohlekraftwerke abschalten, so eine neue Studie aus Potsdam

Trockengelegtes Ufer der Elbe in Dresden.
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Unser Wetter wird durch globale Luftströmungen gesteuert. Und wie die verlaufen, hängt u.a davon ab, welche Temperaturunterschiede zwischen dem Nordpol und den Subtropen herrschen. Eine neue Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung bestätigt jetzt: Sinkt der Temperaturunterschied, weil es am Nordpol immer wärmer wird, dann werden die Luftströme, die sogenannten Jetstreams, gestört. Die Forscher sprechen von planetaren Blockaden. Die Folge: Extremwetter wie die verheerenden Waldbrände in Kanada 2016, die Überschwemmungen in Europa 2013 und die Hitzewelle in Russland 2010.

Die Klimaforscher haben für die Studie, die jetzt in Science Advances veröffentlicht wurde, erstmals in einer Vielzahl von Klimasimulationen durchgerechnet, wie die Jetstreams sich verändern könnten. Bei allen Unterschieden, so die Forscher, zeigten alle Ergebnisse im Mittel eine deutliche Zunahme von Blockadeereignissen. Und auch die Ursachen zeichneten sich klar ab, so Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Ko-Autor der Studie.  

Zwei Faktoren scheinen die Häufigkeit solcher Resonanzereignisse zu bestimmen: Die Erwärmung der Arktis und die Luftverschmutzung.

Stefan Rahmstorf, Klimaforscher

Die Klimaforscher sprechen in diesem Zusammenhang von quasi-resonanter Verstärkung planetarer Wellen. Übersetzt heißt das: Höhere Temperaturen am Nordpol und Dreck in der Luft führen zu mehr Extremwetter. Denn die Arktis ist für die gigantischen Luftströme, die unsere Wettersysteme antreiben, von besonderer Bedeutung, so die Forscher. Luftverschmutzung aber blockiert einen Teil der Sonnenstrahlung, zum Beispiel in Regionen mit vielen Kohlekraftwerken.

Das wiederum führt zu einer leichten temporären lokalen Kühlung, die die Temperaturdifferenz zwischen mittleren Breiten und Nordpol ebenfalls reduziert. Das bedeutet im Umkehrschluss, "dass eine Verringerung der Luftverschmutzung in den Industrieländern einen Teil der natürlichen Temperaturdifferenz zwischen den mittleren Breiten und der Arktis wiederherstellen könnte“, so Stefan Rahmstorf. Die Stilllegung von Kohlekraftwerken wäre demnach sogar in doppelter Hinsicht sinnvoll. Weniger Luftverschmutzung und weniger Treibhausgase.

Wenn wir also den Anstieg gefährlicher Wetterextreme begrenzen wollen, scheint ein schneller Ausstieg aus der Kohle eine ziemlich gute Idee zu sein.

Stefan Rahmstorf, Klimaforscher

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | UMSCHAU | 14. November 2018 | 20:15 Uhr