Straßenschilder ragen aus dem Hochwasser, eine Straße ist überflutet. Im Hintergrund sieht man einzelne Häuser an einem Hang über dem Fluss.
Das Hochwasser des Rheins hat am 9. Januar die Rheinpromenade in Remagen überflutet. Bildrechte: IMAGO

Klimawandel in Deutschland Zahl künftiger Hochwasseropfer könnte um das Siebenfache steigen

Weil das Klima wärmer wird, wird es entlang der Flüsse in Deutschland künftig häufiger Hochwasser geben. Laut Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung werden bis in die 2040er Jahre sieben Mal so viele Menschen von Fluten betroffen sein.

Straßenschilder ragen aus dem Hochwasser, eine Straße ist überflutet. Im Hintergrund sieht man einzelne Häuser an einem Hang über dem Fluss.
Das Hochwasser des Rheins hat am 9. Januar die Rheinpromenade in Remagen überflutet. Bildrechte: IMAGO

Deutschland ist ein hochentwickeltes Land, genau wie die USA. Und trotzdem sind beide Staaten offenbar noch lange nicht gut auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet, also beispielsweise darauf, dass Flüsse künftig häufiger Hochwasser haben, weil starke Regenfälle zunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forshochwasserchern um Sven Willner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die jetzt im Fachmagazin "Science Advances" erscheint.

"Mehr als die Hälfte der USA müssen ihr Schutzniveau innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte mindestens verdoppeln, wenn sie einen dramatischen Anstieg der Hochwasserrisiken vermeiden wollen", so Willner. Ohne diese Gegemaßnahmen könnten dann statt 100.000 bald eine Millionen Menschen von den stärksten zehn Prozent der Hochwasserereignisse betroffen sein.

Sieben Mal soviele Opfer in Deutschland möglich

In Deutschland könnten in den 2040er Jahren sieben Mal so viele Menschen Opfer von Fluten werden, warnen die Wissenschaftler. Deiche müssten weiter ausgebaut, Baustandards erhöht und Siedlungen verlegt werden. "Wir waren überrascht, dass selbst in hoch entwickelten Ländern mit guter Infrastruktur der Anpassungsbedarf so groß ist", sagte Mit-Autor Anders Levermann vom PIK. Bislang gingen die Experten davon aus, dass vor allem ärmere Länder schlecht auf die zunehmenden extremen Wetterereignisse vorbereitet sind.

Die Wissenschaftler simulierten im Computer, wie sich Flüsse auf der ganzen Welt entwickeln, wenn es häufiger zu starken Regenfällen kommt. In Brandenburg etwa könnten zwischen 2035 und 2044 acht Mal so viele Menschen von Hochwasser betroffen sein. Am stärksten steigt das Risiko in Baden-Württemberg, es ist dann fünfzehn Mal so groß wie heute. In Niedersachsen steigt es um den Faktor 12.

Folgen können noch dramatischer werden

Das von den Forschern berechnete steigende Hochwasserrisiko basiert übrigens nur auf den Treibhausgasen, die bereits in der Atmosphäre sind. Selbst wenn es gelingt, künftig weniger Klimagase auszustoßen, bleiben diese Flutrisiken. Wenn allerdings das bei den Klimakonferenzen angestrebte Ziel verfehlt wird, die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, seien die Folgen noch gravierender, sagt Levermann. "Dann werden bis zum Ende unseres Jahrhunderts die Hochwasserrisiken vielerorts in einem solchen Maße ansteigen, dass Anpassung schwierig wird", sagte er.

Die Warnung dürfte auch an die Politiker von CDU und SPD gerichtet sein, die sich derzeit in Berlin über die Bildung einer neuen Großen Koalition verständigen. Sie wollen die Klimaziele Deutschlands für das Jahr 2020 aufgeben.

(ens)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | im Radio | 09. Januar 2018 | 04:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2018, 20:00 Uhr