Gingkobaumallee
Allee mit Gingkobäumen in China. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Regelmäßiger Trockenstress Klimawandel: Kommen unsere Straßenbäume bald aus China?

Laut Klimaforschern könnten Sommer wie 2018 zur Regel werden. Die Bäume in unseren Städten würden solche Dauertrockenheit nicht überleben. Forstwissenschaftler aus Tharandt suchen deshalb nach hitzeresistenten Baumarten in China.

Gingkobaumallee
Allee mit Gingkobäumen in China. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die chinesische Millionen-Metropole Peking denken? Vielleicht ist es der Smog, der Verkehr, möglicherweise sind es Hochhäuser oder auch die Verbotene Stadt. An Grünflächen oder gar Bäume dürften wohl die wenigsten denken.

Doch das ist ein Irrtum, weiß Andreas Roloff. Der Forstbotanik-Professor der Forstwissenschaftlichen Fakultät in Tharandt (die zur Technischen Universität Dresden gehört) fliegt nämlich extra nach China auf der Suche nach Bäumen. Grund für die Suche ist der Klimawandel, erzählt er.

Andreas Roloff
Professor Andreas Roloff. Bildrechte: A. Roloff

Speziell in China forschen wir seit zehn Jahren nach Baumarten, die unserer Einschätzung nach für Deutschland geeignet, aber hier noch nicht bekannt sind. Und da ist die nicht ganz kleine Stadt Peking besonders interessant, weil die das Klima hat, das wir hier erwarten mit plötzlichen Frühjahren, wo es gleich ganz warm – 30 Grad – wird und dann ganz ausgeprägte Hitze- und Trockenheitsperioden in den Sommermonaten folgen.

Andreas Roloff, Professor für Forstbotanik

Außerdem gebe es in Peking auch harte, sehr kalte Winter. Deshalb nehmen die Forscher an, dass Bäume, die in der Millionen-Metropole Peking gut klarkommen, auch hierzulande gute Aussichten haben. In der ostchinesischen Region gibt etwa 1.000 Baumarten, von denen viele noch nicht erforscht sind, sagt Roloff. Mit seinen chinesischen Kollegen fährt er deshalb durch die Straßen Pekings und schaut, wie gesund die verschiedenen Bäume sind. Einige geeignete Arten haben sie bereits entdeckt – darunter auch ein Baum, den man schon heute vereinzelt bei uns finden kann: den Gingko.

Wir haben eine Artenliste mit 40 Baumarten veröffentlicht. Ein paar scheiden aus, weil sie sich ungezügelt ausbreiten, wenn man sie irgendwo anders hinpflanzt. Das nennen wir Invasivität. Da muss man natürlich aufpassen.

Andreas Roloff, Professor für Forstbotanik

Aber warum sollte man dieses Risiko überhaupt eingehen? Weil wir die Artenvielfalt in den Städten erhöhen müssen, sagt der Forstbotanik-Professor aus Tharandt. Denn in Städten, in denen es viele Straßen und betonierte Plätze gibt, haben viele einheimische Baumarten zukünftig keine Überlebenschance mehr.

Rotahorn-Baum in praechtiger Farbe
Auch Rotahornbäume wären robust genug, um regelmäßige Hitzesommer in unseren Städten zu überleben. Bildrechte: IMAGO

Die Standorte an den Straßen und im versiegelten Innenstadtbereich sind viel extremer, die Temperaturen werden höher, nachts kühlt es nicht ab, es fällt teilweise weniger Niederschlag oder er kann nicht in den Boden eindringen. Man kann sehen, dass die Bäume in der Stadt mehr Stress haben als außerhalb, etwa im Wald, wo sie sich gegenseitig beschatten.

Andreas Roloff, Professor für Forstbotanik

Und im Wald werden unsere heimischen Arten auch weiter existieren, aber in der Stadt eben nicht. Die Dresdner Forscher haben in Jena ganz genau untersucht, welche Baumarten es in den nächsten 50 Jahren noch schaffen, in der Stadt zu überleben: Von den 40 heimischen Arten, die eigentlich hier wachsen, werden noch neun übrig bleiben. An mehr Vielfalt führt deshalb kein Weg vorbei, sagt Roloff.

Wenn eine Stadt wie Dresden 135 Straßenbaumarten hat, wenn davon eine ausfällt, sind es immer noch 134. Wenn in Wien beispielsweise nur 17 Straßenbaumarten zugelassen sind, und da zwei ausfallen, das wird nicht klappen.

Birkenallee
Birken werfen aufgrund ihrer relativ flachen Wurzeln bei Trockenheit relativ schnell ihre Blätter ab, können dann aber wieder neu austreiben, wenn es wieder regnet. Bildrechte: IMAGO
Gingkobaumallee 3 min
Bildrechte: imago/ZUMA Press

Forscher der TU Dresden suchen in Peking nach hitzeresistenten Alternativen

MDR AKTUELL Do 09.08.2018 15:24Uhr 02:58 min

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. August 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 09:46 Uhr