Der Sternenhimmel zeichnet sich hinter der Silhouette eines Baumes ab
Nachtaufnahme aus Nieder Seifersdorf in der Lausitz - die Wolken reflektieren das Licht von Straßenlampen. Deutschlands Nächte sind noch heller geworden, wie eine Studie zeigt. Bildrechte: IMAGO

Lichtverschmutzung Nur in Thüringen wird es dunkler

Zuviel Licht in der Nacht bedroht Tiere, stresst Menschen und behindert Astronomen. Überall in Deutschland wird das Problem der Lichtverschmutzung größer - nur nicht in Thüringen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Der Sternenhimmel zeichnet sich hinter der Silhouette eines Baumes ab
Nachtaufnahme aus Nieder Seifersdorf in der Lausitz - die Wolken reflektieren das Licht von Straßenlampen. Deutschlands Nächte sind noch heller geworden, wie eine Studie zeigt. Bildrechte: IMAGO

Ein abschätziger Begriff für die ehemalige DDR lautet Dunkeldeutschland. Was eigentlich beleidigend gemeint ist, daran entdecken Forscher nun in gewisser Weise die positive Seite. Während das Problem der sogenannten Lichtverschmutzung in Deutschland immer schlimmer wird, gibt es im Osten einen kleinen Lichtblick: Thüringen wird dunkler, als einziges Bundesland.

Kartendarstellung zur Lichtverschmutzung in Deutschland
Prozentuale Zunahme der Lichtverschmutzung in Deutschland, links: in Bezug auf die Fläche, rechts: in Bezug auf die Intensität des Lichts. Bildrechte: Kyba, Küster / Deutsches Geo-Forschungs-Zentrum GFZ

Wie die Potsdamer Forscher Christopher Kyba, Theres Küster und Helga Kuechly vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in der Fachzeitschrift "International Journal of Sustainable Lighting" berichten, sind zwischen 2012 und 2017 in vielen Gegenden Deutschlands die beleuchteten Flächen in den Nächten größer geworden. Auch die Intensität des Lichts, seine Strahlkraft, hat zugenommen. Laut einer Karte, die die Wissenschaftler mit ihren Daten angefertigt haben, sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg stark betroffen. Dort hat die Lichtverschmutzung zwischen 2013 und 2017 um drei bis vier Prozent pro Jahr zugenommen.

Nur im Osten Deutschlands sind die Flächen annähernd gleich groß geblieben, in Thüringen wurden sie sogar etwas kleiner. Auch hat die Lichtintensität im waldreichen Freistaat etwas abgenommen. Warum das so ist, wissen die Forscher aber noch nicht.

Satellitenaufnahme vom nächtlich erleuchteten Europa
Europa ist erleuchtet - von Straßenbeleuchtung. Bildrechte: IMAGO

Die Ursache der generellen Entwicklung vermuten die Wissenschaftler im technologischen Wandel der Außenbeleuchtung. Wurden früher vor allem Natriumdampflampen eingesetzt, werden heute LEDs verwendet. Diese brauchen zwar weniger Energie, dafür werden aber umso mehr von ihnen eingesetzt. Auch sind LEDs oft deutlich heller als die alten Lichtquellen.

Lichtverschmutzung stellt vor allem für viele Insekten ein großes Problem dar, da sich die Tiere am Licht orientieren und von künstlichen Lichtquellen in der Nacht oft in die Irre geführt werden. Auch auf den menschlichen Schlaf kann sich zu viel Licht negativ auswirken und etwa zu Stresserkrankungen führen. Astronomen und Freizeit-Sterngucker beklagen zudem, dass fast nirgendwo mehr ein ungestörter Blick auf die Sterne möglich ist. An diesem Punkt ist nun wahrscheinlich Thüringen mal wieder klar im Vorteil.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 23. Februar 2018 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2018, 17:14 Uhr