Hochhäuser ragen aus dem Smog der Stadt Nanton im Osten Chinas
Hochhäuser ragen aus dem Smog der Stadt Nanton im Osten Chinas. Bildrechte: dpa

Neue Studie Schmutzige Luft fordert mehr Todesopfer als Rauchen

Jährlich sterben mehr Menschen durch Luftverschmutzung als durch das Rauchen. Das geht aus einer neuen Studie hervor. Demnach sorgen Luftschadstoffe weltweit für 8,8 Millionen vorzeitige Strebefälle pro Jahr. In Europa wird die Lebenserwartung der Menschen demnach durch unsaubere Atemluft durchschnittlich um zwei Jahre vermindert.

Hochhäuser ragen aus dem Smog der Stadt Nanton im Osten Chinas
Hochhäuser ragen aus dem Smog der Stadt Nanton im Osten Chinas. Bildrechte: dpa

Luftverschmutzung durch Schadstoffe fordert laut einer Studie von Mainzer Wissenschaftlern weltweit mehr Todesopfer als das Rauchen. Wie das Expertenteam um den Atmosphärenforscher und Direktor am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie Jos Lelieveld und den Kardiologen Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz im European Heart Journal berichtet, verursacht vor allem mit Feinstaub belastete Atemluft pro Jahr weltweit 8,8 Millionen Sterbefälle. Das seien deutlich mehr als in früheren Untersuchungen. Noch bis vor Kurzem gingen die Forscher von weltweit 4,5 Millionen Todesfällen durch Luftverschmutzung pro Jahr aus.

Allein 800.000 Todesfälle in Europa

Kinder mit Sauerstoffmasken
Indische Schulkinder demonstrieren mit Sauerstoffmasken für saubere Atemluft. Bildrechte: dpa

Allein in Europa sterben der Studie zufolge jährlich 800.000 Menschen an verschmutzter Atemluft. Luftverschmutzung verkürzt demnach das Leben der Europäer um durchschnittlich zwei Jahre.

Nach Angaben der Mainzer Wissenschaftler gibt die Weltgesundheitsorganisation WHO die Zahl der auf das Rauchen zurückgehenden weltweiten Todesfälle – inklusive Passivraucher - mit 7,2 Millionen Menschen pro Jahr an. Das wären immerhin 1,6 Millionen weniger Sterbefälle als jene 8,8 Millionen, die auf verschmutzte Atemluft zurückzuführen sind. Allerdings, so die Forscher, könne sich ein Mensch immerhin entscheiden, ob er Rauchen will oder nicht. Der Luftverschmutzung könne er sich aber nicht entziehen.

Deutschland über EU-Durchschnitt

Auf die Einwohnerzahlen berechnet sterben laut der Mainzer Studie im Jahr weltweit 120 von 100.000 Menschen vorzeitig an den Folgen verschmutzter Atemluft. In Europa liegt die Zahl bei 133 Menschen pro 100.000 Einwohner. In Deutschland sterben jährlich sogar 154 von 100.000 Einwohnern vorzeitig aufgrund von verschmutzter Atemluft. Die Zahl der luftverschmutzungsbedingten vorzeitigen Sterbefälle ist damit in der Bundesrepublik höher als in Ländern wie etwa Polen, Italien oder Frankreich.

Statistische Unsicherheiten eingeräumt

Messstation an Deutschlands schmutzigster Straße. Am Neckartor in Stuttgart ist die Feinstaubbelastung am höchsten.
Feinstaubmessung an Deutschlands schmutzigster Straße in Stuttgart. Die Messstation ist umstritten, da sie direkt an einer Kreuzung steht und dahinter stehende Gebäude keinen Luftaustausch zulassen. Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

Die Todesfälle gehen der Studie zufolge vor allem auf Herzkreislauf- sowie Atemwegserkrankungen zurück. Die Mainzer Forscher geben allerdings selbst zu bedenken, dass ihre Hochrechnung mit statistischen Unsicherheiten verbunden ist. Der tatsächliche Effekt der Luftverschmutzung könne sowohl unter als auch über den errechneten Werten liegen.

Tatsächlich wurden Berechnungen wie die nun vorgestellte Studie in der Debatte um Stickoxide und Fahrverbote immer wieder kritisiert. Das Umweltbundesamt stellte in dem Zusammenhang ausdrücklich fest, dass es sich bei solchen epidemiologischen Studien um statistische Abschätzungen handle.

Gesundheitsrisiko schlechte Luft

Das Team um Lelieveld und Münzel kommt ungeachtet dessen zu dem Schluss, dass schlechte Luft neben Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Rauchen zu den bedeutendsten Gesundheitsrisiken für die Menschen weltweit gehört. Als Hauptursache für Atemwegs- und Herzkreislauf-Erkrankungen machen die Mainzer Forscher kleinste Feinstaubteilchen mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer (PM 2,5) verantwortlich. Den gegenwärtigen EU-Feinstaubgrenzwert von jährlich 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft halten die Wissenschaftler für viel zu hoch.

Traktor in Feldlandschaft vor dem Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf
Traktor auf den Feldern vor dem Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf in NRW: Die Landwirtschaft trägt in Deutschland fast zur Hälfte zur Feinstaubbelastung bei. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Feinstaub Feinstaub entsteht durch den Verkehr, die Landwirtschaft, durch Kraftwerke, Fabriken und Heizungen. In Deutschland trägt allein die Landwirtschaft mit bis zu 45 Prozent zur jährlichen Feinstabbelastung bei. Beim verkehrsbedingten Feinstaub spielen neben Verbrennungsmotoren auch der Reifenabrieb von Fahrzeugen sowie der durch sie aufgewirbelte Staub eine Rolle. Umweltschützer fordern schon lange schärfere EU-Grenzwerte für Feinstaub der Größe PM 2,5. In der EU gelten aktuell 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Die WHO empfiehlt hingegen 10 Mikrogramm.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Februar 2019 | 16:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2019, 15:37 Uhr

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