Studie aus Jena Mehr Stickoxide = höheres Herzinfarkt-Risiko

Steigt die Stickoxid-Konzentration in der Luft, dann steigt das Herzinfarkt-Risiko. Mediziner in Jena konnten nun erstmals in einer wissenschaftlichen Studie belegen, dass bereits ein kurzfristiger Anstieg dafür ausreicht.

Blick aus der Luft auf das Stadtzentrum von Jena. Aus den Häusern ragt ein Komplex von Hochhäusern heraus. Dabei handelt es sich um den Jentower sowie um das alte Zeiss-Werk
Auch im vermeintlich sauberen Jena gibt es jedes Jahr rund 30 Mal zu hohe Stickoxid-Werte. Bildrechte: MDR/Jürgen Kolarzik

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig muss in dieser Woche entscheiden, ob Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Deutschland rechtmäßig sind oder nicht. Für die Richter geht es dabei um Recht und Gesetz. Für die Menschen in den betroffenen Städten könnte es dagegen um Leben und Tod gehen. Die Europäische Umweltbehörde hat für einen Bericht 2016 errechnet, dass jedes Jahr in den EU-Ländern über 400.000 Menschen durch Luftverschmutzung sterben, darunter 75.000 aufgrund von Stickoxiden – verursacht im Wesentlichen durch Kraftwerke und Dieselmotoren.

Schnelle Wirkung

Eine neue Studie aus Jena, die im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht wurde, zeigt nun, dass es einen direkten und sehr schnellen Zusammenhang zwischen Stickoxid-Konzentration und Gesundheitsgefahren gibt.

Das akute Herzinfarktrisiko in unserer Studie verdoppelte sich in etwa, wenn die Stickoxidkonzentration innerhalb eines Tages um 20 Mikrogramm pro Kubikmeter anstieg.

Prof. Matthias Schwab, Uniklinikum Jena

Die Mediziner zu Begin der Studie gingen von der Vermutung aus, dass das Risiko für Herzinfarkte mit der Änderung der Luftqualität zusammenhängt. Um das zu belegen, benötigten sie Fakten. Deshalb werteten sie für den Zeitraum von 2003 bis 2010 die Daten aller Patienten aus, die mit akutem Herzinfarkt  im Uniklinikum Jena behandelt wurden. Dann grenzten sie den Kreis auf jene ein, die aus dem Umkreis von zehn Kilometern um Jena stammten und bei denen der Beginn der Beschwerden klar auszumachen war.

Abgleich mit Umweltdaten

Damit hatten die Mediziner Datensätze von rund 700 Patienten. Und die wurden dann mit den Daten der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie abgeglichen. Wie waren die Werte für Feinstaub, Ozon und Stickoxide an den jeweiligen Tagen? Und bei den Stickoxiden landeten die Mediziner einen Treffer nach dem anderen. “Das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht sich offenbar nicht nur, wenn Menschen kurz oder langzeitig hohen Stickoxidkonzentrationen in der Umgebungsluft ausgesetzt sind,“ so Dr. Florian Rakers, Seniorautor der Studie, "sondern auch, wenn der Stickoxidgehalt schnell ansteigt." Und auf diese Weise könnten sich dann Stickoxide auch in vergleichsweise ‘sauberer‘ Luft schädlich auswirken, so der Neurologe.

Die Deutlichkeit des Zusammenhangs hat uns dann doch überrascht, sie ist nahezu linear.

Dr. Florian Rakers, Uniklinikum Jena

Und solche raschen Anstiege der Stickoxidkonzentration gebe es auch im “vermeintlich sauberen Jena“ etwa 30 Mal pro Jahr, so die Mediziner. Für Feinstaub und Ozon konnten in der Studie dagegen keine eindeutigen Zusammenhänge mit dem Herzinfarktrisiko hergestellt werden. Das ändere jedoch nichts daran, so Prof. P. Christian Schulze, Direktor der Klinik für Innere Medizin I und Koautor der Studie, dass “hohe Konzentrationen von Feinstaub und Ozon insbesondere für Patienten mit Lungenerkrankungen schädlich“ seien.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 16. Februar 2018 | 19:00 Uhr