Kleine Kunststoffpartikel, die einem Peeling Gel hinzugefügt waren, auf einer Fingerkuppe.
Primärer Mikroplastik: In Peeling-Gels werden kleine Kunststoffpartikel beigegeben. Auch sie landen im Trinkwasser und damit im Inneren des Menschen. Bildrechte: imago/JOKER

Österreichische Forscher Erstmals Mikroplastik im menschlichen Stuhl nachgewiesen

Vier Kilo Mikroplastik fallen jährlich pro Bundesbürger an. Dass sich auch der menschliche Körper dem Problem nicht entziehen kann, ist bekannt. Nun wurde aber erstmals Mikroplastik im menschlichen Stuhl nachgewiesen.

Kleine Kunststoffpartikel, die einem Peeling Gel hinzugefügt waren, auf einer Fingerkuppe.
Primärer Mikroplastik: In Peeling-Gels werden kleine Kunststoffpartikel beigegeben. Auch sie landen im Trinkwasser und damit im Inneren des Menschen. Bildrechte: imago/JOKER

Österreichische Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen nachgewiesen. Wie die Medizinische Universität Wien und das österreichische Umweltbundesamt mitteilten, wurden die Kunststoffpartikel in den Proben von allen acht Teilnehmern einer Pilotstudie gefunden.

"In unserem Labor konnten wir neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachweisen", erklärte Bettina Liebmann, Expertin für Mikroplastik-Analysen im Umweltbundesamt. Am häufigsten fanden sich demnach Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) in den Proben.

Mit Plastik verpackte Lebensmittel

Die acht Probanden im Alter zwischen 33 und 65 Jahren, die auf verschiedenen Kontinenten leben, führten den Angaben zufolge eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend die Probe ab. Alle Teilnehmer nahmen in dieser Zeit in Plastik verpackte Lebensmittel oder Getränke aus PET-Flaschen zu sich.

Die Mehrzahl der Studienteilnehmer aß auch Fisch oder Meeresfrüchte, niemand ernährte sich ausschließlich vegetarisch. Ein Zusammenhang zwischen dem Ernährungsverhalten und einer Belastung mit Mikroplastik konnten die österreichischen Wissenschaftler aufgrund der kleinen Probandengruppe allerdings nicht herstellen.

Bislang wenig zum Thema bekannt

Nach Angaben von Mikroplastik-Expertin Liebmann hatte man sich zunächst auf eine Untersuchung mit wenigen Probanden konzentriert, da bislang noch nicht sehr viel zum Thema Mikroplastik im menschlichen Körper bekannt ist.

Die kompletten Ergebnisse der Studie sollen im Laufe des Dienstags (23.10.2018) auf einem Kongress in Wien vorgestellt werden. Die wissenschaftliche Publikation soll im Anschluss daran erfolgen. Danach wollen sich die österreichischen Forscher um eine größere Studie bemühen.

Mikroplastik im Menschen

Wissen

Polyacrylfasern im Erdreich 4 min
Bildrechte: Anderson Abel de Souza Machado/IGB

Das Wissen über Herkunft, Verbreitung und Folgen von Mikroplastik in der Umwelt ist insgesamt noch sehr lückenhaft. Die Wissenschaft ist sich aber schon seit längerem darüber im Klaren, dass sich auch der Mensch den Einflüssen von Mikroplastik nicht entziehen kann. "Wir wissen, dass Mikroplastikteile, die weniger als einen Mikrometer groß sind, vom Körper aufgenommen werden und durch die Darmpassage des Menschen gehen. Und die können dann auch irgendwo in die Zellen reingehen", erklärt Prof. Dr. Werner Kloas vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie in Berlin.

Grafik: Mikroplastik-Kreislauf
Der Mikroplastik-Kreislauf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Problem Mikroplastik Mikroplastik bezeichnet nach einer auch in Deutschland und der EU angewandten Definition der U.S. National Oceanic & Atmospheric Administration kleine Kunststoff-Teilchen mit einem Durchmesser von unter 5 Millimetern. Laut einer aktuellen Studie des Frauenhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik entfallen auf jeden Deutschen pro Jahr rund 4 Kilogramm Mikroplastik. Dabei wird zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik unterschieden. Quellen für primäres Mikroplastik sind unter anderem der Abrieb von Autoreifen, zerkleinerter Bauschutt oder Kosmetika mit Kunststoffpartikeln wie Dusch- oder Peeling-Gels. Rund 330.000 Tonnen dieses primären Mikroplastiks werden pro Jahr in Deutschland freigesetzt. Hinzu kommt sekundäres Mikroplastik in unbekannter Höhe, dass durch Verwitterung und Zerfall großer Plastikteile entsteht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2018 | 02:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2018, 00:01 Uhr

Noch mehr Mikroplastik