Eine Reihe von Plastikfalschen und Tuben mit Kosmetikartikeln wie Shampoos oder Cremes.
Diese Hygieneartikel und Kosmetikprodukte enthalten nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace flüssige und feste Mikrokunststoffe. Die Organisation fasst den Begriff allerdings weiter als die Behörden, die unter Mikroplastik nur feste Bestandtteile verstehen. Bildrechte: Karsten Möbius/MDR

Gefahr für Umwelt und Nahrungskette Mikroplastik in Kosmetika soll verboten werden

Plastikkügelchen in Peelings oder Duschgel, Mikroplastik als Trübungsmittel in anderen Produkten – Kosmetik steckt heute voller Kunststoff. Durch den Abfluss gelangt es in die Umwelt und schädigt Tiere und Pflanzen. Das Umweltbundesamt empfiehlt der EU-Kommission daher ein Verbot.

von Karsten Möbius

Eine Reihe von Plastikfalschen und Tuben mit Kosmetikartikeln wie Shampoos oder Cremes.
Diese Hygieneartikel und Kosmetikprodukte enthalten nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace flüssige und feste Mikrokunststoffe. Die Organisation fasst den Begriff allerdings weiter als die Behörden, die unter Mikroplastik nur feste Bestandtteile verstehen. Bildrechte: Karsten Möbius/MDR

Seit 2014 haben sich Kosmetikhersteller in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland selbst verpflichtet, auf Mikroplastik in ihren Produkten zu verzichten. Nach eigenen Angaben haben sie diese Inhaltsstoffe bereits zu 80 Prozent ausgetauscht. Das Unternehmen Beiersdorf zum Beispiel antwortet per Mail auf die Anfrage des MDR, dass es sich von Polyethylen-Partikeln beispielweise in Peelings und Duschgels komplett verabschiedet hat.

Beiersdorf hat bereits 2013 vorsorglich entschieden, zukünftig keine Peeling-Partikel aus Polyethylen mehr zu verwenden und sie durch umweltfreundliche Varianten zu ersetzen. Seit Ende 2015 sind die [...] Umstellungen abgeschlossen und wir setzen weltweit keine Mikroplastikpartikel aus Polyethylen in unseren Produkten mehr ein.

Statement Beiersdorf

Das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau sagt, mittlerweile sei es wirklich schwer in Peelings Polyethylen-Kügelchen zu finden. Marcus Gast vom UBA erklärt, warum man trotzdem ein gesetzliches Verbot empfiehlt. "Diese Selbstverpflichtung bezieht sich tatsächlich nur ab Abrasiva, also auf Peelingpartikel und ähnliche Partikel. Anderes Mikroplastik wird von dieser Vereinbarung aber nicht angesprochen, daher findet man es noch heute in den ganzen Produkten", sagt er. Auch das bestätigt die Beiersdorf AG in ihrer Mail.

In unseren abwaschbaren Produkten kommen derzeit zum Teil noch feste synthetische Polymere zum Einsatz. Sie dienen unter anderem als Trübungsmittel und sind beispielsweise verantwortlich für die Farbe der Formeln. Bis 2020 wollen wir auch diese Inhaltsstoffe präventiv und vollständig aus unseren abwaschbaren Produkten ausformulieren und arbeiten derzeit intensiv an entsprechenden Lösungen.

Statement Beiersdorf

Trotz des breiten Verzichts auf Polyethylen und der Absichtserklärungen begrüßt Greenpeace die Initiative des Bundesumweltamtes für ein gesetzliches Verbot von Mikroplastik. "Die Selbstverpflichtungen der Kosmetikindustrie haben in den letzten Jahren ganz deutlich gezeigt, dass darauf kein Verlass ist. Jeder Kosmetikhersteller definiert selbst, was er unter Mikroplastik versteht und auf welche Produkte das zu beziehen ist", sagt Sandra Schöttner von der Umweltorganisation.

Insofern ist dieser Verzicht, der ja sowieso nur ein freiwilliger ist und jeder Zeit rückgängig zu machen ist, kein durchschlagender Erfolg.

Sandra Schöttner, Greenpeace
Marcus Gast, Experte für Microplastik im Umweltbundesamt
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Bis heute gibt es keine einheitliche Definition, was Mikroplastik wirklich ist. Gängig ist die Formulierung, dass es Plastikteile mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimetern sind. Aber welche Kunststoffe stecken in welchen Kosmetikartikeln? Der BUND hat dafür einen Einkaufsratgeber erstellt, der nach eigenen Angaben regelmäßig aktualisiert wird.
Hersteller Beiersdorf betont, dass sie auch weitere feste synthethische Polymere bis 2020 aus den Produkten verbannen wollen, kleinste Mikroplastik-Partikel, die als Trübungsmittel verwendet werden oder Nylon, das ebenfalls in vielen Kosmetika steckt.
Freiwillige Selbstverpflichtungen wie diese reichen dem Umweltbundesamt in Dessau aber nicht mehr aus. Marcus Gast sagt: Es müssen klare Regelungen/ Gesetze her.

Aus Sicht des Umweltbundesamtes reicht diese freiwillige Empfehlung nicht aus und deshalb sind wir für ein gesetzliches Verbot. Die Mikroplastikpartikel, die dort in der Vereinbarung nicht adressiert sind, die müssen auch raus.

Marcus Gast, Umweltbundesamt

Obwohl Greenpeace das genauso sieht, geht den Umweltschützern die Verbotsempfehlung nicht weit genug. Denn sie beschränkt sich nur auf feste Kunststoffpartikel. Mittlerweile kommen Kunststoffe in allen möglichen Formen in den Kosmetika vor, auch als Flüssigkeiten.

Ein Verbot von Mikroplastik sollte über die reine Definition von Mikroplastik auf Festpartikel hinausgehen. Es muss um Mikrokunststoffe gehen, ob fest, flüssig, gel- oder wachsartig. Es sind Stoffe, die weder auf unserem Körper, in unserem Körper, noch in der Umwelt etwas zu suchen haben. Ein EU-weites Verbot solcher Mikrokunststoffe in solchen Produkten wäre absolut begrüßenswert.

Sandra Schöttner, Greenpeace

Ob es tatsächlich zum Verbot jeder Form von festem Mikroplastik in Kosmetika kommt und wann, das steht noch nicht fest. Jetzt liegt die entsprechende Empfehlung des Umweltbundesamtes jedenfalls in Brüssel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 06. Dezember 2017 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 06:00 Uhr