Osterinsel Von wegen Idylle: Plastikmüll auch im Südpazifik

Osterinsel, Anakena
Bildrechte: IMAGO

Müll ist sowas wie ein Global Player der Weltmeere. Er treibt sich selbst in den entlegensten Winkeln der Welt herum, sogar da, wo kaum Menschen leben, wie zum Beispiel im Südpazifik. Chilenische und deutsche Forscher haben rund um die Osterinsel und vor der chilenischen Küste knapp 100 Arten von Meeresbewohnern auf Plastikverschmutzung untersucht, darunter 20 Fisch-, 50 Seevogel-, 19 Meeressäuger- und fünf Schildkrötenarten.

Demnach fanden sich in den Mägen der Tiere alle möglichen Plastikfragmente zum Teil in erschreckend hoher Konzentration. Sehr hohe Mikroplastikkonzentrationen zeigten sich den Studienautoren zufolge rund um die Osterinsel und in bis zu 2.000 Kilometer Entfernung vor der chilenischen Küste. Besonders betroffen seien Schildkröten aufgrund ihres "Lebenswandels" in wechselnden Habitaten. Nicht nur, dass man in deren Inneren neben Plastikpartikeln auch komplette Plastiktüten entdeckte - umgekehrt fanden sich am Strand der Osterinsel auch Plastiktüten mit Beißspuren, die auf Schildkröten zurückzuführen sind.

Ein Hai, der sich einem Verschlussring eines Kunststofffasses verfangen hat.
Ein Galapagaos-Hai, mit einem Verschlussring um den Körper Bildrechte: Naiti Morales

Der Müll strudelt und was macht der Mensch?

Die Auswirkungen von Plastik auf Flora und Fauna in den Weltmeeren ist keine neue Erkenntnis - seit den 1970er-Jahren sind die Bilder verendenter Fische und Vögel bekannt, die sich in herrenlosen Fischereinetzen verheddern, sich an Plastikmüll verletzen oder ihn verschlucken und dann verenden. Andere Spezies wiederum erobern sich als "Mitreisende" per Plastikmüll-Drift neue Lebensräume in anderen Winkeln der Weltmeere.

Plastikteppiche - Müll im Magen

Moais in Ahu Nau Nau am Strand Anakena, Nationalpark Rapa Nui, Osterinsel
Die äußere Idylle im Südpazifik trügt. Bildrechte: IMAGO
Moais in Ahu Nau Nau am Strand Anakena, Nationalpark Rapa Nui, Osterinsel
Die äußere Idylle im Südpazifik trügt. Bildrechte: IMAGO
Volvo Ocean Race
Das haben auch die Teilnehmer des diesjährigen Volvooceanrace erfahren. Bildrechte: IMAGO
Mikroplastikverteilung entlang der Rennstrecke
Teilnehmer unterstützen die "Clean Seas" Kampagne der UN und sammelten unterwegs Plastikmüll. Anhand ihrer Funde und Aufzeichnungen wurde diese Karte erstellt, die ihre Müllfunde im Meer aufzeigt. Bildrechte: volvooceanrace.com
Angeschwemmter Müll an einem Strand
Eine Teilnehmerin schildert ihre Eindrücke zwischen Hong Kong und Auckland: "Auf der einen Bootsseite eine tropische Insel, auf der anderen Seite Flaschen und Plastikverpackungen." Bildrechte: imago/blickwinkel
Plastikteile gefunden im Magen einer Stachelmakrele
Selbst im Südpazifik nahe der Osterinsel gehört Plastikmüll zum Alltag: Fundstücke aus dem Magen einer Stachelmakrele. Bildrechte: Nicolas Ory/Geomar
Plastikstückchen im Weihnachts-Sturmtaucher-Magen
Bildrechte: Maías Portflit Toro
Ein Hai, der sich einem Verschlussring eines Kunststofffasses verfangen hat.
Vor der Osterinsel gefunden: Ein Hai, der sich einem Verschlussring eines Kunststofffasses verfangen hat. Bildrechte: Naiti Morales
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Strömungen treiben Plastik aber auch in menschenleere Winkel und Bilder kilometergroßer schwappender Plastikmüllinseln oder Plastikstrudel schrecken die Öffentlichkeit kurzfristig auf. Zu einer globalen, grenzübergreifenden Strategie seitens der Politik hat das bislang nicht geführt, oder einer wirkungsvollen Allianz gegen die Vermüllung der Meere und deren Folgen. Dafür ist jenseits der Politik in den letzten Jahren ein internationales  Bewusstsein über den katastrophalen Zustand der Meere gewachsen, das nicht im Entsetzen verharrt. Ein Beispiel dafür ist das niederländische Unternehmen Ocean-Clean-Up, das im September 2018 tatsächlich in See stechen soll. Es geht auf die Initiative des inzwischen 24-jährigen Boyan Slat zurück, der über eine Crowd-Funding-Aktion Millionen Euro für ein von ihm entwickeltes System gesammelt hatte, das den Müll aus dem Meer fischt, ohne dass Fische oder andere Meereslebewesen dabei zu Schaden kommen.

Boyan Slat
Boyan Slat: Das Lösen des Abfallproblems in den Weltmeeren ist eine der größten umweltbezogenen Herausforderungen, der sich die Menschheit heutzutage zu stellen hat. Bildrechte: Yuri van Geenen

Osterinsel Gerade mal 7.750 Menschen leben aktuell auf der Osterinsel (Quelle: Nationale Statistikbehörde Chile). Das Eiland im Südpazifik ist nur wenig größer als der europäische Ministaat Liechtenstein und liegt 3.500 km von der chilenischen Küste entfernt im pazifischen Ozean. Politisch gehört die Osterinsel zu Chile, geographisch zu Polynesien.

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Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK Tagesupdate | 09. August 2018 | 18:40 Uhr