Sonne über zerbrechender Eisdecke des Südpolarmeeres.
Sonne über dem Eis des Südpolarmeeres: Im Bereich der Pole nimmt die Ozonkonzentration wieder zu. Dafür geht sie über den mittleren Breitengraden zurück. Bildrechte: IMAGO

Forscher schlagen Alarm Die Ozonschicht wird immer dünner

Die gute Nachricht: Das Ozonloch über den Polen wird kleiner. Die schlechte: In der Stratosphäre über den dicht besiedelten mittleren Breitengraden der Erde schrumpft die Konzentration des lebenswichtigen UV-Filters. Schweizer Forscher sind besorgt. Sie sehen zwei mögliche Ursachen für das Phänomen.

Sonne über zerbrechender Eisdecke des Südpolarmeeres.
Sonne über dem Eis des Südpolarmeeres: Im Bereich der Pole nimmt die Ozonkonzentration wieder zu. Dafür geht sie über den mittleren Breitengraden zurück. Bildrechte: IMAGO

Die Ozonschicht hat in den vergangenen Jahren über den dicht besiedelten mittleren Breiten, in denen auch Deutschland liegt, und über den Tropen weiter abgenommen. Das haben Forscher der Eidgenössischen Technische Hochschule (ETH) in Zürich nach einer umfassenden Auswertung neuester Satelliten-Messdaten festgestellt.

Ozon-Konzentrationen in Stratosphäre schwindet

Nach den Erkenntnissen der Schweizer Forscher um den Atmosphären-Chemiker Thomas Peter wird die Ozonschicht, welche die Erde und ihre Bewohner vor den krebserregenden UV-Strahlen der Sonne schützt, an den Polen zwar wieder dicker. Allerdings geht die Ozon-Konzentration im unteren Teil der Stratosphäre (15 bis 25 Kilometer), wo das Ozon als UV-Filter wirkt, zwischen dem 60. Grad südlicher und dem 60. Grad nördlicher Breite weiter zurück. Und das trotz des internationalen Verbots der schädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffe ( FCKW ). Zugleich steigt in diesen Breitengraden der Ozongehalt im Bereich der Troposphäre (bis 15 Kilometer Höhe), wo das Ozon allerdings wegen seiner Wirkung als Reizgas unerwünscht ist. "Wir haben damit eine Zunahme des Ozons an der falschen Stelle", beschreibt ETH-Experte Peter im MDR das Kernproblem.

Zwei mögliche Ursachen

Collage: Ein Mensch besprüht mit einer Dose einen Globus.
Trotz der Ächtung des Ozon-"Killers" FCKW bleibt das Problem mit sinkenden Ozonkonzentrationen bestehen. Bildrechte: IMAGO

Die Fachwelt, die bislang davon ausging, dass sich die globale Ozonschicht bis zur Jahrhundertmitte wieder vollständig erholt, steht nun vor einem Problem. Atmosphären-Chemiker Peter sieht zwei mögliche Ursachen: "Entweder es hängt zusammen mit der Klima-Veränderung, also damit, dass sich in der Stratosphäre in 30 Kilometer Höhe die Luftzirkulation verändert und weniger Luft von den Tropen, also dort wo das Ozon produziert wird, in die mittleren Breiten transportiert wird. Oder es hängt damit zusammen, dass wir vermehrt Ersatzstoffe der FCKW - der Fluorchlorkohlenwasserstoffe - produzieren, von denen wir eigentlich dachten, sie würden der Ozonschicht nichts anhaben können, weil sie bereits weiter unten abgebaut werden." Sollten diese Ersatzstoffe allerdings doch vermehrt in die Höhe transportiert werden, so Peter weiter, könnte auch das einen "negativen Effekt auf das Ozon haben".

Maßnahmen gegen "unerwünschte Entwicklung"

Welche Folgen der fortgesetzte Ozonschwund in der unteren Stratosphäre für Mensch und Ökosystem hat, lässt sich noch nicht restlos abschätzen. Die Wissenschaftler wollen die Ursachen nun genau klären. Ein internationales Team unter Leitung von ETH-Forschern soll auf der Grundlage der Ergebnisse dann ein Maßnahmenpaket erstellen. Für Atmosphären-Forscher Peter steht aber bereits jetzt fest: "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, also weniger Ozon oben, wo wir es als Schutzschicht brauchen, und dafür mehr Ozon unten, wo wir es als Reizgas nicht haben wollen, dann wäre das natürlich eine Entwicklung, die unerwünscht wäre." In dem Maße, wie diese Entwicklung mit der Klimaveränderung einhergehe und mit ihr zusammenhänge, so Peter, sollte das ein weiterer Appell an die Politik sein, "Maßnahmen einzurichten, die das Klima schützen und die CO2-Emissionen drosseln."

Ozon, Ozonschicht, FCK-Verbot Ozon ist ein aus drei Sauerstoff-Atomen bestehendes Molekül (O3). Die Ozonschicht, sprich die höhere O3-Konzentration in der Stratosphäre schützt die Lebewesen auf der Erde vor Schädigungen durch energiereiche ultraviolette Sonnenstrahlung. Als starkes Oxidationsmittel kann Ozon allerdings bei Menschen und Tieren auch zu Reizungen der Atemwege und der Augen führen. Als im 20. Jahrhundert zu viele ozonzerstörende chlor- und bromhaltige Kohlenwasserstoffe wie etwa FCKW in die Atmosphäre gelangten, dünnte sich die Ozonschicht in der Stratosphäre (15 bis 50 Kilometer Höhe) global aus. Im Jahr 1989 wurde durch das Montrealer Protokoll ein Verbot dieser langlebigen Ozon-schädigenden Substanzen beschlossen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Februar 2018 | 05:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2018, 07:00 Uhr