Nachhaltige Landwirtschaft Palmöl kann auch umweltfreundlich angebaut werden

Weil für seine Gewinnung große Regenwaldflächen abgeholzt werden, steht Palmöl seit längerem in der Kritik. Schweizer Forscher haben nun herausgefunden, dass die Pflanzen auch klimaneutral kultiviert werden können: Indem nicht mehr genutztes Weideland reaktiviert wird.

Männer zwischen Palmen
Bildrechte: EPFL/WSL

Sie ist mittlerweile zu einem Symbol für die Abholzung des Regenwalds geworden: die Ölpalme. Da das aus ihrem Fruchtfleisch gewonnene Palmöl ungemein praktisch ist und von Margarine über Waschmittel bis hin zum Biodiesel quasi überall verwendet wird, erstreckt sich die Anbaufläche von Elaeis guineensis weltweit inzwischen auf 19 Millionen Hektar.

Verzicht auf Palmöl gefordert

Nussnugatcreme mit dem Aufdruck ohne Palmöl
Nussnugatcreme ohne Palmöl. Bildrechte: imago/photothek

Dafür musste viel Urwald weichen, und seine Bewohner gleich mit - zuletzt waren etwa die verheerenden Brände 2015 in Indonesien ein großes Thema in diesem Zusammenhang. Dazu sollen Kinder zu Fronarbeit auf den Plantagen gezwungen worden sein, bei erwachsenen Arbeitern soll es zu Menschenrechtsverletzungen gekommen sein.

Forderungen nach einem Verzicht auf Palmöl wurden laut, der Lebensmittelhersteller Nudossi aus Radebeul bei Dresden etwa bietet seit 2018 auch eine Nussnougatcreme ohne Palmöl an - mit zweifelhaftem Erfolg.

Erstmals zwei Wachstumszyklen untersucht

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Palmöl umweltfreundlicher anzubauen. Dass dies geht, haben Wissenschaftler von der Universität Lausanne nun bewiesen. Sie untersuchten dafür Palmöl-Farmen in der Region Los Llanos in Kolumbien - und zwar erstmals über einen längeren Zeitraum.

Waldbrand
Ein Waldbrand in Indonesien. Die Palmölproduktion wird mit solchen Bränden immer wieder in Verbindung gebracht. Bildrechte: imago images/Xinhua

Das Ergebnis: Wenn für den Anbau der Pflanzen frühere Weiden genutzt wurden, war der CO2-Fußabdruck ungefähr so groß, wie wenn das Land ungenutzt geblieben wäre. "Unsere Studie ist die erste, die den CO2-Fußabdruck der Palmölproduktion über einen längeren Zeitraum untersuchte", erklärt Studienleiter Juan Carlos Quezada, "also über zwei Pflanzzyklen, da Ölpalmen alle 25 bis 30 Jahre neu gepflanzt werden."

Damit hätten die Forscher zum ersten Mal untersuchen können, wie sich Bodenqualität und -fruchtbarkeit über einen langen Zeitraum verändern, wenn Weideland in Palmölfarmen umgewandelt wird.

Palmöl per se nicht schädlich

Die Wissenschaftler arbeiteten für ihre Studie, die Teil des interdisziplinären OPAL-Projektes ist, unter anderem mit dem WWF zusammen. Dabei werden in Ländern wie Indonesien, Kolumbien und Kamerun den ansässigen Bauern die Probleme mit Palmöl bewusstgemacht und nachhaltige Alternativen aufgezeigt.

Palmöl per se ist nicht schädlich - weder für unsere Gesundheit, wenn man es moderat zu sich nimmt, noch für die Wirtschaft. [...] Denn die Arbeit von vielen Bauern etwa in Kolumbien hängt davon ab.

Alexandre Buttler, Co-Autor der Studie

Laut Buttler liege das Problem der Palmölproduktion aktuell im CO2-Ausstoß und dem Verlust von Biodiversität durch die Abholzung der Wälder. "Die Hauptproduktionsländer haben jedoch große Weideflächen, die günstig umgewandelt werden können und so den Kohlenstoffverlust durch Entwaldung begrenzen", erklärt der Forscher.

cdi

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 24. April 2019 | 10:45 Uhr

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