"Free Willy" Längst verbotener Stoff PCB bedroht Überleben der Orcas

Wie langfristig die Folgen von Umweltverschmutzung sein können, zeigt eine neue Studie zu Orcas. Die Tiere leiden an der längst verbotenen Chemikalie PCB, die Hälfte der weltweiten Bestände ist bedroht.

Orca Schwertwahle in Kanada
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Polychlorierte Biphenyle (PCB) waren bis in die 1980er Jahre hinein beliebte Chemikalien in der Industrie. Weil sie chemisch stabil sind und nicht brennbar wurden sie als Weichmacher verwendet in Lacken, in Dichtungen, Isolierungen und Kunststoffen. Elektrobetriebe nutzten PCB beim Bau von Transformatoren und elektrischen Kondensatoren, auch als Schmiermittel waren die Stoffe beliebt. Jetzt gefährdet PCB die Hälfte aller Orca-Bestände weltweit.

Dass PCB hochgiftig sind, ist längst bekannt. In der Bundesrepublik dürfen sie seit dem 14. Februar 1989 nicht mehr verwendet werden. Das Stockholmer Abkommen dehnte dieses Verbot 2001 auf die gesamte Welt aus. Doch aufgrund ihrer Langlebigkeit und Stabilität bleiben Polychlorierten Biphenyle noch auf viele Jahre ein Problem. Und die spätestens durch den Film "Free Willy" bekannten Orcas könnten nun ihr Opfer werden.

10 von 19 Populationen vom Aussterben bedroht

Forscher um Jean-Pierre Desforges von der dänischen Universität Aarhus haben jetzt im Fachblatt Science eine Studie veröffentlicht, in der sie untersucht haben, wie sich das Gift in den Schwertwalen anlagert. Dazu maßen sie die PCB-Werte von 351 Tieren. Schon durch vorangegangene Studien war bekannt, dass rund 50 Milligramm pro Kilo die Fruchtbarkeit und das Immunsystem der Orcas schädigen. Desforges und seine Kollegen fanden nun bis 1300 Milligramm in einem Kilo Wal.

Schon heute beobachten Forscher, dass viele Orca-Populationen immer weniger Nachwuchs haben. Das könnte ein Effekt der PCB-Konzentrationen sein. Anhand der gemessenen Belastungen simulierten die Wissenschaftler, wie sich das Umweltgift in den kommenden 100 Jahren auf die Schwertwale auswirkt. Demnach sind 10 von 19 Populationen weltweit akut vom Aussterben bedroht. Betroffen sind dabei vor allem Gebiete vor Brasilien, Gibraltar und den Kanarischen Inseln sowie Regionen vor Großbritannien, Japan und im Nordostpazifik.

Eintrag weiterer Gifte verhindern

Ob PCB dann allein für den Tod der Tiere verantwortlich ist, darauf wollen sich die Forscher nicht festlegen. Auch viele weitere Gifte aus chemischer Produktion sind hoch problematisch für die Orcas, unter anderem Organophosphat-Flammschutzmittel, Perfluor-Alkylsäuren (PFAAs) oder polychlorierte Naphthaline (PCN). Experten fordern daher, alte Maschinen fachgerecht zu entsorgen, um den Eintrag weiterer Giftstoffe ins Meer zu verhindern. Mehr könne man für die Tiere nicht tun, sagen Veterinäre, sagte Joseph Schnitzler von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | Tagesupdate | 26. Mai 2017 | 18:50 Uhr

Marie Mrusscok auf einem Orca Beobachtungsschiff vor Island 2 min
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Sie hat alles Zuhause zurück gelassen, um Orcas in Island zu schützen. Dazu hat sie eine Organisation gegründet. Hier spricht sie über ihre Arbeit und ihre Liebe zu den Tieren.

MDR SPUTNIK Fr 26.05.2017 10:05Uhr 01:35 min

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