Testergebnisse Schweizer Studie: Pestizide im Honig - weltweit!

Das weltweite Bienensterben gefährdet unser Ökosystem. Sind Pestizide schuld? Wissenschaftler haben sich Honig aus der ganzen Welt schicken lassen, um ihn zu untersuchen. Und das Ergebnis ist erschreckend.

Imker bei der Arbeit: Wie aus der Honig aus dem Bienenstock in Honiggläser gelangt.
Rund 198 Honigproben aus allen Kontineten (außer der Antarktis) wurden den schweizer Forschern zugeschickt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schweizer Forscher von der Universität und dem Botanischen Garten Neuchâtel haben mit Hobbbywissenschaftlern aus allen Teilen der Welt zuzsammengearbeitet, um zu untersuchen, warum so viele Bienen sterben. Die fleißigen Tiere sind nicht nur für Honigliebhaber relevant. Sie bestäuben rund 80 Prozent unserer landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und sorgen somit auch für die Sicherung der Grundversorgung des Menschen.

Was bedroht die Bienen?

Bisher können Imker und Forscher nur mutmaßen, was den Tieren fehlt. Der Verdacht, dass Pestizide Schuld am massenhaften Sterben sind, wird von der aktuellen Publikation der Wissenschaftler im sciencemag bekräftigt. Die Forscher haben sich innerhalb von vier Jahren fast 200 Honigproben aus der ganzen Welt schicken lassen.

Um eine repräsentative geographische Verteilung zu gewährleisten, haben wir uns bei der Auswahl der Honigproben auf kleine Produzenten konzentriert und auf Honig, der klar definierten Regionen zuzuordnen war.

Blaise Mulhauser, Direktor des Botanischen Gartens Neuchâtel
Die in der Landwirtschaft genutzten Insektizide Acetamiprid, Clothianidin, Imidacloprid, Thiacloprid und Thiamethoxam wurden in den Proben gefunden. Der deutsche Honig wies eine besonders hohe Konzentration dieser Neonikotinoide auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Analyse zeigt, dass 75 Prozent der Proben geringe Konzentrationen von Pestiziden enthalten. Diese sogenannten Neonikotinoide sind in den nachgewiesenen Dosen für den Menschen unbedenklich. Allerdings könnten die Pflanzenschutzmittel dafür verantwortlich sein, dass die Bienen anfälliger für Krankheiten sind, so der leitende Wissenschaftler des Forschungsprojektes, Edward Mitchell.
Die Publikation der Forscher zeigt außerdem, dass sich die Bienen unter Einfluss der Mittel auch schlechter orientieren und fortpflanzen können.

Die Pestizide könnten also ein wichtiges Puzzleteil im Rätsel um das Bienensterben sein. Das Verbot dieser weltweit nachgewiesenen Bienengifte wird bereits in der EU-Kommission heftig diskutiert.

Das österreichische Forschungsprojekt Zukunft Biene untersucht weitere Faktoren, die für das Sterben der Bienen verantwortlich sein könnten. So könnte neben den Varroamilben und Viren auch der Klimawandel verantwortlich sein.

Über dieses Thema berichtete MDR Kultur: im Radio | 21.06.2017 | 14:00 Uhr