Pferd liegt auf der Weide im hohen Gras
Erkrankte Pferde sind depressiv und sondern sich von der Herde ab. Bildrechte: imago/Frank Sorge

Seltene Krankheit Bornavirus lässt Pferde sterben

Das Glück der Erde liegt nicht nur für Pferdebesitzer auf dem Rücken der Pferde. Doch die dürften beunruhigt sein bei dieser Nachricht: Die Borna-Krankheit - eine tödliche Viren-Infektion bei Huftieren - ist in Österreich in einer Region aufgetreten, in der es sie zuvor noch nicht gab. Die Spur führt zu einem Erreger aus Süddeutschland, stellten Wissenschaftler fest. Doch wie der Virus nach Oberösterreich kam, ist völlig unklar.

Pferd liegt auf der Weide im hohen Gras
Erkrankte Pferde sind depressiv und sondern sich von der Herde ab. Bildrechte: imago/Frank Sorge

Innerhalb von zwei Jahren haben sich in Österreich vier Pferde mit einer seltenen Vireninfektion angesteckt, die unweigerlich zum Tod der Tiere führt: Sie starben an der sogenannten Borna-Krankheit. Wie die Veterinärmedizinische Universität Wien mitteilte, sind die Tiere alle in der gleichen Region in Oberösterreich an den Bornaviren erkrankt. Eine entsprechende Studie haben Forscher vom Institut für Pathologie und gerichtliche Veterinärmedizin im Fachmagazin "Emerging Microbes & Infections" veröffentlicht.

Tödliche Virusinfektion

Die Forscher um Erstautor Herbert Weissenböck stellten für die betroffene Region fest, dass es sich um ein "neues inländisches Endemiegebiet" handelt. Es sei der erste Ausbruch der tödlichen Krankheit in einem bisher nicht betroffenen Gebiet, weshalb es überraschend sei, dass es dort überhaupt einen Ausbruch gegeben habe. Wenn ein Pferd an der Borna-Krankheit erkrankt, ist das sein Todesurteil, sagte Weissenbröck.

Eine Heilung gibt es nicht.

Herbert Weissenböck, Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Krankheit, die für Pferde tödlich ist, ist für den Menschen wohl ungefährlich. Zwar hatten Forscher vor ein paar Jahren noch angenommen, dass Bornaviren beim Menschen Depressionen verursachen könnten, aber dafür haben die Wiener Wissenschaftler keine Indizien gefunden, so Weissenböck.

Feldspitzmäuse als Überträger

Feldspitzmaus lugt zwischen Felssteinen hervor.
Bildrechte: imago/blickwinkel

Als natürlicher Überträger der tödlichen Viren wird in der Wissenschaft vor allem die Spitzmaus verdächtigt. Und tatsächlich haben Tests an regionalen Feldspitzmäusen, die die Wiener Wissenschaftler durchgeführt haben, diesen Verdacht auf ein lokales Virusreservoir bestätigt: Rund die Hälfte der untersuchten Tiere war mit dem Erreger infiziert. Die Mäuse tragen das Bornavirus ihr Leben lang in sich, wenn sie infiziert werden, zeigen aber keinerlei Symptome. Außerdem wurde erstmals auch eine Waldspitzmaus positiv getestet. Diese Art galt bisher nicht als möglicher Bornaviren-Träger.

Die österreichischen Bornaviren sind den Forschern zufolge mit einem Virusstamm aus Rheinland-Pfalz am nächsten verwandt. Die Borna-Krankheit tritt in ganz Mitteleuropa sporadisch immer mal wieder auf. Doch wie sich das Virus aus Süddeutschland weiter ausbreiten konnte, sei unklar, sagt Weissenböck, da die Spitzmäuse "sehr stark territorial gebunden" sein müssten.

Borna-Krankheit Die Borna-Krankheit ist eine ansteckende Gehirn- und Rückenmarksentzündung bei Einhufern. Sie führt zu tödlichen Entzündungen des Gehirns und des Rückenmarks vor allem bei Pferden und Schafen. Ist ein Tier infiziert, zeigt es Symptome wie Verhaltensänderungen oder Bewegungsstörungen - es sondert sich beispielweise von seiner Herde ab, wird depressiv schreckhaft oder aggresiv und auch Spasmen und Speicheln ist üblich.

Die Krankheit ist nach der Kleinstadt Borna in Sachsen benannt. Denn hier ist im Jahr 1894 ein ganzer Stall voller Kavalleriepferde an der "Hitzigen Kopfkrankheit" der Pferde erkrankt. Erst 1935 wurde dann der Erreger als Virus identifiziert.

Das Bornavirus ist verwandt mit den Tollwut- und den Masern-Erregern. Eine neue Variante des Erregers ist vor etwa zwei Jahren bei Bunthörnchen aufgetaucht: Er ist auf den Menschen übertragbar und sorgte offenbar für den Tod von drei Züchtern in Sachsen-Anhalt in den Jahren 2011 - 2013. Diese Bornaviren wurden wegen ihrer erheblichen Unterschiede zu den bis dahin bekannten Bornaviren als eigene Virusart eingestuft.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch bei: Echt | 08.09.2015 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2017, 16:17 Uhr