Nur ein Bruchteil erforscht Pilze - die unbekannten Wesen

Wie viele Pilzarten gibt es auf der Erde? Wissenschaftler können nur schätzen. Irgendwas zwischen 2,2 und 3,8 Millionen Arten - vermuten sie. Bekannt sind gerade mal 120.000.

Cora imi (Herzflechte, Costa Rica)
Bildrechte: R. Lücking / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin

Pfifferling, Steinpilz, Trüffel - haben wir schon mal gehört, gesehen, gekostet. Dass Hefe ein Pilz ist, wissen vermutlich nicht nur Hausmann oder –frau. Und Hallimasch ist nicht nur Pilzsammlern bekannt, sondern auch Fans von Rekorden. Denn er gilt als das größte Lebewesen der Welt. Aber Pilze gibt es nicht nur in der Küche und im Wald, sondern auch in der Tiefsee, auf Pflanzen oder in Insekten. Und die meisten von ihnen kennen wir nicht, sagen David L. Hawksworth und Robert Lücking, zwei Botaniker aus London bzw. Berlin. Bis zu 3,8 Millionen Arten könnten es sein. Damit wären die Pilze nach den Tieren die zweitstärktste Population der Welt, bis zu zehnmal so groß wie Pflanzen. Und nur 120.000 von ihnen sind wissenschaftlich beschrieben - nach den Berechnungen der Wissenschaftler gerade einmal drei bis acht Prozent.

Pilzforschung im Schneckentempo

Wenn wir so weiter forschen wie bisher, dann brauchen wir mindestens noch 1.500 bis 2.500 Jahre, um die unbekannten Pilze zu beschreiben. Viele dürften bis dahin aber auch schon ausgestorben sein. Das vermuten die britischen und deutschen Botaniker, die für eine Studie die Verbreitung der Pilze untersucht haben.

Ihre Schätzwerte errechneten sie mit verschiedenen Methoden: Sie analysierten unter anderem Genmaterial von Organismen aus Boden- und Wasserproben. Zudem nutzten sie Daten zum bekannten Vorkommen von Pilzen pro Pflanzenart. Die Ergebnisse veröffentlichen sie jetzt im Fachblatt “Microbiology Spectrum“. Vor allem in den Tropen vermuten sie extrem viele unbekannte Pilzarten. Aber auch Pilze in Insekten seien bisher kaum untersucht.

Was Pilze unersetzlich macht

Coprinellus disseminatus (Gesäter Tintling, Kolumbien)
In dieser Gattung totholzzersetzender Pilze ist die Zahl der geschätzten Arten etwa so hoch wie die Zahl der bekannten Arten, eher eine Ausnahme unter den Pilzen. Bildrechte: R. Lücking / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin


Dabei sind Pilze oft von großer Bedeutung für den Kreislauf der Natur, zum Beispiel beim Zersetzen von totem organischen Material. Gleichzeitig gehören Pilze zu unserer Nahrung, sind wiederum als Krankheitserreger gefährlich, bilden aber auch die Grundlage für Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika. Pilze vereinen nach Angaben des Botanischen Gartens Eigenschaften von Tieren und Pflanzen, sie gelten demnach inzwischen als näher mit Tieren verwandt.

Über dieses Thema berichtete der MDR: SPUTNIK Mailbox | 11.09.2017 | 06:20 Uhr
MDR ZEITREISE | 05.09.2017 | 21:15 Uhr

Wissen

Hallimasch 2 min
Bildrechte: BissenWissen_Hallimasch

Wir stellen vor: Das größte Lebewesen der Welt! Es ist kein Baum und auch kein Wal, sondern: Ein Pilz! Der unglaubliche Hallimasch.

Di 04.07.2017 13:17Uhr 02:01 min

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