Strand - Sant Jordi
Bildrechte: privat/ R. Gerke

Gefährliche Seeblase Giftige Portugiesische Galeere im Süden Mallorcas

Sie sieht aus wie eine Qualle, ist aber ein komplexes Gebilde zusammenhängender Polypen mit meterlangen Tentakeln. Berührung von ihnen lösen stundenlange, peitschenartige Schmerzen aus. Eigentlich kommen diese Meeresbewohner vom Typ "Physalia Physalis" in tropischen oder subtropischen Gewässern vor. Urlauber aus Berlin sind ihnen beim Frühjahrsurlaub auf Mallorca begegnet und haben uns geschrieben.

Strand - Sant Jordi
Bildrechte: privat/ R. Gerke

Mallorca und portugiesische Galeeren - gehört das künftig zusammen? Das fragt sich eine MDR Wissen Nutzerin nach einem Kurztrip auf die Insel. Sie hat es gerade erlebt - klassisches Traumwetter auf Mallorca, wer am südlichen Zipfel bei Sant Jordi am Meer entlangwandert, kennt den Wechsel von felsigen und sandigen Strandabschnitten.

Genau einen solchen Abschnitt ist Roswitha Gerke aus Berlin entlang gewandert, wie viele andere Badetouristen auch. Doch hinter dem nächsten sandigen Strandabschnitt wartete eine Überraschung auf die Berlinerin, mit der sie sich an MDR Wissen wandte: Felsen, die blau schimmerten, bedeckt von vermutlich Hunderten Exemplaren einer Polypen-Art, die gerne mit Quallen verwechselt wird und die immer wieder für Schlagzeilen sorgt: "Ist das die Portugiesische Galeere?", wollte sie von uns wissen und schickte dieses Bild:  

Portugiesische Galeere
Bildrechte: privat/ R. Gerke

Die Antwort lautet: Ja!

Die Berliner Urlauber haben richtig gelegen mit ihrer Vermutung, wie uns Meeresforscher vom Alfred-Wegener-Institut bestätigt haben.

Ein wandernder Polypenstaat mit Vorliebe für warme Gewässer

Eigentlich lebt die Portugiesische Galeere in den tropischen und subtropischen Regionen des Pazifik, teilweise aber auch im Atlantik: Sie mag es gern warm. Eigene Fortbewegungsorgane hat sie keine, sie wird angetrieben von Seewinden, Strömung und Gezeiten: Dazu nutzt sie vor allem ihren aufgestellten Kamm, eine Blase über Wasser, die wie ein Segel wirkt. Die Portugiesische Galeere ernährt sich von kleinen Fischen, Krustentieren und Muscheln, die sie mit ihren Tentakeln umschlingt und aussaugt.

Berührungen mit den Tentakeln, genauer gesagt ihren Nesselzellen, sind für Menschen nicht nur beim Erstkontakt im Wasser schmerzhaft. Sie wirken wie Peitschenhiebe und halten ungefähr eine Stunde lang an. Das Gift kann einen allergischen Schock hervorrufen, mit Atemstillstand und Herzversagen. Sogar wenn sie schon tot ist, wirkt die Berührung mit den Tentakeln immer noch toxisch. Bei Kontakt mit einem dieser Meeresbewohner sollte immer ein Arzt informiert werden.

Portugiesische Galeere
Auch 2018 sorgte eine einzelne Portugiesische Galeere auf Mallorca für Schlagzeilen. Bildrechte: IMAGO

Warum gibt es solche Biester?

Fragt man sich ja auch bei Zecken, warum gibt es die eigentlich. Im Fall der Galeeren ist die Antwort einfach: Auch sie sind Teil einer Nahrungskette – sowohl bei der unechten Karettschildkröte, der pelagischen und der Veilchenschnecke stehen die segelnden "Man of War", wie sie im Englischen heißen, auf der Speisekarte. Aber warum sie jetzt schon das zweite Jahr in Folge auf Mallorca gesichtet wird, ist noch unklar. Ist das eine Folge der Klima-Erwärmung, fühlen sich die "Gift-"Quallen"bereits im Mittelmeer so wohl wie zum Beispiel an den Küsten von Queensland im Norden Australiens? Oder passen sie sich einfach an das Leben im Mittelmeer an oder findet der "segelnde Krieger" generell passende Lebensbedingungen in der europäischen Sommer-Badewanne? Ist das dann auch eine invasive Art?

Auf Mallorca selbst ist in den Medien über das erneute Auftreten der giftigen Meeresreisenden noch nichts zu lesen. Experten in Madrid sind derzeit wegen des Festes zu San Isidro nicht zu erreichen, auch Spezialisten auf Mallorca und dem südlichen Cadiz antworteten trotz mehrerer Nachfragen nicht. Ob sich Urlauber und Mallorquiner sich generell auf Warnschilder wie an australischen Stränden einstellen müssen, die vor Physalia Physalis warnen, lässt sich jetzt, Mitte Mai, also noch nicht sagen.

Würfelquallen-Warnschild
Bildrechte: imago images / robertharding

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 20. Juni 2016 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 15:30 Uhr