Putzerfische
Ein Putzerfisch vor dem Spiegel. Bildrechte: Dr. Alex Jordan

Spiegeltest Putzerfische erkennen sich selbst

Schimpansen können es, Delfine und auch Krähen: Sie erkennen sich selbst, wenn sie in den Spiegel schauen. "Spiegeltest" nennen Wissenschaftler diesen Versuch. Er gilt als Beleg dafür, dass diese Tierarten möglicherweise ein Ich-Bewusstsein haben - also so ähnlich wie wir Menschen. Doch nun hat eine neue Tierart den Test bestanden, die Zweifel daran aufkommen lässt, ob der Spiegeltest tatsächlich funktioniert: Auch Putzerfische erkennen sich selbst im Spiegel. Sind sie besonders schlau?

von Kristin Kielon

Putzerfische
Ein Putzerfisch vor dem Spiegel. Bildrechte: Dr. Alex Jordan

Für Taucher ist es ein faszinierendes Schauspiel, Putzerfische in freier Wildbahn bei der Arbeit zu beobachten: Mit schnellen Schwimmbewegungen huschen die blau-schwarz gestreiften Fische um Raubfische, um sie von Parasiten und abgestorbener Haut zu säubern. Und ausgerechnet diese flinken kleinen Dienstleister sollen sich ihres eigenen Ichs bewusst sein – ganz so, wie man es bisher nur Säugetieren und Vögeln zuschreibt? Evolutionsbiologe Alex Jordan vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Konstanz hält es nicht für wahrscheinlich, dass der Fisch versteht, dass er ein denkendes Wesen ist, so wie wie wir Menschen das Ich-Bewusstsein verstehen.

Natürlich ist das möglich, aber die Minimal-Erklärung ist einfach, dass der Fisch versteht, was der Spiegel tut und er ihn dafür nutzt, Teile seines Körpers zu betrachten, die er sonst nicht sehen könnte.

Alex Jordan

Warum der Test mit Putzerfischen?

Putzerfirsche erkennen also ihr Spiegelbild als Abbild des eigenen Körpers, wissen aber nicht, was das bedeutet, vermutet Jordan. Aber warum eigentlich Putzerfische? Ein Fehlversuch brachte die Forscher auf diese Spezies: Eigentlich forscht Jordan zum komplexen sozialen Verhalten des Buntbarschs, der allerdings den Spiegeltest nicht bestand. Entweder, weil er war kognitiv nicht in der Lage war oder sich einfach nicht für den Spiegel interessierte.

Daraufhin überlegten die Forscher, welcher Fisch das visuelle System und die kognitiven Fähigkeiten haben könnte, um eine Markierung auf seinem Körper wahrzunehmen und darauf regieren zu können. Der Putzerlippfisch kam dafür in Frage: Sein Sozialverhalten ist komplex - das könnte Forschern zufolge auf fortgeschrittene kognitive Fähigkeiten hinweisen. Deshalb haben die Forscher den kleinen Fischen eine Markierung verpasst, die sie nur im Spiegel sehen konnten. Und tatsächlich: die Putzerfische reagierten auf ihr eigenes Spiegelbild. Die Forscher beobachteten, wie die Fische ihren Körper an Steinen rieben oder an Sand, um die Markierungen loszuwerden.

Daraus konnten wir ablesen: Sie haben die Markierung gesehen, sie haben verstanden, dass sie an ihrem eigenen Körper ist und dann versucht, sie zu entfernen.

Alex Jordan

Spiegeltest tatsächlich glaubwürdig?

Dieses Verhalten zeigten sie nur, wenn sie die Markierung an sich selbst im Spiegel gesehen hatten. Damit gilt der Spiegeltest als bestanden, erklärt Evolutionsbiologe Jordan. Das zeige, dass Putzerfische intelligenter seien als bisher angenommen. Was es in Jordans Augen dagegen nicht beweist ist, dass die Tiere sich ihrer selbst bewusst sind. Das würde die generelle Glaubwürdigkeit des Spiegeltests in Frage stellen.

Putzerfisch am geöffneten Maul einer Rußkopf-Muräne
Ein Putzerfisch umschwimmt einen seiner "Arbeitsplätze" im Indischen Ozean Bildrechte: imago/imagebroker/Dirscherl

Das ursprüngliche Design des Tests zielte darauf ab, das Ich-Bewusstsein zu testen. Aber wenn ein Fisch ihn besteht und alle Kriterien erfüllt und das dann aber nicht als Beweis für ein Ich-Bewusstsein akzeptiert wird, dann muss man natürlich den Test an sich in Frage stellen.

Alex Jordan

Denn anhand des bloßen Erkennens des eigenen Spiegelbildes lassen sich Jordan zufolge noch keine Aussagen darüber machen, inwiefern das Tier diesen Prozess auch versteht. Darüber könnte nur der Blick ins Gehirn der Tiere wirklich Auskunft geben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 13. Februar 2019 | 17:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2019, 16:48 Uhr

Mehr aus der Verhaltensforschung: