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Ab 27. Mai wird in Erfurt "gestadtradelt". Bildrechte: MDR/Jürgen Kolarzik

Klimaschutz und Verkehrsplanung

Stadtradeln: Daten können Radwege besser machen

von Liane Watzel

Stand: 28. Mai 2021, 10:27 Uhr

Zwischen Mai und September ist Stadtradelzeit, heute (27. Mai) beginnt sie in Erfurt: Drei Wochen aufs Rad umsteigen, das ist nicht nur gut fürs Klima und die eigene Gesundheit, es liefert Daten, die helfen, das Radwegenetz besser zu planen. Ein Team der TU Dresden hat die Stadtradeldaten seit 2018 gesammelt und ausgewertet.

Es ist getarnt als sportlicher Wettbewerb zwischen Kommunen, zu dem seit Jahren immer ab Mai beim "Stadtradeln" aufgefordert wird: In welcher Stadt ist die Bevölkerung in einem definierten Drei-Wochenzeitraum am radmobilsten? Dazu werden die gefahrenen Kilometer von allen, die sich beim Stadtradeln anmelden, per App erfasst oder von Hand auf der Stadtradeln-Seite eingetragen. In Erfurt beginnt heute die Aktion, die bis zum 16. Juni dauert.

Dabei gewinnt den Veranstaltern zufolge zuallererst das Klima. Das ist ein bisschen theoretisch, daher gibt es als Anreiz ganz praktisch allerlei nützliche Dinge fürs Radfahren wie Fahrradtaschen, Pedelecs, Räder oder Smartphonehalterungen.

TU Dresden nutz Radfahrdaten wissenschaftlich

2017 hatte ein Forschungsteam der TU Dresden das Projekt MOVEBIS angeschoben, das die "Stadtradel"-Daten nutzbar machen wollte. Ab 2018 wurden dann Daten erhoben. Der Gedanke dahinter: Wenn man sieht, welche Wege Menschen per Rad in der Stadt zurücklegen, und wann, und welche Wege gemieden werden, kann man schauen, wo es klemmt und warum. So werden exakte Daten gewonnen, die sonst mit großem Aufwand per Zählung oder Beobachtung vor Ort gesammelt werden müssten. Sie können der Stadtplanung beim Ausbau ihres Radwegenetzes helfen.

Stadtradeln 2018-2020
JahrWieviele Menschen sind mitgeradelt?Wieviele Kilometer wurden gefahren?Wieviele Fahrten wurden gemacht?
201823.6911,8 Mio.279.000
201977.0497,8 Mio. 1.001.931
2020157.97815,7 Mio. 2.156.990

Die Stadtradel-App erfasst Daten zu Fahrgeschwindigkeit, Bodenbeschaffenheit, Radfahrzeiten, Radrouten. Für 2020 wurde eine Gesamtmenge von 19,5 Terabyte erhoben, sagt Projektbetreuer Sven Lißner von der TU Dresden im Gespräch mit MDR WISSEN. "Wir haben im Januar und Februar 2021 etwa 200 Teilnehmer geschult, wie sie die Daten für ihre Kommunen auswerten können." Mehr als 1.400 Kommunen sind zwar dabei beim Stadtradeln, aber wie viele von ihnen tatsächlich anhand der Daten ihr Radwegenetz planen, bleibt offen. Es gibt zwar Feedback, aber eben nicht von allen, sagt der Verkehrsingenieur.  

Körnerweg: App zeigt, wie sich Änderungen am Asphalt auf Radverkehr auswirken

Freie Fahrt in Radebeul auf dem Elberadweg, in Dresden hakt es streckenweise Bildrechte: IMAGO / Arvid Müller

Am Beispiel Körnerweg in Dresen zeigt die App, wie sich der Bodenbelag auf das Fahrverhalten und die Nutzung auswirkt. Der 22 Kilometer lange Radweg rechts der Elbe zwischen Körnerplatz und Waldschlösschen ist ein alter Treidelweg mit denkmalgeschütztem Bodenbelag, aus Radlersicht eine holprige Piste, auf der es sich denkbar schlecht radeln ließ. Diese Strecke haben Radler offensichtlich gemieden. "Nachdem der Weg 2019 asphaltiert wurde, übergangsweise, fuhren die Radler dort nicht mehr 13 km/h, sondern 20 km/h", erzählt Lißner. "Da hat sich von einem aufs andere Jahr die Radverkehrsmenge verfünffacht."

 Wie geht es weiter mit den Stadtradel-Daten?

Das Forschungsprojekt MOVEBIS ist zwar Ende 2020 ausgelaufen. Zwei Startups, flow.d und Vision Velo, haben sich aus der TU Dresden gegründet und erheben die Daten gemeinsam mit dem Klima-Bündnis e.V. jetzt weiter und stellen sie interessierten Kommunen zur Verfügung. Hessen und Baden-Württemberg haben bereits Interesse an den Radverkehrsdaten für das Jahr 2021 bekundet.

Stadtradeln 2021: Wer macht mit?

Für 2021 haben sich beim Stadtradeln bisher 1.940 Kommunen angemeldet (Stand 27. Mai 2021). Die ersten 92 Kommunen sind schon durch, 227 sind mitten in der Radelphase, und 1.627 warten noch auf ihren jeweiligen Startschuss. In Thüringen sind dieses Jahr 19 Kommunen am Start, in Sachsen vier und in Sachsen-Anhalt eine, nämlich die Landeshauptstadt. Anmelden können sich Kommunen noch bis September, solange 21 Tage Radel-Zeit bis zum 30. September zur Verfügung stehen. Die Teilnahmegebühren für die Kommunen richten sich nach der Zahl der Menschen, die vor Ort leben.

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