Seehundzählung Seehund-Rekord im Wattenmeer

Der Seehund-Nachwuchs im Wattenmeer hat dieses Jahr neue Rekordwerte erreicht. An der Nordseeküste sind so viele Welpen gezählt worden, wie noch nie seit Beginn der jährlichen Zählung im Jahr 1974. Obwohl das ein Zeichen ist, dass die Population sich erholt, steht der Seehund aber trotzdem noch als "gefährdet" auf der Roten Liste gefährdeter Arten in Deutschland.

Seehundbank im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.
Eine Seehundbank im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Bildrechte: IMAGO

An der Nordseeküste von Deutschland, den Niederlanden und Dänemark wurden seit Beginn der Zählungen noch nie so viele Seehundwelpen gesichtet wie in diesem Jahr. Insgesamt zählten die Experten 9.350 Jungtiere. Noch im vergangenen Jahr waren mit 7.566 Welpen beinahe ein Drittel weniger Tiere beobachtet worden. Den Angaben zufolge gab es in allen Teilen des Wattenmeeres einen zweistelligen Anstieg bei den Jungtieren, die größte Steigerung war mit 38 Prozent aber in Dänemark zu verzeichnen. Trotzdem lassen die vielen Welpen die Population nicht steigen: Nach Angaben des Trilateralen Wattenmeersekretariats der drei Länder in Wilhelmshaven stagnierten die Gesamtbestände.

Der Seehund fühlt sich wohl im Wattenmeer

Die Experten mutmaßen in ihrem Bericht, dass die natürliche Tragfähigkeit des Systems erreich worden sein könnte. Ein Sprecher sagte, die erwachsenen Seehunde legten für die Nahrungssuche weitere Wege zurück. Die Tiere verließen teilweise sogar das Wattenmeergebiet, um dann zur Geburt ihrer Jungen die Geburtsplätze aufzusuchen. Insgesamt zählten die Experten im August 2017 26.000 Seehunde an Land. Damit sind die Bestände ähnlich groß wie bereits 2016. Im vergangenen Jahr wurden rund 24.300 Seehunde gezählt.

Den Seehunden im Wattenmeer geht es offenbar gut, sagte Sascha Klöpper vom Wattenmeersekretariat. Das zeigten die neuen Zahlen deutlich. Trotzdem müsse weiterhin jedes Jahr gezählt werden, um die Entwicklung der Seehund-Bestände genau im Blick zu behalten.

Seehund am Strand Insel Helgoland
Ein junger Seehund am Strand von Helgoland Bildrechte: IMAGO

Seehund Der Seehund (lat. Phoca vitulina) ist eine Robbe aus der Familie der Hundrobben. Er lebt in nördlich-gemäßigten Meeren. Dementsprechend kommt er auf der Nordhalbkugel im Atlantik und Pazifik vor. Dort bevorzugt er Küsten mit Sandbänken, auf denen er vor Feinden geschützt ist. Die weltweite Gesamtpopulation wird auf 500.000 Tiere geschätzt.

Ausgewachsene Seehunde ernähren sich ausschließlich von Fisch. Deshalb sind die geschickten Jäger in der Vergangenheit auch Fischern in der Nordsee ein Dorn im Auge gewesen. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Tiere gejagt mit dem Ziel sie auszurotten. Aber die Bewohner der Küsten jagen die Tiere schon seit der Vorzeit: als Nahrung und zum Fell- und Ölgewinn. Heute ist die Jagd in Deutschland verboten. Seit 1979 steht der Seehund unter Schutz nach Berner Konvention.

Wie werden Seehunde gezählt?

Jedes Jahr werden seit den 1970ern die Seehunde im Wattenmeer gezählt. Dafür begeben sich die Experten in die Luft: Zu festgelegten Zeiten starten von mehreren Flugplätzen kleine Propellermaschinen. Sie sichten die Tiere während des Niedrigwassers. Dann liegen die Seehunde auf Sandbänken und ruhen sich aus. Diese Ruheplätze steuern die Beobachter an und sichten die Tiere aus der Luft. Weil sich die Liegeplätze mit der Dynamik des Wattenmeeres oft verlagern, müssen die Karten immer wieder angepasst werden. Die bis zu zwei Zähler pro Flugzeug können auch größere Seehund-Gruppen erfassen. Dennoch werden zusätzlich Fotos von den Liegeplätzen gemacht und anschließend ausgewertet. Die Zählungsflüge dauern bis zu vier Stunden bei einer Höhe von etwa 100 Metern, um die Tiere nicht zu stören.

Die Seehunde werden traditionell beim Fellwechsel im Sommer jedes Jahres gezählt. Denn dann ist es leichter, die Jungtiere zu erkennen und zuzuordnen. Oft sind nämlich auch die ebenfalls Nordsee-typischen Kegelrobben mit auf den Sandbänken zu finden. Deren Jungtiere werden allerdings im Winter geboren und auf den Ruheplätzen halten sie etwas Sicherheitsabstand von den Seehunden. Die Tiere werden seit 1958 systematisch erfasst - bis 1971 von Schiffen, danach von Flugzeugen aus der Luft aus. Grundlage ist ein Schutzabkommen von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Einfach Genial | 28. Juni 2016 | 19:50 Uhr