Klimawandel Sächsische Schweiz: Warum man nicht zwischen toten Bäumen herumlaufen soll

Was weiß die Wissenschaft eigentlich über das Klima im Nationalpark Sächsische Schweiz? Wie geht es dem Wald in der Region? Was bedeutet Kellerklima? Und warum sollte man nicht zwischen abgestorbenen Bäumen herumlaufen? MDR Meteorologin Michaela Koschak unterwegs auf der Suche nach Antworten.

Ob Klettern, Wandern, Fotografieren oder einfach nur die Natur genießen: Die Sächsische Schweiz ist ein Magnet für alle, die eine Auszeit suchen. Aber es gibt auch Menschen, die sie erforschen, zum Beispiel die verschiedenen Klimata auf engstem Raum, so wie Dr. Volker Beer. Er ist Botaniker und hat seine Facharbeit über das Mikroklima in der Sächsischen Schweiz geschrieben.

Die Schrammsteine im Elbsandsteingebirge
Oben auf den Felsen ist es heiß, am Fuß der Felsen ist es kühler. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Ein abwechslungsreiches Gebirge mit schmalen, tiefen Schluchten, Hochebenen, Feldbändern und Felsriffen: Da sind also unterschiedlichste Vegetationsgesellschaften auf engstem Raum garantiert und an manchen Stellen das so genannte Kellerklima. Man findet es in engen Schluchten, in denen kaum Luftaustausch stattfindet, wo die Temperatur konstant bleibt und bestenfalls Wasser vorhanden ist und hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, erklärt Botaniker Volker Beer das Phänomen Kellerklima.

Das sorgt zum Beispiel dafür, dass es im Winter dort milder ist, und im Sommer regelrechte Eistemperaturen herrschen. Während sich die Felsplateaus im Elbsandsteingebirge also auf 50 bis 60 Grad Celsius aufheizen können, ähnlich den Temperaturen der Sahara, ist es 15 oder zwanzig Meter tiefer am Fuß des Felsens sogar an einem heißen Sommertag gerade noch zehn bis 15 Grad warm. Hier gedeihen dann Pflanzen, die man erst in den Alpen finden würde. Das seltene gelbe Veilchen ist ein Beispiel dafür.

Wo man den Klimawandel im Elbsandsteingebirge sieht

Im Zschand, einem der längsten Täler der Sächsischen Schweiz, ist der Wald inzwischen zerstört. Die Fichten, die hier gepflanzt wurden, sind abgestorben. "Die sind nicht standortgerecht", sagt der Botaniker im Gespräch mit MDR Meteorologin Michaela Koschak, eigentlich gehört dort ein Mischwald hin aus Buchen, Fichten oder Birken. Die angebauten Fichten sind nach drei extrem heißen Sommern schlichtweg verdorrt, der Borkenkäfer tat ein Übriges. Keine Überraschung für Botaniker Beer.

Den Bäumen fehlen über den Daumen gepeilt seit den heißen Sommern 300 Milliliter Niederschlag. Wer den Boden aufgräbt stellt fest, dass auf 1,80 Meter Tiefe alles staubtrocken ist.

Dr. Volker Beer, Botaniker
Harz, tote Bäume
Wer auf den Brocken wandert, wandert teilweise durch eine gespenstisch anmutenden Landschaft Bildrechte: MDR/Liane Watzel

Das belegen auch Daten des Deutschen Wetterdienstes und die einer Messstation im Nationalpark Sächsische Schweiz. Weit über 300.000 Fichten sind in der Sächsischen Schweiz abgestorben, ganze Flächen wirken inzwischen wie tot. Ähnliche Bilder kennt man auch aus dem Harz, zum Beispiel an den Hängen des Brockens. Und genau wie dort nimmt man auch in Sachsen den Wandel im Wald gelassen. Der Leiter des Nationalparks Sächsische Schweiz, Ulf Zimmermann und sein Team vertrauen auf die Kraft des Waldes, denn zwischen dem Durcheinander der abgestorbenen Bäume sieht man, was die Natur schafft: Ein neuer Wald wächst nach, Lärchen, Buchen, Fichten, Birken, teilweise schon sechs bis acht Meter hoch. Langsam entsteht nämlich ein neuer Mischwald.

Wandern zwischen toten Bäumen: Was kann da schon passieren?

Auf einem kleinen Gebiet der Sächsischen Schweiz zeigt sich auch den Wandersleuten deutlich, dass es viel trockener geworden ist: Einige Wanderwege sind unpassierbar und gesperrt, wer dort wandert, begibt sich in Gefahr. Ulf Zimmermann erklärt, warum es so gefährlich ist, sich zwischen abgestorbenen Bäumen aufzuhalten, die noch nicht umgefallen sind:

Sobald die Bäume absterben, setzt der natürliche Zersetzungsprozess ein. Ein typisches Kennzeichen sind sogenannte Pilzkonsolen. Die lieben das abgestorbene Holz. Hat der Pilz den Baum soweit zersetzt, dann kann er jeden Moment umfallen. Das hören Sie noch nicht einmal.

Ulf Zimmermann, Nationalpark Sächsische Schweiz

Der Grund dafür ist einfach: Der Baum ist dann schon weit zersetzt. Das ist wie eine Sollbruchkante, sagt Zimmermann. Wenn so ein Baum umfällt, hört man vielleicht das Rauschen der Krone, aber nicht, wie der Holzstamm bricht. Wer sich zwischen solchen Bäumen auf einem Wanderweg bewegt, sollte am besten auf der Stelle kehrtmachen, rät Zimmermann.

Abgestorbener Nadelwald in der sächsischen Schweiz
Blick auf die Schrammsteine. In der Bildmitte sieht man Regionen mit abgestorbenen Bäumen. Bildrechte: IMAGO / Dieter Mendzigall

(mk/lfw)

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1 Kommentar

mcmoellah vor 2 Wochen

Ein sehr guter Beitrag! Volker Beers Studien zum Kellerklima sind legendär. Ich habe vor einigen Jahren mal mit Studierenden während eines Praktikums diese Messungen nachvollzogen und es war erstaunlich, wie groß die Unterschiede zwischen Felsplateau und Schlucht sind. Selbst auf der besonnten Seite von Felsen gab es eine fast 20°C höhere Temperatur als auf der beschatteten Seite. Für Wandernde wird es zukünftig interessant sein zu wissen, auf welchen Routen man weniger Hitzestress ausgesetzt ist im heißen Sommer.