GPS und innere Uhr See-Elefanten haben ein ausgezeichnetes "Navi"

Pünktlicher als manche Eisenbahn - und das im offenen Ozean: See-Elefanten-Weibchen wissen genau, wann und in welche Richtung sie aufbrechen müssen, um rechtzeitig vor der Geburt zu Hause zu sein.

Ein erwachsenes See-Elefanten-Weibchen kehrt von seiner siebenmonatigen Nahrungssuche zurück, um am Strand der Insel Año Nuevo ein Junges zu gebären und zu säugen.
Ein erwachsenes See-Elefanten-Weibchen kehrt von seiner mehrmonatigen Nahrungssuche zurück, um am Strand der Insel Año Nuevo (Kalifornien) ein Kind zu gebären und zu säugen. Bildrechte: Dan Costa

Die Nördlichen See-Elefanten haben ihre Heimat an der Westküste Nordamerikas. Das Leben eines erwachsenen Weibchens läuft dabei jedes Jahr gleich ab. Nachdem es schwanger wurde, geht es auf Nahrungssuche in den Weiten und Tiefen des Pazifiks. Dann kurzer Zwischenstopp an Land für den jährlichen Fellwechsel, dann wieder Monate lang Nahrungssuche im Ozean. Kurz vor der Geburt des Kindes kommt das Weibchen zurück an seinen Heimatstrand, bringt das Kind zur Welt, gibt ihm knapp vier Wochen lang Milch und ist wenig später schon wieder paarungsbereit und -willig. Es wird begattet, und der jährliche Kreislauf beginnt von vorn.

Ähnliche sich wiederholende Jahreszyklen gibt es recht oft im Tierreich. Aber die zeitliche und örtliche Genauigkeit, mit der See-Elefanten-Weibchen "reisen", ist äußerst beachtlich. Sie sind Monate lang unterwegs, um sich ein Nahrungspolster anzufressen und legen dabei etwa 10.000 Kilometer zurück. Und doch scheinen sie genau zu wissen, wann sie umkehren und in welche Richtung sie schwimmen müssen, um fast auf den Tag genau rechtzeitig vor der Geburt wieder an "ihrem" Strand zu sein.

Gefühl für Raum und Zeit

Die Biologin Roxanne Beltran von der University of California Santa Cruz hat gemeinsam mit sechs Kollegen das Verhalten dieser Tiere untersucht. Daten von mehr als 100 mit Sendern versehenen See-Elefanten-Weibchen wurden dafür ausgewertet. Und die erstaunliche Erkenntnis war, dass die Tiere über ein ausgezeichnetes Gespür für Raum und Zeit verfügen müssen.

Die Forschungsgruppe hält Ausschau nach einem See-Elefanten-Weibchen, das gerade von seiner Ozeanwanderung zurückgekehrt ist und Sensoren voller Daten an sich hat.
Die Forschungsgruppe hält Ausschau nach See-Elefanten-Weibchen, die gerade von ihrer Ozeanwanderung zurückgekehrt sind und Sensoren voller Daten bei sich haben. Bildrechte: Dan Costa

Die Daten belegen, dass nicht die seit dem Start der Reise vergangene Zeit oder die Menge der "angefutterten" Nahrung bestimmen, wann die Robben die Heimreise antreten, sondern einzig die Entfernung zum Heimatstrand. Je weiter es die Tiere zum Strand haben, umso früher beginnen sie die Heimreise - und umgekehrt.

"Wir hatten erwartet, dass Robben, die bei ihrer Nahrungssuche erfolgreich waren, früher zurückkehren würden, aber das war nicht der Fall", sagt Roxanne Beltran. "Stattdessen scheinen sie darauf programmiert zu sein, strategisch umzukehren, je nachdem, wo sie sich befinden und wie lange sie für den Rückweg brauchen."

Die Schwimm-Routen (schwarze Linien) und Umkehrpunkte (hellbraune Punkte) der mit Sendern ausgestatteten See-Elefanten-Weibchen erstrecken sich über ein riesiges Gebiet im Nordpazifik.
Die Schwimm-Routen (schwarze Linien) und Umkehrpunkte (hellbraune Punkte) der mit Sendern ausgestatteten See-Elefanten-Weibchen erstrecken sich über ein riesiges Gebiet im Nordpazifik.
Oben ist Alaska zu sehen, unten rechts der "Heimatstrand" der Tiere auf einer Insel vor dem kalifornischen Festland.
Bildrechte: Roxanne Beltran et al. / University of California Santa Cruz

Am Heimatstrand treffen dann fast alle Weibchen zeitgleich und gemeinsam ein. Diese "Synchronität" des Zurückkommens sei jedoch nicht das Ergebnis von "Gruppenreisen", heißt es in der Studie, da jede Robbe ganz allein auf Nahrungssuche geht. Die Tiere sind weit verstreut im Pazifik und kommen doch fast alle gemeinsam ziemlich genau fünf Tage vor der Geburt ihres Kindes "nach Hause".

Welches Sinnesorgan ist verantwortlich?

Welchem Sinn die See-Elefanten ihre gute Navigationsfähigkeit verdanken, ließ sich bislang noch nicht entschlüsseln. Denkbar wäre zum Beispiel, dass sie sich am Himmel orientieren, den Erdmagnetismus spüren können oder sich nach Gehör oder Geruch bewegen.

Studien-Hauptautorin Roxanne Beltran und zwei Studentinnen suchen nach eindeutig identifizierten See-Elefanten-Weibchen.
Studien-Hauptautorin Roxanne Beltran und zwei Studentinnen suchen nach eindeutig identifizierten See-Elefanten-Weibchen. Bildrechte: Dan Costa

In künftigen Studien wollen Roxanne Beltran und ihre Kollegen deshalb noch genauer bestimmen, wie präzise die Navigationsfähigkeit der Robben ist - und bestenfalls daraus ableiten, welche Sinneswahrnehmungen der Tiere dabei am wichtigsten sind.

Link zur Studie

Die Studie wurde unter dem Titel "Elephant seals time their long-distance migrations using a map sense" im Journal "Current Biology" veröffentlicht.

(rr)