Covid-19 & Co. Seuchen und Pandemien: Die meisten Zoonosen sind menschgemacht

Ebola, Tollwut, Corona und früher die Pest: Wenn Tiere Erreger auf Menschen übertragen, können Krankheiten und Seuchen entstehen, die sich schnell ausbreiten und Tausende das Leben kosten. Forscher zeigen jetzt, dass der Mensch mit der großflächigen Umgestaltung von Landschaften und Ökosystemen die Entstehung dieser Zoonosen begünstigt. Der Mensch wird also selbst zum Risiko für Seuchen.

Wanderratte (Rattus norvegicus)
Immer mehr Tiere - auch Ratten und Mäuse - übertragen Krankheiten. Forscher entdeckten jetzt: In Lebensräumen von Menschen gibt es mehr Zoonosen als in der Wildnis. Bildrechte: imago/imagebroker

Viren und Bakterien kommen leise und unscheinbar. Wie zufällig befallen sie über ein Wirtstier die Menschen und lösen bei ihnen schwere Krankheiten aus. Doch tragen wir Menschen eine Schuld an der Entstehung von Pandemien, schweren Seuchen und hochtödlichen Krankheiten? Viele Forscher, Ärzte und auch Zoologen sagen 'Ja'.

Der Mensch als Risiko für Seuchen

Dass der Eingriff der Menschen in die Ökosysteme die Entstehung von Zoonosen begünstigen kann, haben jetzt britische Forscher erneut nachgewiesen. Sie analysierten knapp 7.000 Ökosysteme und 376 Arten potenzieller Wirtstiere. Das Ergebnis: Die Nutzung der Lebensräume und damit der Ökosysteme durch den Menschen hat "globale und systematische Auswirkungen auf lokale zoonotische Wirtsgemeinschaften", erklären die britischen Wissenschaftler. "Es gibt mehr Arten und eine größere Anzahl bekannter zoonotischer Wirte - also Krankheitsüberträger - in vom Menschen verwalteten Ökosystemen als in nahe gelegenen ungestörten Lebensräumen". Mit anderen Worten: Die meisten Zoonosen sind auch menschgemacht.

Die Studie wurde jetzt im renommierten Fachmagazin "Nature" veröffentlicht. Beteiligt waren Wissenschaftler aus der der University College und des Imperial College in London, der Universität Oxford sowie der "Zoological Society of London".

Nagetiere als Überträger von Erregern gedeihen prächtig

Die Umwandlung von Wäldern, Grasland und Wüsten in Städte, Vorstädte und landwirtschaftliche Nutzflächen hat laut der Wissenschaftler dazu geführt, dass sich der Mix der Tierarten gravierend geändert hat. Umweltspezialisten wie Nashörner oder Strauße, die sehr spezifische Nahrungs- oder Lebensraumansprüche haben, seien zurückgedrängt worden und damit die Verlierer der menschlichen Ausbreitung. Generalisten wie Ratten und Stare, die klein und zahlreich sind und ein "schnelles", kurzlebiges Leben führen, hätten hingegen gewonnen und sich immer weiter ausbreiten können. "Zum Beispiel gedeihen Nagetiere, die die Fülle von Krankheitserregern verstärken", erklärt Studienleiterin Studienleiter Rory Gibb. Zusammen mit anderen Generalisten wie Wanzen, Zecken führten sie zu Infektionen mit dem Hantavirus, Borreliose oder auch zur Chagas-Krankheit, einer aus Südamerika stammenden Parasitose, die vor allem zu Herzschäden führen kann und durch den Kot von Raubwanzen verbreitet wird.

Nicht die Wildnis, sondern menschliche Räume sind Hauptquelle für Zoonosen

Mit der Studie wiedersprechen die Forscher Einschätzungen, wonach die Wildnis die größte Quelle von Zoonosen ist. "Die populärkulturelle Darstellungen von Dschungeln, in denen es von mikrobiellen Bedrohungen wimmelt, ist eine Fehleinschätzung", schreiben sie. Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass sich durch die menschliche Landnutzung nicht nur die Anzahl der Wirtstiere erhöhe, sondern diese auch eine größere Anzahl von Erregerarten beherbergen.

Corona als Warnung

Die Wissenschaftler warnten in ihrem Beitrag vor zukünftigen Pandemien und Zoonosen. Die aktuelle zoonotische Covid-19-Pandemie zeige, welche Auswirkungen Zoonosen auf die Welt haben könnten. "Die weltweite Veränderung der Ökosysteme schafft immer mehr Möglichkeiten für den Kontakt zwischen Menschen und potenziellen Wirten menschlicher Krankheiten", erklärte Studienleiter Gibb.

Ökosystem müssen besser überwacht werden

Gestalten Menschen also Lebensräume für sich um, erhöhe sich "unbeabsichtigterweise" die Wahrscheinlichkeit der Übertragung zoonotischer Infektionskrankheiten. Die Forscher fordern, künftig nachhaltiger zu wirtschaften und landwirtschaftliche und urbane Kulturlandschaften besser zu beobachten. Zudem sollten die krankheitsbedingten Gesundheitskosten im Zusammenhang mit der Landnutzungs- und Naturschutzplanung berücksichtigt werden.

(kt)

Link zur Studie

Die Studie ist unter dem Titel "Zoonotic host diversity increases in human-dominated ecosystems" im Magazin "nature" erschienen. Hier können Sie sie lesen.

2 Kommentare

Eulenspiegel vor 11 Wochen

Hallo Kritiker
Ich denke vom Prinzip her geht es darum das der Mensch mit der Natur lebt. Das er sich als ein Teil der Natur versteht. Das er nicht die Natur zerstören muss damit er leben kann. Urwälder werden nicht durch Brandrodung zerstört damit arme Menschen was zu Essen haben sondern damit einige gierige Heuschrecken ein paar Jahre dick absahnen können. Und nach ein paar Jahren ist dieses Land zerstört, tot und wertlos. Um den armen hungernden zu essen zu geben braucht es keine Brandrodung von riesigen Urwaldflächen. Sie sollten sich mal informieren. Der Mensch muss wider lernen mit der Natur zu leben. Und das möglichst schnell. Bevor es zu spät ist. Für den Menschen nicht für die Natur.

Kritiker vor 11 Wochen

Also im Umkehrsinn: Menschen haben nicht mehr so viel Raum zu nutzen um das die Natur und deren Tiere mehr Freiraum bekommen. Das bedeutet also weniger Kinder auf die Welt zu kommen haben, das Wälder nicht mehr mit Brandrodung zu Ackerland für arme Menschen werden dürften, auf diesen Planeten. Na dann mal mit Freude in die Zukunft, wo dies mal ein Ende haben wird mir der Überbevölkerung! Nutzt also eine solche Pandemie der Menschheit in diesen Fällen Einhalt zu bieten, dann bleibt die Frage: Warum wird so viel darum getan das möglichst viele Mitmenschen wieder (vorübergehend bei der Corona-Pandemie) gesund werden und weiterhin Lebensraum für sich und ihren Nachwuchs in Anspruch nehmen gegen die Tierwelt.

Fledermaus-Grafitti 5 min
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