Tyrannosaurus brüllend auf Triceratops
Der T-Rex hatte nicht nur kurze "Arme", er war auch ganz schön langsam. Bildrechte: Colourbox.de

Geschwindigkeit der Tiere T-Rex war langsamer als ein Radfahrer

Wir müssen Jurassic Parc mit anderen Augen sehen. Denn der furchteinflößende T-Rex war kein schneller Verfolger, sondern höchstwahrscheinlich eine ziemlich lahme Ente. Das behaupten zumindest Foscher aus Leipzig und Jena. Sie haben eine Formel entwickelt, mit der man berechnen kann, wie schnell ein Tier laufen kann - oder konnte, denn sie gilt sogar für Tiere, die schon ausgestorben sind.

Tyrannosaurus brüllend auf Triceratops
Der T-Rex hatte nicht nur kurze "Arme", er war auch ganz schön langsam. Bildrechte: Colourbox.de

Je größer Tiere werden, desto schneller können sie laufen. "Ein Käfer ist langsamer als eine Maus ist langsamer als ein Kaninchen ist langsamer als ein Gepard“, so beschreiben es die Forscher des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Leipzig und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Doch irgendwann kippt diese Gleichung. Denn mehr Massezuwachs bedeutet nicht mehr Geschwindigkeit: Kein Löwe, Büffel oder Elefant kann es mit dem Geparden aufnehmen. Wie dieser parabelartige Zusammenhang zwischen Körpergröße und Geschwindigkeit zustande kommt, hat das Forscherteam jetzt untersucht, erstmals in einem mathematischen Modell beschrieben und in der  Fachzeitschrift “Nature Ecology and Evolution“ veröffentlicht.

90 Prozent Genauigkeit

Auch für ausgestorbene Tiere wie Dinosaurier liefert das neue Modell Ergebnisse, die mit jenen aus hochkomplexen biomechanischen Simulationen übereinstimmen
Die Forscher aus Leipzig und Jena können auch die Geschwindigkeiten ausgestorbener Tiere berechnen. Bildrechte: Myriam Hirt

Das Modell sei ziemlich einfach und habe bei den Berechnungen trotzdem eine Genauigkeit von 90 Prozent ergeben, so die Forscher. Nötig seien lediglich zwei Informationen: das Gewicht eines bestimmten Tieres und das Element, in dem es sich fortbewegt - also Land, Luft oder Wasser.

"Das Praktische an unserem Modell ist, dass es generell anwendbar ist", sagt die Erstautorin der Studie, Myriam Hirt vom Forschungszentrum iDiv und der Universität Jena. "Es funktioniert über alle möglichen Körpergrößen von Tieren hinweg, von der Milbe bis zum Blauwal, mit allen Fortbewegungsarten, vom Laufen übers Schwimmen bis zum Fliegen, und gilt in allen Lebensräumen." Und es funktioniert auch bei bereits ausgestorbenen Spezies.

Beispiel Tyrannosaurus Rex

Britische Forscher hatten vor einigen Jahren mit biomechanischen Untersuchungen die Geschwindigkeiten der Dinosaurier untersucht. Tyrannosaurus Rex, der im Film noch mit über 50 km/h durchs Urwaldunterholz raste, kam damals mit unter 30 km/h ziemlich schlecht weg. Doch die Werte entsprechen genau den Berechnungen der Leipziger und Jenaer Forscher. "Dies bedeutet, dass wir mit unserem Modell künftig auch für andere ausgestorbene Tierarten auf sehr einfache Weise einschätzen können, wie schnell diese laufen konnten", so Myriam Hirt. Und es bedeutet auch, dass T-Rex nicht schneller war als ein Elefant und jeder mittelmäßige Radfahrer ihn auf Dauer abgehängt hätte.  

Stoffwechsel und Masseträgheit

Zwischen dem Gewicht von Tieren und der maximalen Geschwindigkeit, die sie erreichen können, besteht ein parabelartiger Zusammenhang. Wie dieser zustande kommt, haben Forscher nun erstmals mit einem einfachen mathematischen Modell beschrieben
Irgendwann schlägt die Masseträgheit den Zuwachs an Muskeln. Bildrechte: Myriam Hirt

Wenn Lebewesen - also auch wir Menschen, sprinten - dann zapfen sie besondere Energiereserven an. Das läuft über den anaeroben Energiestoffwechsel, bei dem ohne Sauerstoff schnell Energie zur Verfügung steht, allerdings nur für kurze Zeit.

Warum mehr Größe und mehr Muskeln nicht unbedingt mehr Geschwindigkeit bedeuten, hat aber einen anderen Grund: die Trägheit. "Die fünf Tonnen eines Afrikanischen Elefanten lassen sich nicht so schnell in Bewegung setzen wie die 2,5 Gramm einer Etruskerspitzmaus", so die Forscher in ihrer Mitteilung. Das heißt: Bevor der Elefant überhaupt Fahrt aufgenommen hat, ist seine Sprintenergie schon wieder alle.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell: im Radio | 17.07.2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2017, 09:27 Uhr