Invasive Schadschnecke Spanische Wegschnecke bedroht Waldpflanzen

Kleingärtnern und Landwirten ist sie schon lange ein Graus, doch auch in Wäldern kann sie deutliche Schäden anrichten: Die Spanische Wegschnecke. Verantwortlich für ihre Ausbreitung sind die Menschen.

Spanische Wegschnecke
Kahl gefressene Pflanzen: Die Spanische Wegschnecke ist als gefährlicher Schädling bekannt. Bildrechte: imago/blickwinkel

Wenn sie angreift, dann kommt sie in großer Zahl. Sie hat einen gewaltigen Appetit und wehrlose Jungpflanzen sind ihr Leib- und Magengericht: Die sogenannte Spanische Wegschnecke gilt Kleingärtnern und Landwirten schon lange als ernst zu nehmender Schädling. Nach Regen oder nach Bewässerung kriechen die Nacktschnecken, die die Feuchtigkeit lieben, aus ihren Ritzen hervor und fressen mit Vorliebe, was Menschen als Nahrung für sich angepflanzt haben.

Doch damit nicht genug: Inzwischen mehren sich Hinweise darauf, dass die eingewanderte Schneckenart auch zum Problem in Wäldern und in Naturschutzgebieten wird. Die Verantwortung dafür tragen mit hoher Wahrscheinlichkeit Menschen.

Bedrohung für Naturschutz

Spanische Wegschnecke
Nester mit Eiern der Spanischen Wegschnecke: Die Elterntiere sterben nach der Eiablage. Die nächste Generation schlüpft schon vor dem Winter und schützt sich in Erdspalten oder kleinen Höhlen vor dem Frost. Bildrechte: IMAGO

Als in der Oberlausitz vor einigen Jahren in einem Versuch gefährdete Pflanzenarten in natürlichen Lebensräumen angesiedelt wurden, fraßen die Nacktschnecken die Jungpflanzen teilweise komplett ab. Danach starben diese ab. Das dokumentiert der Abschlussbericht über das Projekt an die Naturforschende Gesellschaft der Oberlausitz. Schon vor über zehn Jahren beobachteten schwedische Naturforscher, dass die Schädlinge in einigen südschwedischen Provinzen sensible Waldpflanzen schwer beschädigten.

Auch zeigt sich bei einigen Pflanzensamen, dass sie weniger keimfähig sind, wenn sie durch den Darm der Spanischen Wegschnecke gegangen sind, als wenn sie von einer anderen Schnecke gefressen und ausgeschieden werden. Heike Reise, Biologin und Schneckenforscherin am Senckenberg-Museum für Naturkunde in Görlitz, sammelt solche Berichte, die das vielschichtige Phänomen der Spanischen Wegschnecke dokumentieren.

Äußerlich nicht von anderen Arten zu unterscheiden

Anders als der Name nahe legt stammt diese besonders schädliche Nacktschneckenart nicht aus Spanien. Genetische Untersuchungen der Art, die die zwei Fachnamen Arion vulgaris und Arion lusitanicus trägt, legen Südwestfrankreich als ursprünglichen Lebensraum nahe. Etwa seit den 1950er-Jahren breitet sich die Art in Westeuropa aus.

In Mittel- und Westeuropa kommt sie erst seit den 1990er-Jahren an. Die Ausbreitungsmuster und der Umstand, dass die eigene Fortbewegung der Schnecken sprichwörtlich langsam ist, weist deutlich darauf hin: Es sind die Transportwege, etwa der Handel mit Pflanzen oder das Verschieben von Müll, die die Spanische Wegschnecke in immer neue Gebiete bringen.

Hohe Zahl deutet auf Spanische Wegschnecke hin

Spanische Wegschnecke
Zwei Nacktschnecken paaren sich: Als Hermaphroditen tragen die Tiere jeweils sowohl männliche, als auch weibliche Geschlechtsorgane in sich. Bildrechte: imago/blickwinkel

Äußerlich kann man Spanische Wegschnecken nicht von den Roten oder den Schwarzen Nacktschnecken unterscheiden, die in unserer Natur heimisch sind. Die einwandernden Tiere, die jeweils nur ein Jahr lang leben, wechseln über ihre Lebenszeit hinweg mehrfach die Farbe. Eindeutige Hinweise liefern nur die Geschlechtsorgane, die sich aber nur im Labor unter dem Mikroskop genau bestimmen lassen.

Auffällig ist aber die Fähigkeit zur starken Vermehrung. "Die Spanische Wegschnecke kann extrem hohe Dichten erreichen, da sind 20 bis 50 Tiere pro Quadratmeter möglich", sagt Heike Reise. Die Tiere sind sogenannte Hermaphroditen, tragen also sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane in sich und können sich daher auch selbst befruchten, wenn sie keinen geeigneten Partner finden. Wenn sie ihre Eier abgelegt haben, sterben die Elterntiere. Die Jungen schlüpfen meist im Spätsommer oder Herbst und vergraben sich über die Frostperiode.

Müllsünder verbreiten die Nacktschnecke

Nicht nur Pflanzen leiden unter der Spanischen Wegschnecke. Auch die einheimischen Roten und Schwarzen Nacktschnecken werden von den eingeschleppten Tieren verdrängt. Verhindern lässt sich die weitere Ausbreitung im Prinzip nur, wenn Menschen vorsichtiger werden. Umweltsünder, die Müll im Wald abladen, belasten die Natur nicht nur durch ihre Abfälle, sie gehören auch zu den denjenigen, die die Spanische Nacktschnecke in immer neue Lebensräume bringen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 15. August 2017 | 15:00 Uhr