Smog in China
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Studien zur UN-Klimakonferenz warnen Klimawandel: Es bleibt nicht mehr viel Zeit

Vor der UN-Klimakonferenz (6. bis 17. November in Bonn) weisen Studien auf die konkreten Gefahren des Klimawandels hin. Wenn nicht sofort Maßnahmen ergriffen würden, sei der Klimawandel nicht kontrollierbar. Schon jetzt sei er in großem Maße gesundheitsschädlich.

Smog in China
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Wenn ab dem 6.November bei der UN-Klimakonferenz in Bonn über Umweltpolitik verhandelt wird, ist Deutschland ist nur der "technische Gastgeber". Offiziell eingeladen hat die Republik Fidschi. Der Inselstaat ist schon jetzt besonders stark vom Anstieg des Meeresspiegels und damit vom Klimawandel betroffen. Die Regierung des Landes arbeitet derzeit an einem Umsiedlungsplan für vom steigenden Meerespegel bedrohte Dörfer.

Fidschi Inseln
Inselstaaten wie Fidschi sind vom ansteigenden Meeresspiegel bedroht. Bildrechte: IMAGO

Gemeinsam mit anderen Inselstaaten fordet das Land ein absolutes Maximum von 1,5 Grad Erdwärmung und damit mehr als bei der Klimakonferenz 2015 beschlossen wurde. In Paris hatten sich 195 Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, die menschengemachte globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Die 1,5-Grad Grenze sollte nur "möglichst" eingehalten werden.
Nicht nur die Inselstaaaten, auch zahlreiche Berichte, die pünktlich zur Klimakonferenz erschienen sind, weisen daraufhin, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Die Aufzeichnungen des National Climatic Data Center, des größten Archivs für Wetterdaten, zeigen, dass 2016 das heißeste Jahr seit Beginn der Messungen im Jahr 1880 war. Es war das dritte Jahr in Folge, in dem ein solcher Rekord aufgestellt wurde.

Noch ist es nicht zu spät

Die Ziele des Abkommens von Paris rückten in weite Ferne, wenn sich nicht bald etwas ändere, so das Ergebnis einer Studie des UN-Umweltprogramms UNEP. Die Temperatur der Erde könnte sich demnach sogar um drei Grad erhöhen. Nicht nur deshalb sehen die Verfasser des sogenannten "Emissions Gap Report" dringenden Handlungsbedarf.

Um die Erwärmung zu verlangsamen und auf deutlich unter zwei 2°C zu halten, reichen dem Bericht zufolge derzeitige Maßnahmen nicht aus. Die CO2-Mengen hätten sich seit 2014 zwar nicht wesentlich erhöht, was vor allem am Ausbau erneuerbarer Energiegewinnung in China, Indien und den USA gelegen habe. Eine Trendwende sei das aber noch nicht.

2016 stieg die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre sogar so stark an wie nie zuvor. Eine mögliche Ursache könnte sein, dass Ozeane nicht mehr so viel CO2 aufnehmen können wie früher. Auch das Wetterphänomen El Niño könnte dafür verantwortlich sein, wie Aufzeichnungen eines NASA-Satelliten zur Wetterbeobachtung nahelegen. So oder so: Der Ausstoß von Treibhausgasen steigt insgesamt nach wie vor an. Die Forderung der UN-Umweltbehörde fällt deshalb drastisch aus. Alle Staaten müssen sofort ihre Bemühungen vergrößern, wenn die Ziele der Klimakonferenz in Paris erreichbar bleiben sollen. Die derzeitigen Klimaziele der Staaten ergäben nur ein Drittel der Emissionsreduktionen, die bis 2030 nötig wären, um die schlimmsten Folgen der Erderhitzung zu vermeiden.

Das allumfassende Fazit des Berichts ist, dass dringend Bedarf besteht, kurzfristige Maßnahmen zu beschleunigen und langfristige Ziele ehrgeiziger zu gestalten, wenn das Pariser Abkommen erreichbar bleiben soll - und dass es praktische und kostenwirksame Optionen gibt, das zu ermöglichen.

Emissions Gap Report 2017

Der UN-Bericht nennt auch konkrete Maßnahmen, die ergriffen werden müssten, um den CO2-Ausstoß zu verringern: Der Ausbau von erneuerbaren Energien, mehr Energieeffizienz, Aufforstung und Vermeidung von Waldzerstörung. Alle Maßnahmen könnten mit vergleichsweise geringen Kosten umgesetzt werden und langfristig gesehen auch Gewinne bringen.

Schon jetzt leidet die Gesundheit unter dem Klimawandel

Während die UN-Umweltbehörde davon ausgeht, dass die Klimaziele noch erreicht werden können, wenn sofortige Maßnahmen ergriffen werden, weist eine andere Studie auf schon jetzt bestehende Schäden durch den Klimawandel hin. Eine Kommission der Fachzeitschrift "The Lancet" kommt zu dem Ergebnis, dass von 2000 bis 2016 etwa 125 Millionen Menschen über 65 Jahre weltweit Hitzewellen ausgesetzt waren. Damit einher gehen die entsprechenden gesundheitlichen Folgen, etwa für das Herz-Kreislaufsystem. Bis 2050 könnte sich die Zahl der betroffenen Menschen sogar auf eine Milliarde erhöhen. Die Klimakonferenz von Paris sei ein guter Zeitpunkt gewesen, nationale Umweltpolitiken zu ändern.

Die meisten Länder haben diese Gelegenheit nicht ergriffen, als sie ihre Klimapläne für das Pariser Abkommen entwickelt haben. Wir müssen es besser machen. Wenn ein Arzt uns sagt, dass wir mehr auf unsere Gesundheit acht geben müssen, dann hören wir darauf. Regierungen müssen jetzt dasselbe tun.

Christiana Figueres, ehemalige Generalsekretärin der UN-Klimarahmenkonvention

In einigen Regionen sei es schon jetzt so heiß, dass die Produktivität in vielen Bereichen um über fünf Prozent zurückging. Allein im Jahr 2016 hätten mehr als 920.000 Menschen wegen der Erwärmung ihren Arbeitsplatz verloren, davon 418.000 nur in Indien. Das größte gesundheitliche Problem, das durch den Klimawandel entsteht, sehen die Verfasser des "Lancet-Reports" in der Unterernährung. Für jedes Grad Erderwärmung vermindere sich die Weizenernte um sechs Prozent, die Reisernte sogar um zehn Prozent.

Luftverschmutzung sorge nicht nur indirekt durch die Erderwärmung für Gesundheitsschäden, sondern auch direkt. Durch Luftverschmutzung seien 2015 in 21 asiatischen Ländern über 800.000 Menschen frühzeitig verstorben. Jedes Jahr sterben dem Bericht zufolge weltweit rund drei Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung.

Außerdem stiegen die Infektionsraten des Dengue-Fiebers mit dem fortschreitenden Klimawandel. Das Dengue-Fieber war vor 1970 nur in neun Ländern verbreitet, mittlerweile sind es über 100 Länder. Der Grund: Die krankheitsübertragenden Moskitos überschreiten immer mehr Klimazonen. An der Studie waren insgesamt 26 Organisationen beteiligt, darunter die Weltgesundheitsorganisation,die Weltbank und das University College London.

Von Bonn nach Katowice

Die Konferenz in Bonn wird die größte Konferenz dieser Art, die es je in Deutschland gegeben hat. Bis zu 25.000 Teilnehmer aus aller Welt werden erwartet. Hinzu kommen Vertreter von rund 500 Nichtregierungsorganisationen und etwa 1.000 Journalisten. Das Ziel des Treffens ist es, ein Regelbuch zu erarbeiten, das Maßnahmen zum Erreichen der Pariser Klimaziele festschreibt. Verabschiedet werden soll das Regelwerk dann bei der Klimakonferenz im polnischen Katowice im kommenden Jahr.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL: im Radio | 30.10.2017 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2017, 13:31 Uhr