Leonard Nimoy als Spock und Kim Cattrall als Lt. Valeris, 1991
Leonard Nimoy als Mr. Spock und Kim Cattrall als Lieutenant Valeris (1991) Bildrechte: IMAGO

Neue Supererde entdeckt Forscher finden Mr. Spocks "Heimatplanet"

Es klingt wie ein Scherz, ist aber höchst ernstgemeint: Astronomen haben offenbar die Heimatwelt von Mr. Spock aus der Fernsehserie "Star Trek" entdeckt. So wird Science Fiction fast real - vor allem, weil die Supererde um den Stern 40 Eridani A sogar innerhalb der habitablen Zone liegt und damit theroretisch Leben möglich wäre. Ist der neue Planet also "Vulkan" aus dem "Star Trek"-Universum?

Leonard Nimoy als Spock und Kim Cattrall als Lt. Valeris, 1991
Leonard Nimoy als Mr. Spock und Kim Cattrall als Lieutenant Valeris (1991) Bildrechte: IMAGO

Spitze Ohren, grafische Frisur, strenger Blick: So haben viele Science Fiction-Fans den Wissenschaftsoffizier auf dem Raumschiff Enterprise - gespielt von Leonard Nimoy - in liebevoller Erinnerung. Doch Mr. Spock war nicht von dieser Welt. Er stammte vom Planeten "Vulkan". Das sorgte lange Zeit für Spekulationen unter "Star Trek"-Fans über die Frage, wo Vulkan eigentlich liegt und welchen Stern er umkreist.

Die Antwort auf diese Frage gab Serienschöpfer Gene Roddenberry selbst in einem Brief an das Astronomiemagazin "Sky & Telescope", den er im Jahr 1991 gemeinsam mit Astronomen des Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics verfasste. Und darin erklärten sie, dass der 16 Lichtjahre entfernte und orange strahlende Stern 40 Eridani A der ideale Heimatstern für "Vulkan" wäre. Damit widersprachen sie auch den Spekulationen, die den Stern Epsilon Eridani als Spocks Heimatstern identifizierten.

Gene Roddenberry
"Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry Bildrechte: IMAGO

Beobachtungen legen nahe, dass 40 Eridani mit vier Milliarden Jahren fast genauso alt ist wie die Sonne. Im Gegensatz dazu ist Epsilon Eridani kaum eine Milliarde Jahre alt. Ausgehend von der Geschichte des Lebens auf der Erde hätte Leben auf einem Planeten um Epsilon Eridani kaum Zeit gehabt, sich über das Niveau von Bakterien hinaus zu entwickeln. Auf der anderen Seite könnte sich eine intelligente Zivilisation auf einem Planeten entwickelt haben, der 40 Eridani A umkreist.

Brief von Gene Roddenberry in der Juli-Ausgabe 1991 von "Sky & Telescope"

Völlig ungeklärt war allerdings die Frage, ob der Stern überhaupt Planeten hat. Und tastächlich hat es bis heute gedauert, bis ein Planet gefunden wurde. Und der sorgt nicht nur bei Science Fiction-Fans für glänzende Augen.

Supererde in habitabler Zone

Grafische Darstellung des Planeten Vulkan vor seinem Stern 40 Eridani A
Ist das "Vulkan"? Grafische Darstellung der neuen Supererde. Bildrechte: University of Florida

Sie umkreist den Stern 40 Eridani A, der häufig auch als HD 26965 bezeichnet wird. Der ist Teil eines Dreifachsystems, zudem noch ein Weißer Zwerg und ein Zwergstern. Vom Planeten aus wären damit auch die zwei Begleitsterne zu sehen. Genau so beschrieb es Roddenberry auch in seinem Brief. Der Stern 40 Eridani A ist nur wenig kühler und leicht massereicher als die Sonne und hat etwa das gleiche Alter, schreiben die Astronomen. "Er wäre der ideale Heimatstern für eine fortgeschrittene Zivilisation."

Was ist eine Supererde? Der Begriff ist die umgangssprachliche Bezeichnung für einen großen terrestrischen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Die Bezeichnung bezieht sich aber ausschließlich auf die Masse des Planeten und sagt nichts über seine Oberfläche oder die Bewohnbarkeit eines Planeten aus. Bisher haben Astronomen 25 Supererden entdeckt.

Die Astronomen haben sich den Stern im Rahmen des Dharma Planet Survey - also gewissermaßen in einer konzentrierten Suchaktion nach erdähnlichen Planeten - genauer angeschaut. Insgesamt suchten sie 150 Sterne im Umkreis von 160 Lichtjahren nach möglichen Planeten ab. Dabei suchen sie nicht mit dem Auge, sondern empfangen lediglich Signale, mit deren Hilfe sie nicht nur untersuchen können, ob es sich um einen Planeten handelt, sondern auch über welche Eigenschaften er verfügt.

 Enterprise
Die "Enterprise" ging auf die Suche nach neuen Welten - genau wie sie selbst im Dharma Planet Survey, schreiben die Astronomen. Bildrechte: IMAGO

Der Superstern, der 40 Epsilon A umkreist, ist den Forschern zufolge etwa doppelt so groß wie die Erde. Um seinen Stern einmal zu umkreisen, braucht er 42 Tage und liegt damit gerade noch innerhalb der habitablen Zone. Das ist genau der Abstandsbereich, in dem ein Planet sich zu seinem Stern befinden muss, damit die Vorraussetzung für erdähnliches Leben möglich wird: flüssiges Wasser.

Leonard Nimoy, William Shatner, DeForest Kelly, James Doohan Nach gelungener Mission
Die Crew der "Enteprise": Leonard Nimoy, William Shatner, DeForest Kelly und James Doohan (v.l.n.r.) Bildrechte: IMAGO

Viel Potential also, um als Spocks Heimatplanet "Vulkan" durchzugehen. Allerdings hat er auch eine Masse von acht bis neun Erdmassen und eine vermutlich gasreiche Atmosphäre, schreiben die Forscher. Ob es auf dieser Supererde aber wirklich Leben geben könnte, bleibt ein Geheimnis.

Wer trotzdem vom Leben auf "Vulkan" träumen will, hat jedoch eine Option: Mr. Spocks Heimatstern ist an unserem Nachthimmel mit bloßem Auge sichtbar. In einer klaren Nacht, kann man also einfach mal in den Himmel schauen und die Heimat der Star Trek-Legende bewundern.

Jetzt kann jeder 40 Eridani am klaren Nachthimmel sehen und stolz auf Spocks Zuhause zeigen.

Erstautor Bo Ma, University of Florida

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 20. September 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2018, 13:37 Uhr

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