Technosphäre Die Erde trägt 30 Billionen Tonnen Technik

Wie stark haben wir Menschen unsere Welt verändert? Geologen haben nachgerechnet. Das Ergebnis: 30 Billionen Tonnen von Menschen gemachte Dinge gibt es auf der Welt – und damit meinen sie alles vom Bleistift bis zum Kernkraftwerk.

New York - die Skyline von Manhattan vom Wasser aus gesehen.
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Es stimmt, wir haben der Welt nichts hinzugefügt – sieht man mal von den 382 Kilo Mondgestein ab, die die Apollo-Astronauten zur Erde brachten. Aber wir haben der Welt unseren Stempel aufgedrückt. Und dadurch entstanden 30 Billionen Tonnen von Dingen, die der Mensch und seine Maschinen hergestellt haben. Diese Zahl hat eine internationale Gruppe von Geologen der Universität Leicester in Großbritannien errechnet. Das entspricht einer Belastung von 50 Kilogramm pro Quadratmeter Erdoberfläche durch die sogenannte “Technosphäre“, heißt es in einem Papier, das in der Zeitschrift “The Anthropocene Review“ veröffentlicht wurde.

Diese ‘Technofossilien‘ werden einst dazu dienen, das Anthropozän zu datieren und zu charakterisieren.

Prof. Colin Waters, Geologe

Die Strukturen, die wir geschaffen haben, umgeben den ganzen Planeten. Anhand von Farbe, Form oder Material haben die Forscher über eine Milliarde “Technofossilien“ ausgemacht. Damit überträfe die Vielfalt der von uns hergestellten Objekte bereits die biologische Artenvielfalt. Gebäude, Straßen, Fabriken, Brücken, Tunnel, Häfen oder Mülldeponien zählen die Geologen dazu, ebenso wie Computer, Smartphones oder CDs. "Viele dieser ‘Technofossilien‘ werden später dazu dienen, das Anthropozän zu datieren und zu charakterisieren", sagt Prof. Colin Waters vom Forscherteam.

Die Erfolgsgeschichte könnte bald enden

Der Begriff der "Technosphäre“ geht auf den US-Geologen Prof. Peter Haff zurück, der an der Studie mitgearbeitet hat. Und sie hat einen entscheidenden Nachteil gegenüber der Biosphäre. Sie verhält sich parasitisch, so Mark Williams vom Leicester-Forschungsteam. Sie betreibt also Raubbau und hat – im Gegensatz zur Biosphäre – eine geringe Materialrecyclingquote. Und genau das könnte der "Erfolgsgeschichte“ ein baldiges Ende setzen.   

Technosphäre als Gesamtkunstwerk?

Mit ihren Forschungen sind die Wissenschaftler aus Großbritannien Teil eines Projekts des Berliner “Haus der Kulturen der Welt“ (HKW). Das vorerst bis 2018 angelegte Programm untersucht über einen Zeitraum von vier Jahren und in einer Vielzahl von Veranstaltungen, wie sich menschliche, planetarische und technologische Kräfte im Anthropozän zum gegenwärtigen Weltgefüge – der Technosphäre – verschalten. Aus dem bereits gesammelten Wissen haben HKW und das Max Planck Institut für die Geschichte der Wissenschaft eine Online-Plattform zum Anthropozän geschaffen - das Anthropozän-Curriculum.

Das Gewicht der Erde 30 Billionen Tonnen – das klingt viel. Aber es ist nur ein winziger Bruchteil der Masse unserer Erde. Denn das sind 5,977 Trilliarden Tonnen. Das können Wissenschaftler mit Hilfe der universellen Gravitationskonstante errechnen. Die Masse der Sonne ist danach übrigens bei rund 2 Quadrilliarden Tonnen. Das ist 330.000 Mal so viel wie die Erde.