Waldbrände in Portugal Braga
Bei der Waldbrandkatastrophe 2017 in Protugal starben mindetens 65 Menschen. Bildrechte: IMAGO

Waldbrandgefahr Könnte eine Feuersbrunst auch unsere Wälder vernichten?

Wie groß ist die Gefahr, dass es auch in Mitteldeutschland nach langer Trockenheit zu einer Waldbrandkatastrophe kommt, wie 2017 in Spanien und Portugal?

Waldbrände in Portugal Braga
Bei der Waldbrandkatastrophe 2017 in Protugal starben mindetens 65 Menschen. Bildrechte: IMAGO

Schon 2018 wüteten während der langen Sommerdürre zahlreiche Waldbrände im Osten Deutschlands. Im Frühjahr 2019 ist es sogar noch trockener und erneut kommt er zu Bränden.

Die Vergangenheit zeigt allerdings: Solche Brandkatastrophen können noch ganz andere Ausmaße annehmen. Vergangenes Jahr starben mindesten 65 Menschen bei Waldbränden in Portugal, etwa 200 weitere wurden schwer verletzt, 26.000 Hektar Wald zerstört. Auch Deutschland blickt auf massive Brände in seiner Geschichte zurück.

In der Lüneburger Heide starben 1975 sieben Menschen, als etwa 8.000 Hektar Wald brannten. Die Brandkatastrophe von Weißwasser 1992 forderte zwar keine Todesopfer, vernichtete aber 1.600 Hektar Wald. Hätte die Trockenheit der vergangenen Wochen also auch in einer viel größeren Katastrophe münden können? Immerhin galten in weiten Teilen Mitteldeutschlands vor den Schauern dieser Woche die höchsten Waldbrandgefahrenstufen vier und fünf.

Moderne Warnsysteme verhindern viel Schaden

Michael Müller ist Professor für Waldschutz an der Forstwissenschaftlichen Hochschule in Tharandt und beruhigt erst einmal. "Es gibt eine deutlich abnehmende Tendenz, was die Zahl und die Flächen von Waldbränden in Deutschland angeht. In der Regel reagieren die Feuerwehren heute sehr schnell", sagt er. Sobald die Rauchwolke über einem Feuer etwa zehn Meter hoch sei, seien die Wehren innerhalb einer Viertelstunde vor Ort.

Feuerwachturmim Wald
Solche Feuerwachtürme gibt es in Deutschland flächendeckend. Sie sind mit automatischen Kameras bestückt, die permanent Ausschauh nach Waldbränden halten. Bildrechte: IMAGO

Grundlage solch schneller Reaktionen sind gute Warnsysteme in besonders gefährdeten Gebieten. In Deutschland ist das ein großer Teil der norddeutschen Tiefebene, von Brandenburg und den nördlichen Teilen Sachsens, über Sachsen-Anhalt bis in die Lüneburger Heide nach Niedersachsen. Dort haben die Eiszeiten vor allem Sandböden hinterlassen, die kaum Wasser speichern und deshalb für die Landwirtschaft schlecht geeignet sind. In der Nachkriegszeit wurden dort vor allem mit schnell wachsenden Kiefern aufgeforstet; diese Wälder sind besonders anfällig für Brände.

Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen setzen deshalb auf das automatische Warnsystem "Fire Watch". Alte Feuerwachtürme, Handymasten oder andere hohe Punkte wurden flächendeckend mit Kameras ausgestattet, die ihren Umkreis langsam absuchen und Rauchwolken erkennen können. Entdeckt das System ein solches Anzeichen für Waldbrand, werden sofort die Waldbrandzentralen alarmiert.

Waldbrandursache: Mensch

Trotz aller Vorsicht brechen immer wieder Waldbrände aus. Das Bundesland Brandenburg hat im deutschlandweiten Vergleich die größte Waldfläche. Es zählte im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre jährlich rund 210 Brände, die im Schnitt zwar nur eine Ausdehnung von 1,2 Hektar erreichten. Die größten Feuer können aber auch viel mehr Fläche vernichten, 2015 gingen laut der brandenburgischen Waldbrandstatistik beim größten Brand über 300 Hektar verloren.

Schuld an solchen Katastrophen hat fast immer der Mensch. "Es gibt nur zwei natürliche Ursachen für Waldbrände auf der Welt und das sind Vulkanausbrüche und Blitze", sagt Forstwissenschaftler Michael Müller. Aktive Vulkane gibt es in Deutschland nicht und in Brandenburg waren Blitze im Schnitt gerade einmal für sechs Prozent der Waldbrände verantwortlich. In allen übrigen Fällen waren es Maschinen, Fahrzeuge, bewusste Brandstiftung oder die unachtsam weggeworfene Zigarettenkippe. Müller schränkt allerdings ein: "Nur etwa 50 Prozent der Brandursachsen können abschließend geklärt werden." Natürliche Gründe wie Blitze zählen da aber kaum hinein, denn sie können etwa mit Hilfe der automatischen Blitzortung inzwischen fast immer festgestellt werden.

Häufige Sondersituation: Truppenübungsplätze

Eine besondere Situation stellen Truppenübungsplätze dar. Dort bleibt oft Munition liegen, die sich selbst entzündet, wenn die Sonne tagelang darauf strahlt. "Das kann Leuchtspurmunition sein, die aufgebrochen ist oder Markierungsmaterial. Solche Stoffe entzünden sich schon bei normaler Sonneneinstrahlung, also etwa 50 Grad Celsius", sagt Müller. Da die Truppenübungsplätze oft aus offenem Land mit Heide oder Grasflächen bestehen, auf denen kein Baum Schatten spendet, trocknet das militärische Material auch schnell aus und wird entzündlich.

Für die Feuerwehr bedeutet das auch: Ihre Mannschaften dürfen nur in absoluten Ausnahmefällen auf dem militärischen Gelände eingreifen, da die Munition die Feuerwehrleute selbst rasch in Lebensgefahr bringen kann. Bricht auf einem solchen Gelände Feuer aus, kann es rasch ein Flächenbrand werden, wie es zuletzt mehrfach auf dem Truppenübungsplatz Lieberoser Heide passiert ist.

"Ein solch massiver Brand kann schon 1000 Hektar groß werden", sagt Müller. Für das Umland wird das zur Gefahr, wenn es den Brandbekämpfern nicht gelingt, das Feuer am Rand der Militärplätze zu stoppen.

Hauptproblem bei Waldbrand: Der Waldboden

In gewöhnlichen Wäldern sind es vor allem Flächen mit trockenem Gras, mit Heidekraut oder Boden, der mit trockenen Nadeln bedeckt ist, die zu Brandherden werden können. Lange Zeit waren auch Straßen, die durch Wälder führen, ein großes Problem. Hier beugen Behörden inzwischen vor. "Straßenränder werden seit einigen Jahren intensiv gepflegt, das hat die Zahl der Böschungsbrände erheblich reduziert. Wird das Gras kurz gehalten, gibt es wenig Material, das brennen kann", sagt Müller.

Brennt es doch, gibt es für die Feuerwehren nur eine Chance. Müller wählt dafür einen drastischen Vergleich: "Waldbrand ist wie Krieg, er wird auf dem Boden gewonnen", sagt er. Löschflugzeuge können Flammen nur ein Stück weit niederschlagen und etwa brennende Baumkronen so weit kühlen, dass die Rettungsmannschaften weiter gegen die Flammen am Waldboden vorgehen können.

Waldbrände in Spanien
Feuerwehrleute halten Brandwache nach einem Waldbrand in Spanien. Bildrechte: IMAGO

Denn das eigentliche Problem seien nicht die Bäume, sondern vor allem das Material, das am Waldboden liegt. Es ist die Hauptnahrung für den Brand. "Gelöscht werden muss das Bodenfeuer", sagt Müller. Die Feuer bis in die Spitzen der Bäume gehen aus, wenn von unten keine Energie mehr nachkommt.

Meistens werden die Brände auch nicht gelöscht, sondern lediglich gestoppt, durch Barrieren, etwa aus Schaum oder indem man bestimmte Bereiche des noch nicht brennenden Waldes mit Wasser kühlt. "Man hält die Feuerfront an und überwacht das", sagt Müller. Nach dem Abbrennen müssen die Brandflächen bewacht werden, um zu verhindern, dass aus Glutnestern ein neues Feuer wächst.

Wie Pflanzen und Tiere Waldbrände überleben

Wie folgenschwer ein Brand ist, hängt vom betroffenen Wald ab. Da das Holz auf Truppenübungsplätzen in der Regel nicht bewirtschaftet wird, entsteht dort durch Feuer nur wenig finanzieller Schaden. Auf normalen Forstflächen ist das ganz anders. "Das Holz des Stammes muss gar nicht selbst brennen, es reicht schon wenn der Baum an seinem Fuß zu heiß wird, dann stirbt er ab", sagt Müller. Das kann rasch einen wirtschaftlichen Totalschaden für den gesamten Wald bedeuten. "Wir schätzen solche Schäden oft auf etwa 10.000 Euro pro Hektar."

Auch Pflanzen reagieren ganz unterschiedlich auf das Feuer. "Alles, was tiefer als fünf Zentimeter im Boden liegt, überlebt", sagt Müller. Flach wurzelnde Kiefern müssten sterben, aber Pappeln und andere Bäume mit tieferen Wurzeln, Heide und Tiere, die sich tief in der Erde verstecken können, hätten gute Chancen, ein Feuer zu überstehen. "Die Flächen sind oft nach dem nächsten Regenguss wieder grün. Bei abgestorbenen Bäumen kann es aber bis zu 40 Jahre dauern, bis die Situation wieder hergestellt ist", sagt Müller. Waldbesitzer sind nach einem Waldbrand übrigens verpflichtet, die Flächen wieder aufzuforsten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN Sachsen-Anhalt heute | 12. Juli 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 20:00 Uhr