Kunststoffabfälle als Rohstoff Freiberger Forscher erzielen Durchbruch bei Plastikmüll-Recycling

Des einen Müll ist des anderen Rohstoff: Forscher der TU Bergakademie Freiberg arbeiten an einem Verfahren, bei dem aus Plastikmüll wieder neue Kunststoffe werden. Dazu verarbeiten sie die Plastik zu sogenanntem Synthesegas. Damit bezwecken sie nichts anderes, als in Zukunft die Müllverbrennung durch dieses Verfahren abzulösen - ein ganz neuer Abfallkreislauf sozusagen. Diesem Ziel sind die Freiberger Forscher nun einen Schritt näher gekommen.

Eine turmhohe chemnische Anlage auf einem Industriegelände
Die Versuchsanlage der TU Freiberg-Forscher Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Die Freiberger Versuchsanlage hat die Ausmaße einer komplexen Chemieanlage. Hier arbeiten Forscher vom Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen der Technischen Universität Freiberg an einem innovativen Verfahren zum Plastikmüll-Recycling. Sie wandeln den Plastikmüll in verwertbares Synthesegas um. Das heißt, herkömmlicher Plastikmüll wird zunächst in einen Druckbehälter gegeben und anschließend in einem Reaktor bei bis zu 2.000 Grad Celsius vergast. Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff werden über Rohrsysteme abgeleitet. Am Boden sammelt sich die Schlacke und wird zum Aushärten in ein Wasserbad abgelassen. Den Forschern zufolge könnten zwischen 50 und 80 Prozent des anfallenden organischen Mülls in Deutschland in wiederverwertbares Synthesegas umgewandelt werden.

Neue Technologie vermeidet Überreste

Die Freiberger Wissenschaftler haben nun mitgeteilt, bei der Forschung an diesem Recycling-Verfahren einen Durchbruch erreicht zu haben. Mithilfe einer neuen Vergasungstechnologie sei es gelungen, aus dem Abfall nicht nur ein Synthesegas aus Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff als Grundlage für neue Produkte herzustellen, sondern erstmals ist auch der Rückstand verwertbar. Aus sogenannter verglaster Schlacke könnten nun auch Metalle getrennt werden. Ziel der Freiberger Forscher ist es, den Kohlenstoff-Kreislauf komplett zu schließen.

Das ist der Unterscheidungspunkt. Wir haben glücklicherweise auf die richtige Technologie gesetzt.

Prof. Bernd Meyer, TU Bergakademie Freiberg
Professor Bernd Meyer vor der Anlage zur Synthesegaserzeugung
Prof. Bernd Meyer vor der Anlage zur Synthesegaserzeugung Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Das Synthesegas, das bei dem Verfahren entsteht, ist ein Rohstoff für die chemische Industrie. Zahlreiche Produkte von Plastik über Medikamente bis hin zu Kraftstoffen oder Düngemitteln ließen sich damit herstellen. Und nun seien auch die Metalle wieder verwertbar. So könne die schwarz-kristalline Schlacke zum Beispiel beim Straßenbau eingesetzt werden. "Sie ist unauslaugbar und kohlenstofffrei. Das ist verwertbares Material. Man bekommt Geld dafür", sagt Alexander Laugwitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut.

Das Verfahren der Freiberger weckt nicht nur das Interesse von Umweltschützern - könnte es doch eine mögliche Methode sein, die Unmengen an Plastikmüll aus unseren Ozeanen zu verarbeiten - sondern auch der deutschen Braunkohleindustrie. Denn ganz verlustfrei ist der Kreislauf der Technologie nicht. Doch die Verluste könnten nach Ansicht der Forscher ausgeglichen werden, würden sie dem Plastikmüll die gleiche Menge Braunkohle beimischen. Für die mitteldeutschen Braunkohleproduzenten, die mitten im Strukturwandel durch die Energeiwende stecken, wäre das also ein ganz neues Geschäftsfeld.

(Quelle: dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16. Mai 2018 | 17:47 Uhr