Künstlerische Darstellung zeigt den ersten interstellaren Asteroiden `Oumuamua.
Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

Interstellarer Gast "Oumuamua" Besuch von jenseits unseres Sonnensystems

Astronomen ist es erstmals gelungen, ein Objekt zu untersuchen, das nicht aus unserem Sonnensystem stammt. Teleskope auf der ganzen Welt bündelten dafür ihre Kräfte und entdeckten einen sehr ungewöhnlichen Gast.

Künstlerische Darstellung zeigt den ersten interstellaren Asteroiden `Oumuamua.
Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

Science-Fiction-Fans würden das "Ding“ vermutlich mit einer Arche vergleichen. Das Konzept ist in der Literatur ausführlich benutzt worden. Gigantische Raumschiffe, oder ausgehöhlte Asteroiden, die sich auf den langen Weg zu den Sternen machen. Und die bekannten Fakten über das Objekt, das die Astronomen im Oktober entdeckten, dürften diese Fantasien zum Teil beflügeln: Es ist mindestens 400 Meter lang hat dabei einen Durchmesser von rund 40 bis 50 Metern. Es besteht aus Gestein oder Metall und dreht sich in 7,3 Stunden einmal um seine eigene Achse, wie die Astronomen aus den Helligkeitsänderungen bei der Beobachtung errechnen konnten.

Diese ungewöhnlich starke Helligkeitsänderung deutet darauf hin, dass das Objekt sehr langgezogen sein muss: etwa zehnmal so lang wie breit, mit einer komplexen, gewundenen Form.

Karen Meech, Institute for Astronomy Hawaii

Sogar die Farbe konnten die Astronomen bestimmen: Dunkelrot. Allerdings, und das wird die Science-Fiction-Fans enttäuschen, gab es weder Hinweise auf irgendwelche Formen von Technik und das Objekt besitzt keine nennenswerten Mengen an Wasser oder Eis.

Außerdem konnten wir bestätigen, dass es vollständig inaktiv ist, weil wir in seiner direkten Umgebung nicht den geringsten Hinweis auf Staub finden konnten.

Karen Meech

Die Astronomen gaben dem Objekt den Namen 'Oumuamua. Das ist hawaiianisch und steht für einen "Boten aus der fernen Vergangenheit, der uns erreicht". Die offizielle Bezeichnung ist "1I/2017 U1” - somit ist es das erste bekannte Objekt einer ganz neuen Klasse.

Alle Augen auf `Oumuamua

Entdeckt wurde das Objekt am 19. Oktober 2017 vom Pan-STARRS-1-Teleskop auf Hawaii. Schnell zeigte die Bahnberechnung, dass es nicht aus unserem Sonnensystem stammte. Dann mussten sich die Astronomen beeilen, denn 1I/2017 U1 entfernte sich bereits von der Sonne, zeigte dabei aber keinerlei Aktivität wie beispielsweise ein Komet. Das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile richtete sich aus, weitere Teleskope kamen hinzu. Das Institute for Astronomy Hawaii bündelte die Untersuchungen. Und aus all diesen Aufnahmen konnten die Astronomen ein Bild von `Oumuamua erstellen.

Nach den vorläufigen Bahnberechnungen stammt das Objekt ungefähr aus der Richtung des hellen Sterns Vega im nördlichen Sternbild Leier. Allerdings ist das der Himmelsstand heute. `Oumuamua bewegt sich mit rund 95.000 km/h und wäre damit 300.000 Jahre aus dieser Richtung unterwegs zu uns. Nur Vega war vor 300.000 Jahren nicht an diesem Punkt. `Oumuamua, so die Astronomen, könnte seit Hunderten Millionen von Jahren durch die Milchstraße gereist sein, bevor das Objekt zufällig auf das Sonnensystem traf. Und die Astronomen beobachten es weiter.

Die Flugbahn von ‘Oumuamua
Bildrechte: ESO/K. Meech et al.

Wir hoffen, genauer bestimmen zu können, woher es kam und wohin es auf seiner Reise durch die Galaxis als nächstes fliegt. Und jetzt, da wir den ersten interstellaren Gesteinsbrocken gefunden haben, bereiten wir uns auf die nächsten vor!

Olivier Hainaut, ESO München-Garching

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | Radio | 21. November 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2017, 16:42 Uhr