Schuppentier im Leipziger Zoo
Bildrechte: Christian Kulawik

Liste der Weltnaturschutzunion Verlierer des Jahres 2017: Das Schuppentier

Die Weltnaturschutzunion WWF hat wie jedes Jahr auch 2107 eine Liste von Tieren veröffentlicht, die zu den Verlierern und Gewinnern zählen. Einer der Verlierer: Das Schuppentier, auch Pangolin genannt. Die wenig bekannten Tiere aus Asien und Afrika sind die meistgejagten und geschmuggelten Säugetiere der Welt. Der Zoo Leipzig ist der einzige in Europa, der die Tiere hält. Und will sie jetzt sogar züchten.

von Karolin Dörner

Schuppentier im Leipziger Zoo
Bildrechte: Christian Kulawik

Kaum erklingen die Schlüssel des Tierpflegers an der Gehegetür, kommt das Schuppentiermännchen Quesan schon angetrottet. Einen halben Meter ist er lang, besteht zur Hälfte aus dickem Schwanz, der komplett mit grauen Schuppen bedeckt sind. Wie ein Nagetier in Ritterrüstung sieht er aus. Nur seine spitze Nase ist frei, damit beschnuppert er seinen Brei, der die Inhaltsstoffe von Ameisen und Termiten nachahmen soll. Das Futter ist der Grund, warum sehr wenige Zoos Schuppentiere halten, erklärt Ruben Holland Kurator im Zoo Leipzig.

Es ist eine relativ aufwendige Prozedur dieses Futter vorzubereiten. Da kommen Mehlwürmer rein, da kommen Bienenlarven rein, da wird extra Chitin mit ins Futter gemischt, ein bisschen Heilerde. Einfach um diese Stoffe, die die Tiere brauchen, nachzuahmen. Aber das klappt mittlerweile mit dem Brei, den wir da kochen, sehr sehr gut.

Ruben Holland

So gut, dass die beiden Schuppentiere Quesan und Tou-Feng schon seit zehn beziehungsweise acht Jahren in Leipzig leben. Ihnen hätte auch ein ganz anderes Schicksal zuteilwerden können: Die Tiere sollten geschmuggelt werden, wurden aber vom Zoll aufgegriffen und in den Zoo gebracht. Nicht umsonst sind Schuppentiere die meistgejagten und geschmuggelten Tiere der Welt.

Man verdient extrem viel Geld mit so einem Schuppentier, weil zum einen das Fleisch gegessen wird. Zum anderen werden die Schuppen verkauft und zu medizinischen Zwecken verwendet. Was totaler Blödsinn ist, aber es passiert trotzdem in China und Vietnam.

Ruben Holland
Sven Voss interviewt Ruben Holland
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Ruben Holland, Kurator des Bereichs Afrika und Asien im Leipziger Zoo, zur Bedrohung der Schuppentiere.

Di 25.04.2017 21:15Uhr 03:24 min

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Dort ist der größte Absatzmarkt: Ein Kilo Schuppentierfleisch wird mit über 300 Euro gehandelt. Die Pangolinschuppen werden wiederum zu Pulver gemahlen und sind Allzweckwaffe gegen Krebs oder für Potenz in der traditionellen Medizin. Alles Quatsch, sagt Lea Horak von der Naturschutzorganisation “Rettet den Regenwald“. Denn die Schuppen bestehen aus einer bekannten Substanz: Keratin.

Das ist so eine Hornsubstanz, die gleiche, die wir auch in unseren Haaren finden und in unseren Fingern und Fußnägeln. Also Pangolinschuppen als Medizin zu nutzen, ist im Grunde nichts anderes als unsere eigenen Fußnägel in Medizin zu nutzen.

Lea Horak

Nichtsdestotrotz boomt der Handel. Weil die Tiere in Asien schon fast ausgestorben sind, expandiert das Geschäft nach Afrika, wo auch Schuppentiere vorkommen. Deshalb hat die Artenschutzkonferenz im letzten Jahr den Handel untersagt. Illegal laufen die Geschäfte aber weiter. Immer wieder werden tonnenweise Schuppen sichergestellt. Der Zoo Leipzig versucht daher einen anderen Weg, die Tiere zu erhalten: Als zweiter Zoo weltweit wollen Kurator Holland und sein Team Schuppentiere züchten. Dafür haben sie sich sogar erfahrene Tiere aus dem Taiwanesischen Zoo geholt. Doch bisher fruchtet das Ganze noch nicht. Vielleicht läuft es 2018 ja besser.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 29. Dezember 2017 | 15:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2017, 14:00 Uhr