Niedrigwasser an der Elbe bei Dresden.
Niedrigwasser in der Elbe bei Dresden Anfang August 2018 - auch mehr als einen Monat später führt der Fluss selten mehr als die Hälfte seiner durchschnittlichen Wassermenge. Bildrechte: imago/Torsten Becker

Dürrefolgen Die Elbe braucht eine Woche Dauerregen

2018 wird als extremes Dürrejahr in die Wettergeschichte Deutschlands eingehen. Nur überdurchschnittliche Niederschläge könnten das Defizit ausgleichen. Die Grundwasservorräte sinken indes weiter.

Niedrigwasser an der Elbe bei Dresden.
Niedrigwasser in der Elbe bei Dresden Anfang August 2018 - auch mehr als einen Monat später führt der Fluss selten mehr als die Hälfte seiner durchschnittlichen Wassermenge. Bildrechte: imago/Torsten Becker

Die große Hitzewelle des Sommerst ist zwar vorbei – doch die Folgen der Dürre sind trotz gelegentlicher Regenfälle noch lang nicht überwunden: So könnte man die Lage der Flüsse, des Boden und des Grundwassers in Mitteldeutschland kurz zusammenfassen. Der aktuelle Bericht zum Wasserhaushalt des sächsischen Landesumweltamts verzeichnet seit Jahresbeginn zwischen 29 und 47 Prozent weniger Regen und Schnee, als im langjährigen Durchschnitt.

Flüsse wie die Spree oder die Mulde führen nur zwischen einem Fünftel und der Hälfte ihrer üblichen Wassermenge. Auch die Elbe erreicht trotz der regelmäßigen Abgabe von Wasser aus Speichern in Tschechien meist nur die Hälfte ihres normalen Pegels. In Thüringens Kalibergbaugebiet entlang der Werra haben bereits einige Werke ihren Betrieb eingestellt, weil der Fluss aufgrund des niedrigen Pegels nicht mehr genügend Abwasser mitnehmen kann.

300 Liter Regen pro Quadratmeter nötig

Auch der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig zeigt nach wie vor eine außergewöhnlich starke Bodentrockenheit für weite Teile Deutschlands. Damit der Herbst hier Normalität bringen kann, müsste einige Wochen gleichmäßig anhaltender Landregen einsetzen. Doch der ist bislang nicht in Sicht.

"Das Niederschlagsdefizit ist 2018 sehr hoch, es beträgt zwischen 100 und 150 Litern pro Quadratmeter", sagt der Meteorologe Valeri Goldberg von der Technischen Universität Dresden. Der Hydrologe Niels Schütze, ebenfalls von der TU Dresden, schätzt, dass zwischen 200 und 300 Liter Regen pro Quadratmeter nötig wären, um die Bodenwasserspeicher wieder aufzufüllen – vorausgesetzt, es verdunstet nichts und auch die Pflanzen verbrauchen kein Wasser mehr.

Ich bin aber optimistisch, dass dieses Bodenwasserdefizit im Herbst und im Winter ausgeglichen wird und das die Böden im Frühjahr wieder aufgesättigt sind.

Niels Schütze, Hydrologe, TU Dresden

Grundwasservorräte werden weiterhin kleiner

Anders sieht es allerdings beim Grundwasser aus. Hier sinken die Wasserstände aktuell, wie unter anderem die Grundwasserkarte des sächsischen Landesumweltamtes zeigt. "Der Boden ist wie ein Schwamm, er kann viel Wasser gegen die Schwerkraft halten", erklärt Niels Schütze. Erst wenn dieser oben liegende Schwamm vollgesogen ist, kann darunter neues Grundwasser gebildet werden. Hinzu kommt: Da schon der vergangene Winter überdurchschnittlich trocken war, wurden auch da die Grundwasserspeicher nicht aufgefüllt.

Hier tritt ein Memory-Effekt ein, der bis ins kommende Jahr 2019 anhält. Die Grundwasservorräte könnten zum Beginn von 2019 noch niedriger sein, als dieses Jahr.

Niels Schütze

Eine Woche Regen nötig

Und auch die Pegelstände in der Elbe könnten sich erst normalisieren, wenn es lang anhaltend regnet. "Es bräuchte wenigstens eine Woche gleichmäßigen Landregen im Umfeld der Moldau in Tschechien, damit wieder genügend Wasser in die Elbe strömt", sagt Karin Bernhardt, die Sprecherin des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. September 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 10:43 Uhr