Meise
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Die Stunde der Wintervögel Wo sind die Meisen geblieben?

Das Erfreuliche vorweg: 87.000 Menschen haben sich an der großen Mitmach-Aktion "Stunde der Wintervögel" beteiligt. Damit gilt die Vogelinventur als valide und hat auch schon ein erstes Ergebnis: uns fehlen die Meisen.

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Nach einem milden Winterbeginn in Europa bevölkern derzeit weniger Vögel Gärten und Parks in Deutschland. Erste Ergebnisse der Zählaktion "Stunde der Wintervögel" bestätigen frühere Einschätzungen, wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) am Dienstag mitteilte. Am vergangenen Wochenende beobachteten Teilnehmer im Schnitt in einer Stunde 34 Vögel pro Garten. Das seien knapp 20 Prozent weniger als im Mittel der sechs Vorjahresaktionen. Betroffen seien insbesondere Meisenarten, die gerne Futterhäuschen aufsuchen, sagte Vogelschutzexperte Lars Lachmann.

Elster an ihrem Futterplatz im Schnee
Die Elster gehört zu den Rabenvögeln. Häufig nisten die Vögel in der Nähe von Kindergärten und Schulen, weil sie dort immer etwas zu essen finden. Bildrechte: imago/imagebroker

Als Ursache für den Rückgang vermutet er vor allem das Verhalten von Zugvögeln - beeinflusst von zunächst relativ milden Temperaturen in den Herkunftsgebieten. Aus nördlich und östlich gelegenen Ländern seien wohl weniger Vögel gekommen, sagte Lachmann. Die insbesondere im Südwesten Deutschlands ausgeprägten Rückgänge ließen auch darauf schließen, dass einige Vögel bereits im Norden und Osten Deutschlands Halt machten. Einen richtigen Kälteeinbruch gab es erst am Zählwochenende selbst.

Auch wenn die Tendenz zunächst alarmierend klingt, sieht Lachmann keinen Grund zur Beunruhigung: "Ich würde das im Moment noch als natürliche Fluktuation betrachten, wie es sie bei verbreitet warmen Wintern in Europa geben kann." Würde man zum Beispiel über 20 Jahre zurückreichende Daten verfügen, so seien zwei oder drei ähnliche Ausreißer wahrscheinlich, so Lachmann. Die vor allem bei Wasservögeln kursierende Vogelgrippe schließt er als Faktor aus.

Vogelbeobachtung im Winter
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Möglicherweise kann es aber im vergangenen Frühjahr einen geringen Bruterfolg zum Beispiel bei Meisen und anderen Waldvögeln gegeben haben. Bei Kohl- und Blaumeisen fehlten nun etwa je ein Drittel, bei selteneren Meisenarten sogar mehr als 60 Prozent des Bestands, so Lachmann. Letztlich werde man erst im Frühjahr mehr über die tatsächlichen Bestände sagen können.

Erfreulich ist für den Nabu die große Beteiligung von Interessierten an der Zählaktion "Stunde der Wintervögel". Bislang haben demnach mehr als 87.000 Menschen ihre Beobachtungen gemeldet. Nachmeldungen sind noch bis zum 16. Januar möglich. Die endgültige Bilanz wird Ende Januar erwartet. Bereits vor Wochen hatte der NABU auf Meldungen besorgter Vogelfreunde hingewiesen, wonach derzeit eine überraschende Leere an Futterhäuschen herrsche.

Über dieses Thema berichtete MDR Sachsen-Anhalt im Fernsehen | 08.01.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 13:14 Uhr