Stieglitz
Bildrechte: Andreas Hartl/NABU

Vogelzählung Zugvögel werden sesshaft

Viele Menschen treibt in diesem Winter die Frage um: Wo sind die Vögel geblieben? Auffallend wenig Meisen, Finken und andere Vögel ließen sich in den vergangenen Monaten an Futterstellen sowie in Gärten und Parks blicken. Was ist da los?

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Bildrechte: Andreas Hartl/NABU

Die Teilnehmerzahl der großen Vogelzählung im Januar war beachtlich: Über 118.000 Menschen haben sich eine Stunde Zeit genommen und jeden Vogel gezählt, den Sie im Garten, Park oder Wald gesehen haben. Das Ergebnis: Insgesamt beobachteten die Teilnehmer durchschnittlich 17 Prozent weniger Tiere als in den Jahren zuvor.

Vor allem bei den häufigen Wintervögeln und Futterhausbesuchern, darunter allen Meisenarten, aber auch Kleiber und Kernbeißer, wurden die bisher niedrigsten Zahlen seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 verzeichnet. Pro Garten ließen sich im Schnitt nur rund 34 Vögel und acht verschiedene Arten sehen – sonst liegt der Schnitt bei rund 41 aus neun Arten.

Vogelbeobachtung im Winter
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Einige Arten hatten dieses Jahr offenbar kaum Wanderlust

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer

Aus dem Norden und Osten sind kaum Meisen zu uns nach Deutschland gekommen. Manche Wintervögel hatten wohl aufgrund des – bis zum Beginn des Zählwochenendes – noch extrem milden Winters auf halber Zugstrecke Halt gemacht.

Im Gegensatz dazu sind Arten, die im Winter von Deutschland aus teilweise nach Süden abwandern, in diesem Jahr besonders häufig hier geblieben. Bei Amseln, Rotkehlchen, Ringeltauben, Star und Heckenbraunellen wurden die bislang höchsten oder zweithöchsten Werte seit Beginn der Aktion ermittelt. Die Amselzahlen stiegen pro Garten durchschnittlich um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Star nahm gar um 86 Prozent zu.

Vögel in Stendal Nord
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Verschiebung in der Rangliste der häufigsten Wintervögel

Entsprechend deutlich zeigen sich die Verschiebungen auch in der Rangliste der häufigsten Wintervögel: Hinter dem Dauer-Spitzenreiter Haussperling setzte sich die Amsel – etwas überraschend – auf Rang zwei (sonst Platz 5). Die Kohlmeise liegt erstmalig nur auf Rang 3 und der Feldsperling landet zum ersten Mal noch vor der Blaumeise auf Rang 4.
Besorgniserregend ist hingegen die anhaltende Talfahrt der Grünfinken. Nach einem erneuten Rückgang um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und über 60 Prozent gegenüber 2011 ist der Grünfink erstmals nicht mehr der sechsthäufigste Wintervogel in Deutschland. Er rangiert nunmehr auf Rang acht. Grund hierfür ist vermutlich das durch einen Parasiten hervorgerufene sogenannte "Grünfinkensterben“ (Trichomoniasis), das seit 2009 vor allem an sommerlichen Futterstellen auftritt.

Katzen und Raubvögel sind nicht schuld

Aufgrund der Zähl-Ergebnisse hatte sich in der Öffentlichkeit zuletzt eine rege Diskussion um die Gründe für die außergewöhnlich geringe Zahl an Wintervögeln entfacht. Nicht selten vermuteten Beobachter die Ursache bei Katzen, Rabenvögeln oder Greifvögeln. "Diese Thesen können nicht stimmen, da keiner dieser potenziellen Fressfeinde im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen hat. Außerdem muss der Grund einer sein, der speziell in diesem Jahr eine Rolle gespielt hat – und keiner, der immer da ist. Unsere Analyse hat sogar gezeigt: In Gärten mit Katzen oder Elstern werden gleichzeitig mehr andere Vögel beobachtet. Das Auftreten potenzieller Fressfeinde führt also keineswegs zum sofortigen Verschwinden von Vogelarten“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Miller.

Elster an ihrem Futterplatz im Schnee
Die Elster gehört zu den Rabenvögeln. Häufig nisten die Vögel in der Nähe von Kindergärten und Schulen, weil sie dort immer etwas zu essen finden. Bildrechte: imago/imagebroker

Über dieses Thema berichtete der MDR Sachsen-Anhalt-heute im Fernsehen | 08. Januar 2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL im Fernsehen | 15. Januar 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 10:18 Uhr