Hinweise auf "Magma-Reservoir" Vogtland "demnächst" Vulkangebiet

Unter dem Vogtland brodelt es. Aufsteigende CO2-Gase deuten auf ein "Magma-Reservoir" unter der Region hin. Gibt es "demnächst" einen sächsischen Vulkan? Möglich, sagen Vulkanologen. Doch was heißt "demnächst" in erdgeschichtlichen Dimensionen? Vulkan- und Erdbebenforscher des Geoforschungszentrums Potsdam sind dem Phänomen auf der Spur.

Morgensonne über einem Tal mit Nebel im Herbst
Wo heute friedlich Nebelschwaden durch die Täler des Vogtlandes ziehen, könnten "schon" in 50.000 bis 100.000 Jahren Schwefeldämpfe aus der Erde empor steigen. Bildrechte: IMAGO

Das Vogtland könnte "demnächst" zum Vulkangebiet werden. Das zumindest legen Untersuchungen von Wissenschaftlern des Geoforschungszentrums in Potsdam nahe. "Wir wissen schon seit einiger Zeit, dass wir dort magmatische Prozesse haben, ganz tief unter der Erdoberoberfläche", sagt GFZ-Vulkanologe Torsten Dahm MDR AKTUELL. Beleg für diese Prozesse sind laut dem Potsdamer Sektionsleiter Erdbeben und Vulkanphysik aufsteigende CO2-Gase, die in der Region ständig in die Atmosphäre entweichen.

Magma sorgt für CO2-Entgasungen

Dahm und seine Kollegen gehen deshalb davon aus, dass sich mindestens 30 bis 35 Kilometer oder noch tiefer unter dem Vogtland ein "Magma-Reservoir" befindet, das für diese CO2-Entgasungen verantwortlich ist.

Dass sich die Menschen in der sächsisch-tschechischen Region zeitnah sorgen müssen, wie sie ihr Hab und Gut vor einem ausbrechenden Vulkan in Sicherheit bringen, dafür besteht nach Angaben des GFZ-Vulkanologen jedoch kein Grund. "Wenn wir über diese Prozesse sprechen, dann haben wir sehr große Zeiträume im Hinterkopf. 'Demnächst' heißt nicht in wenigen Jahren, sondern dass könnten Zeiträume sein, die 50.000 oder 100.000 Jahre sind", erklärt Dahms.

Kleinen und schwachen Beben auf der Spur

Die einzige Gefährdung, die momentan für die Menschen im Vogtland besteht, sind laut GFZ-Sektionsleiter Dahm Schwarmbeben, die hinsichtlich ihrer "seismischen Gefährdung" bislang aber überschaubar seien. Dennoch wollen die Potsdamer Vulkan- und Erdbebenforscher dem Phänomen noch genauer nachgehen. Mithilfe eines verbesserten Messnetzes wollen sie prüfen, ob unter dem Vogtland auch ganz kleine und schwache Beben zwischen der 30 bis 35 Kilometer tiefen Kruste-Mantel-Grenze und dem Erdbebenschwarm-Gebiet auftreten. "Dann wäre das ein Hinweis, dass sich wirklich Magmen und magmatische Fluide von unten nach oben bewegen", erklärt Dahm.

Spannungsfeld verhindert Vulkan-Aktivität

Illustration - Vulkanausbruch von 500 Millionen Jahren.
Dass es im Vogtland bald aussieht, wie 500 Millionen Jahre nach der Entstehung der Erde, ist nicht zu befürchten. Bildrechte: IMAGO

Dass sich das Vogtland absehbar zu einer Region mit vulkanischer Aktivität entwickelt, wie sie beispielsweise noch vor 13.000 Jahren in der Eifel im Westen Deutschlands vorherrschte, steht nach Angaben des GFZ-Wissenschaftlers dennoch nicht zu befürchten.

Den Grund sehen Dahm und seine Kollegen in dem hierzulande vorherrschenden Spannungsfeld in der Erdkruste. Dieses verhindere, dass Magmen, die in die mittlere Erdkruste aufdringen, auch tatsächlich weiter nach oben steigen können. Da sich das Spannungsfeld in Mitteleuropa aber nur in "ganz großen Zeiträumen" verändere, würde sich da auch so schnell nichts ändern, sagt Dahm und betont noch einmal: "Da sprechen wir eher über 50.000 bis 100.000 Jahre."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juli 2018 | 07:49 Uhr