Überwachung des Erdinneren Deutschland ist ein Land der Vulkane - geologisch

Deutschland ein Land der Vulkane? Schwer vorstellbar, aber wahr. Geologisch gesehen ist das so, sagen Experten. Ein ganzes Band erstreckt sich von der Lausitz über Hessen bis in die Eifel. Alein dort sind es 340, von denen einige immer noch als aktiv gelten. Forscher wollen sie jetzt überwachen, um herauszufinden, was tief unter der Erdoberfläche vor sich geht.

Collage - Vulkanausbruch in blühender Landschaft
Nur eine Fotomontage: Doch die Landeskrone in der Lausitz ist vulkanischen Ursprungs. Bildrechte: MDR/Imago/Hanke

Naturkatastrophen sind zum Glück selten in Deutschland, von Vulkanausbrüchen ganz zu schweigen. Trotzdem diskutieren Geologen und Vulkanologen derzeit über ein Vulkanüberwachungssystem. Das Argument von Thomas Walter vom Geoforschungszentrum in Potsdam:

Deutschland ist geologisch gesehen ein Land der Vulkane.

Dr. Thomas Walter GFZ

Tatsächlich gab es ein ganzes Band davon quer durch Deutschland. In der Oberlausitz sind das zum Beispiel die Landeskrone, die Lausche und der Löbauer Berg. Weitere gibt es zum Beispiel in Hessen und in der Eifel. Man erkennt sie natürlich nicht auf den ersten Blick und sie speien auch keine Lava mehr an die Oberfläche. Die Vulkane in der Oberlausitz sind seit mehr als 24.000 Jahren nicht mehr ausgebrochen. Dennoch gelten einige in der Eifel noch immer als aktiv. Das sei noch längst kein Grund zur Sorge, so Thomas Walter. Diese Aussage beruhe auf einer Definition der Internationalen Gemeinschaft für Vulkanologie und Geochemie des Erdinneren aus den 1980er-Jahren:

Vulkane, die mindestens einen Ausbruch seit der letzten Eiszeit hatten, gelten demnach als aktiv.

Thomas Walter

In der Eifel war das vor 12.000 Jahren zum letzten Mal der Fall. Große Teile der Ablagerungen stauten damals den Rhein auf. Es bildete sich ein natürlicher Damm, es gab einen Rückstau bis in die Frankfurter Gegend. Irgendwann brach dieser Damm. Es gab eine große Flutwelle, die nach Norden geschwappt ist.

Die Konsequenzen damals waren dramatisch.

Die Asche von damals lässt sich heute noch in Mitteldeutschland und sogar in Skandinavien nachweisen. Und noch immer brodelt es unter der Eifel. Regelmäßige, kleinere Erdbeben sind eindeutige Hinweise. Blubbernde Quellen, aus denen CO2 austritt, belegen unterirdische Aktivität. Obwohl sich 12.000 Jahre für uns sehr lange anhören, sind sie in geologischen Maßstäben gesehen ein Wimpernschlag. So ist auch die Definition zu verstehen, die in der Eifel von "aktiven Vulkanen" spricht. Ein Beispiel für einen schlafenden, aktiven Vulkan ist der Chaiten in Chile, der scheinbar ohne Vorwarnung 2008 völlig überraschend ausbrach.

Das war eben auch ein Vulkan, der seit 8.500 Jahren keinen Ausbruch hatte. Das sind Zeiträume der Ruhephasen oder des Schlafens, wie wir sie jetzt in der Eifel auch haben.

Thomas Walter

Erst später hat sich für den Chaiten in Chile gezeigt: So ganz urplötzlich war es dann doch nicht. Der Vulkan war nicht überwacht worden, so blieben die Aktivitäten im Erdinneren unbemerkt. In Italien hingegen werden regelmäßig Messungen durchgeführt, und zwar auch in Regionen, die man mit Vulkanismus eher nicht in Verbindung bringt. Um Rom herum gibt es Vulkane, die seit tausenden von Jahren nicht mehr ausgebrochen sind.

Vulkanüberwachung in der Eifel

Seit 2013 gibt es kleinere Messreihen in der Eifel - Geologen und Vulkanolgen diskutieren jetzt, ob es sinnvoll ist, dort ein ständiges, modernes Überwachungssytem zu installieren. Denn die Kräfte, die die Alpen weiter nach oben drücken und als Auslöser für den Vulkanismus gelten, die wirken nach wie vor. Um zu erfahren, wie aktiv die Vulkane in der Eifel wirklich sind, ist Thomas Walter für ein wissenschaftliches Überwachungssytem:

Es gibt Erdbeben, vermutlich haben wir auch magmatische Fluide, die bis knapp unter die Oberfläche nach oben gedrungen sind. Davon haben die Menschen vor Ort nichts gemerkt. Aber wir wollen jetzt eben verstehen, ist es wirklich Magma oder sind es Gase und welche Gefahr geht von denen aus?

Thomas Walter

Thomas Walter betont, es gehe zunächst um Forschung, nicht um ein Frühwarnsystem für Vulkane. Denn dass demnächst ein Vulkanausbruch irgendwo in Deutschland bevorsteht, davon geht niemand aus. Wirklich beurteilen können die Wissenschaftler das jedoch erst, wenn sie wissen, was da unten momentan vor sich geht. Doch so lange keine akute Gefahr in Verzug ist, wird um den Nutzen solcher langfristigen und kontinierlichen Messungen heftig gestritten:

Vulkanüberwachung ist immer mit Kosten verbunden und bislang hat sich noch niemand dazu geäußert wie das wirklich realisiert werden kann oder ob man das wirklich möchte.

Thomas Walter

Die wissenschaftliche Diskussion darüber hat gerade erst begonnen und wird in dieser Woche auf einer Konferenz der Geologen und Vulkanologen fortgesetzt - natürlich in der Eifel.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP Radio | 28. Februar 2019 | 19:50 Uhr