Weltklima Es wird immer heißer: Neue Rekordtemperaturen 2016

2016 bekommt vermutlich den Eintrag: wärmstes Jahr der Erdgeschichte seit Beginn der Temperaturmessung. Das meldet die US-Klimabehörde NOAA. Der Trend gilt auch für Deutschland - allerdings ohne neue Rekorde.

Wie die vorangegangen beiden Jahre, wird vermutlich auch 2016 wieder alle Temperaturrekorde brechen. Die Zahlen der USA-Klimabehörde NOAA für den Zeitraum Januar bis November belegen, dass der Anstieg sich fortsetzt. Die Temperatur über den Land- und Ozeanflächen unseres Planeten lagen bei 14,94 Grad Celsius, ein Plus von 0,06 zum Vorjahr. Auch die Weltwetterorganisation WMO hält es für wahrscheinlich, dass 2016 das heißeste bisher erfasste Jahr wird. Nach vorläufigen Daten wird es demnach 1,2 Grad wärmer als die vorindustriellen Jahre.

Was den Forschern große Sorgen macht: Das arktische Eis wuchs in diesem Herbst extrem langsam und hatte im November ein Rekordtief für diesen Monat erreicht. Im Durchschnitt bedeckte es im November nach Daten des Schnee- und Eiszentrums der USA (NSIDC/National Snow & Ice Data Center) nur gut neun Millionen Quadratkilometer, knapp zwei Millionen weniger als im November-Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Schon im Oktober fehlte eine Eisfläche von der Größe Alaskas und Texas' zusammen. Auch in der Antarktis schrumpfte die eisbedeckte Fläche im November auf ein Rekordtief für diesen Monat von 14,5 Millionen Quadratkilometern.

In Deutschland setzt sich der Trend zu einem generellen Temperaturanstieg ebenfalls fort. Das Jahr 2016 wird nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) voraussichtlich wieder mehr als ein Grad wärmer als die Temperatur im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 mit durchschnittlich 8,2 Grad Celsius ausfallen. Mit Ausnahme des Oktobers und des Novembers waren die ersten elf Monate jeweils überdurchschnittlich warm.

Der September 2016 galt nach DWD-Angaben als extrem warm. Er lag mit einer Durchschnittstemperatur von 16,8 Grad um 3,5 Grad über dem Durchschnitt des 30-Jahre-Vergleichszeitraums. DWD-Sprecher Andreas Friedrich sagt: "Das Jahr 2016 wird in Deutschland zwar wieder zu warm, aber rund ein halbes Grad kälter als das Jahr 2015 und knapp ein Grad kälter als das bisher wärmste Jahr 2014 (10,3 Grad) ausfallen."

Korallensterben und Gewitterserien

Die Folge der Erwärmung scheint unmittelbar zu sein: Im Great Barrier Reef in Australien lag die Sterblichkeitsrate der Korallen um bis zu 50 Prozent über dem Durchschnittswert. In einer 700 Quadratkilometer großen Region seien mehr als zwei Drittel der Korallen abgestorben, so die Messungen australischer Wissenschaftler. Deutschland erlebte in diesem Sommer eine ungewöhnlich lange Serie von Gewittern, die in einigen Regionen große Schäden anrichteten. Mehrere Menschen kamen durch Blitzschläge ums Leben. Heftige Gewitterregen trugen ebenso wie Hitzeperioden dazu bei, dass etwa die Getreideernte vielerorts schlecht ausfiel.

Mit Taifunen oder Hurrikans, die in Südostasien und der Karibik Schneisen der Verwüstung schlagen, sind diese Gewitterstürme zwar nicht zu vergleichen. Dennoch: «Unsere Gesellschaft ist einigermaßen auf Hochwasser und ähnliches vorbereitet, aber nicht auf kurzfristige Ereignisse wie etwa Sturzfluten», warnt Gerhard Adrian, der Präsident des Deutschen Wetterdienstes.