Kleiner Junge  mit Regenschirm sitzt auf einem Klappstuhl
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Wetterbericht Warum lässt sich Regen so schwer vorhersagen?

Die Wettervorhersage ist in den vergangenen Jahren immer präziser geworden. Die Genauigkeit der Prognose für den nächsten Tag war etwa im Jahr 1968 so gut wie heute für den sechsten Vorhersagetag. Nur die Vorhersage von Regen bleibt schwierig. Deshalb sprechen Meteorologen ja auch von einer "Regenwahrscheinlichkeit". Und wenn die Wetter-App sagt es regnet, muss das nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen. Aber warum ist das so? Vom Sorgenkind der Meteorologie.

Kleiner Junge  mit Regenschirm sitzt auf einem Klappstuhl
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Niederschlag – für die Meteorologen ist es eines der komplexesten Themen. Und wenn sie sich bei Temperaturen ziemlich genau festlegen, dann trauen sie sich beim Regen nur Wahrscheinlichkeiten zu. Nehmen wir ein Beispiel. Die Prognose lautet: Zeitz, Mittwoch, 10:30 Uhr, 30 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Aber was heißt das eigentlich? Die Antwort hat Reinhold Hess, Datenexperte beim Deutschen Wetterdienst (DWD):

Es heißt, dass es in 100 vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit 30 Mal geregnet hat.

Reinhold Hess, DWD
Der Satellitenfilm lässt erahnen, was bis einschließlich Mittwoch auf uns zukommt: Regen, Regen und nochmals Regen.
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Mit anderen Worten. Diese Aussage über das Wetter ist keine Aussage über die Zukunft, sondern eine Aussage darüber, wie es bei vergleichbaren Wetterkonstellationen in der Vergangenheit gewesen ist. Um das zu tun, nutzen die Experten beim DWD die ganze Kapazität ihres 40 Millionen Euro teuren Computersystems.

Für den Niederschlag reicht es eben nicht, sich die Wolken anzuschauen, denn “Niederschlag ist einer der kompliziertesten Prozesse in der Atmosphäre“, weiß Detlev Majewski, Leiter der DWD-Abteilung Meteorologische Analyse und Modellierung.

Danke für den Konjunktiv

Fangen wir mit den Wolken an. Die Tropfen, aus denen sie bestehen, sind viel kleiner als die Regentropfen. Damit ein Regentropfen zu Boden fällt, müssen sich erst viele Wolkentropfen zusammenballen. Staubpartikel in der Luft können dafür sorgen, dass sie das tun. Das gilt auch für Schneeflocken. Oder es sind einfach sehr viele Tropfen, so dass sie sich ebenfalls zu Regentropfen zusammenfinden. Auf dem Weg nach unten kann aber noch viel passieren. Die Meteorologen müssen den Wind mit berechnen, der die Tropfen weit wegtragen kann. Und natürlich auch die Temperaturen. Ist es unten so warm, dass die Tropfen wieder verdampfen? Oder schaffen es alle bis nach unten?

“Je kleiner das Gebiet, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass die Vorhersage zutrifft“, sagt Statistik-Experte Hess. Macht man das Gebiet größer, wird die Vorhersage besser, “aber dann nützt sie niemandem“. Wer wissen will, ob er heute am Elbufer in Radebeul ohne Schirm spazierengehen kann, dem nutzt keine Vorhersage für den “Raum Dresden“. Aber trotz gigantischer Rechenpower führt uns die Natur hier immer wieder an unsere Grenzen. Es sind einfach zu viele Faktoren, Antje Khamis vom MDR Wetterstudio kennt das aus ihrer Arbeit und hat gelernt, mit den Wahrscheinlichkeiten zu leben. "Wir müssen jeden Tag danke sagen, dass es den Konjunktiv gibt."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 22. Dezember 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2018, 12:02 Uhr