Hurrikan Dennis trifft auf die Küste Floridas. Palmen biegen sich im Hurrikan.
Ein Hurrikan trifft mit hohen Windgeschwindigkeiten auf Palmen, die an der Küste von Florida stehen: Tropische Wirbelstürme bewegen sich immer langsamer von der Stelle und verusachen dadurch örtlich höhere Schäden, zeigt eine neue Studie von US-Forschern. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Klimawandel Länger und nasser: Stürme werden zerstörerischer

Fünf Tage stand Hurrikan "Harvey" an der Küste der USA und überflutete die texanische Großstadt Houston. Laut Forschung war das kein Zufall: Der Klimawandel macht Stürme langsamer und zerstörerischer, auch in Deutschland. Die Großwetterlage in Deutschland bestätigte das in den vergangenen Wochen.

von Clemens Haug

Hurrikan Dennis trifft auf die Küste Floridas. Palmen biegen sich im Hurrikan.
Ein Hurrikan trifft mit hohen Windgeschwindigkeiten auf Palmen, die an der Küste von Florida stehen: Tropische Wirbelstürme bewegen sich immer langsamer von der Stelle und verusachen dadurch örtlich höhere Schäden, zeigt eine neue Studie von US-Forschern. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Hurrikan "Harvey" richtete im August 2017 mächtige Schäden in der texanischen Metropole Houston an. Einer der Gründe dafür war die langsame Geschwindigkeit, mit der der tropische Wirbelsturm weiterzog. Fast fünf Tage verharrte er über küstennahen Gebieten in Texas. Damit wütete er länger und brachte mehr Regenfälle an die gleichen Orte als vergleichbare Stürme früher. Und dieses Phänomen wird in Zukunft wohl noch häufiger auftreten, wie US-Forscher jetzt im Fachmagazin "nature" vorhersagen.

Stürme werden langsamer, bringen aber mehr Regen

Eine Straße unter Wasser
Hurrikan Harvey führte 2017 zu heftigen Überflutungen in Houston, Texas. Bildrechte: IMAGO

James Kossin von der US-Klima und Ozeanbehörde NOAA hat Daten über tropische Wirbelstürme zwischen 1979 und 2016 ausgewertet. Dabei stellte er fest: Im Durchschnitt sank die Zuggeschwindigkeit der Stürme um 10 Prozent. Im westlichen Nordpazifik wandern Stürme heute sogar 20 Prozent langsamer, in den Gewässern vor Australien sind es 15 Prozent. "Diese Trends erhöhen mit großer Wahrscheinlichkeit die örtlichen Niederschlagsmengen und Süßwasser-Überschwemmungen, was mit sehr hohem Sterberisiko einhergeht", schreibt Kossin.

Als Ursache vermutet Kossin die globale Erwärmung. Durch sie schwächt sich die tropische Luftzirkulation ab. Es gibt heute weniger starke Luftströmungen, die die Stürme weitertragen könnten. Außerdem kann wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen, wodurch die Regenmengen steigen, die ein solcher Tropensturm mitbringt.

Diese Probleme dürften in Zukunft noch weiter zunehmen. "Die beobachtete Verlangsamung um zehn Prozent geschah über einen Zeitraum, in dem der Planet sich um 0,5 Grad Celsius erwärmt hat", sagt Kossin. Die Klimapolitik verfolgt aktuell das Ziel, die Gesamterwärmung bis 2100 auf 2 Grad zu begrenzen. Ob diese Grenze eingehalten wird, erscheint allerdings fraglich.

Trend ist auch in Europa sichtbar

Hurrikan Harvey ISS, Blick auf die Erde.
Blick aus der Internationalen Raumstation ISS auf Hurrikan Harvey im August 2017. Bildrechte: IMAGO

Tobias Geiger, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, ist über die neuen Forschungsergebnisse nicht erstaunt. "Man hat in den letzten Jahrzehnten mehrfach beobachtet, dass Wetterlagen langsamer ziehen, dass sie persistierender sind und die Folgen dadurch extremer werden können", sagt er im Gespräch mit MDR-Wissen.

Als eine zentrale Ursache haben er und seine Kollegen die veränderten Temperaturen im Atlantik identifiziert. "Ein großer Faktor ist, dass sich die Arktis stärker erwärmt, als der Äquator. Dadurch gibt es eine geringere Temperaturdifferenz im Meerwasser. Diese Temperaturunterschiede sind aber der Motor für die Wetterlagen in Europa", erklärt er. Gleichen sich die Wassertemperaturen nun an, gebe es weniger starke Ausgleichswinde, die durch die Corioliskraft um die Erde herumziehen.

Das wurde nun für Europa mehrfach bestätigt, dass dadurch beispielsweise im Sommer eine Hochdrucklage wochenlang erhalten bleibt, und es zu starken Hitzewellen und Dürren kommt. Umgekehrt kann auch ein Tiefdruckgebiet wochenlang an der gleichen Stelle bleiben. Dann fallen extreme Mengen Niederschläge herab und es gibt Überflutungen.

Dr. Tobias Geiger, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Schwächere Hurrikansaison erwartet

Wie sich solche Wetterlagen auswirken können, hat Deutschland in diesem Frühjahr gerade erst erlebt. Auch bei "Harvey" sei die Situation ähnlich gewesen. "In den mittleren Lagen steckte ein Hochdruckgebiet fest und hat den Weiterzug der Hurrikans blockiert", sagt Geiger. Das zeige, wie stark die globalen Luftströme das Wetter beeinflussen. Sie können sogar einen Sturm von mehreren hundert Kilometern Durchmesser an einem Ort festhalten.

Auch Geiger rechnet damit, dass die Luftzirkulation weiter abnimmt und Stürme dadurch langsamer vorbei ziehen. Damit steige die Gefahr von Schäden durch Wind oder durch die Konzentration der Regenfälle, die wiederum Schlammlawinen nach sich ziehen können.

Die NOAA rechnet in diesem Jahr mit vier schweren Wirbelstürmen im Karibik-Raum, außerdem mit fünf bis neun weiteren, schwächeren Hurrikanen. Damit wäre die Saison schwächer als im Vorjahr. Experten hatten aber auch 2017 eher unterdurchschnittliche Stürme erwartet, es erwies sich allerdings dann als das schlimmste Hurrikanjahr seit 2005.

Die Extreme nehmen zu

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. Juni 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 10:47 Uhr