Unwetter Entsteht über dem Mittelmeer ein Medicane?

Noch bevor klar ist, was sich da derzeit über dem Mittelmeer zusammenbraut, rauscht und braust der mögliche Medicane bereits durch den digitalen Medienwald, denn ein Tiefdruckgebiet namens NUMA liegt mit seinem Kern über Süditalien und das Meerwasser ist noch recht warm - also alle Zutaten für einen Medicane. Aber was ist das eigentlich, ein Medicane? Und was unterscheidet ihn vom "klassischen" Hurrikan?

Das Phänomen der Medicanes ist mit Beginn der 1980er-Jahre beobachtet worden - auf Satellitenbildern wurden damals Tiefdruckgebiete im Mittelmeer mit einem wolkenfreien Auge registriert. Die Stürme wurden "Medicanes" getauft - sprachlich eine Mischung aus "mediterran " und "Hurricane". Was unterscheidet nun die heftigen Stürme mit starkem Regen im Mittelmeerraum vom "klassischen" Hurrikan in den Tropen? Immerhin ähneln sich auf Satellitenbildern beide Sturmtypen - Wolken und Regenbänder wirbeln spiralförmig in Uhrzeiger-Gegenrichtung um das Sturmauge herum. Doch gibt es gravierende Unterschiede, sowohl bei Dauer als auch Windstärken:  

Welcher Sturm wo?
  Wind (Höchstgeschwindigkeit) Durchmesser Dauer
Hurricane 300 km/h 100-1.500 km bis 7 Tage
Medicane ab 112 km/h 200-300 km bis 2 Tage

Mediterrane Wirbelstürme entstehen durch den Temperaturunterschied zwischen nördlichen und südlichen Breiten, wenn sich die verschieden warmen Luftmassen mischen, also Kaltluft als Höhentief von höheren Breiten übers Mittelmeer zieht. Meteorologen sprechen hier von "Cut offs", Kaltluftansammlungen in großer Höhe, die vom Jetstream abgeschnürt sind. Wenn dann die feucht-warme Luft über dem Wasser zum Zentrum des Tiefs gesogen wird, steigt sie in regelrechten Gewittertürmen auf, bevor sie in der Mitte absinkt. Dabei erwärmt sich die Luft und löst im Zentrum des Systems die Wolken auf: Das "wolkenlose Auge" ist entstanden. Im Gegensatz zum Hurrikan ist der Medicane aber kein sich selbst nährendes Naturphänomen.

Was sind noch mal Hurrikans?

Tropische Wirbelstürme entstehen über warmem Wasser. Sie entstehen bei Wasseroberflächentemperaturen von 27 Grad, wenn gewaltige Wassermengen über dem Ozean verdunsten. Durch den so entstehenden Unterdruck an der Wasseroberfläche wird Luft "nachgesaugt", die Luft an den Rändern fängt an sich zu drehen und ein trichterförmiger Wirbel entsteht.

Das Auge des Hurrikans kann einen Durchmesser zwischen 15 und 30 Kilometer haben. Weitere Begleiterscheinungen sind starker Regen und stürmische Winde mit gefährlicher Wirkkraft.

Welcher Wirbelsturm heißt wo wie?
Name Lage
Hurrikan Nord- und Mittelamerika, Karibik
Taifun Südost- und Ostasien: Philippinen, China und Japan
Zyklon Indischer Ozean: Australien, Golf von Bengalen
Medicane Mittelmeer
Orkan Festland Mitteleuropa

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Radio: MDR aktuell | 15.11.2017 | 12:28 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 17:36 Uhr