Mit 18.000 Hektar wichtigstes Produktionsgebiet von Weihnachtsbäumen in Europa: das Sauerland.
Bildrechte: DBU / Steffen Kämpfer

Trotz Monokultur-Plantagen Forscher entdecken seltene Vögel in Weihnachtsbäumen

So besinnlich schön, wie der Weihnachtsbaum an Heilig Abend ist, so sieht er leider nicht das ganze Jahr über aus. Denn er kommt von Weihnachtsbaumplantagen: Monokulturen von Tannenbäumen erstrecken sich über die Landschaft. Die meisten solcher Plantagen gibt es im Sauerland: Es ist das wichtigste Produktionsgebiet von Weihnachtsbäumen in ganz Europa. Doch ausgerechnet dort haben Forscher der Universität Osnabrück nun zahlreiche stark gefährdete Brutvögel gefunden.

von Karolin Dörner

Mit 18.000 Hektar wichtigstes Produktionsgebiet von Weihnachtsbäumen in Europa: das Sauerland.
Bildrechte: DBU / Steffen Kämpfer

Baum an Baum an Baum an Baum und dazwischen zwitschert ein hellbraunes Vögelchen. Die Heidlerche wird in Deutschland streng geschützt und steht auf der roten Liste der gefährdeten Vogelarten. Und auch der Baumpieper gilt als gefährdet. Doch ausgerechnet in den Weihnachtsbaum-Monokulturen fühlen sich beide Brutvögel wohl. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Thomas Fartmann. Er ist Professor für Biodiversität und Landschaftsökologie an der Universität Osnabrück. Er erzählt, dass beide Vogelarten den unbewachsenen Boden am Fuß der Weihnachtsbäume besonders schätzen.

Das sind die Arten, die offenen Boden zum Jagen brauchen. Die laufen auf diesem offenen Boden. Wir haben diesen offenen Boden, da können sie jagen. Wir haben ein gutes Nahrungsangebot: Wir haben Spinnen und Insekten.

Prof. Thomas Fartmann, Universität Osnabrück

Professor Fartmann geht sogar so weit und deklariert: Die Weihnachtsbaumkulturen sind die Nutzfläche, wo man die meisten und unterschiedlichsten Vogelarten der roten Liste findet. Verglichen hat er das unter anderem mit landwirtschaftlichen Grünflächen oder Fichtenwäldern.

Der Bluthänfling ist eine Vogelart der Roten Liste, die häufig in den Weihnachtsbaumkulturen des Sauerlandes vorkommt.
Der Bluthänfling ist eine Vogelart der Roten Liste, die häufig in den Weihnachtsbaumkulturen des Sauerlandes vorkommt. Bildrechte: DBU / Jonas Brüggeshemke

Mit naturbelassenen Gebieten können die Weihnachtsbäume zwar nicht mithalten, dennoch überraschen die Ergebnisse des Osnabrücker Biologen. Denn gerade die Weihnachtsbaumkulturen haben eigentlich einen schlechten Ruf, sagt Fartmann: "Viele Weihnachtsbaumkulturen sind mal auf diesen vergleichsweise artenreichen Flächen entstanden. Also es sind in den achtziger Jahren wertvolle Flächen verschwunden." Außerdem würden die Weihnachtsbäume in den ersten Jahren auch noch gedüngt. Und im Frühjahr und im Herbst würden sie in aller Regel auch mit Hebriziden behandelt.

Die Weihnachtsbäume gelten als Intensivkultur. Das bedeutet, die Bäumchen werden mit viel Aufwand hochgepäppelt. Die Vögel scheint das wenig zu stören. Im Sommer wachsen genug Bodenkräuter für ausreichend Samen. Und weil wenig gegen Insekten gespritzt wird, kommen auch die Wurmfresser auf ihre Kosten. Außerdem können die seltenen Vögel mit Einem rechnen: Ruhe! Denn die jungen Weihnachtsbäume sind eingezäunt, zum Schutz vor hungrigem Wild. Und so kann man sie eben auch wieder singen hören: Die Bluthänflinge, Fitis, Goldammer und Heidelerchen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 20. Dezember 2017 | 06:56 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2017, 11:00 Uhr