Hitzefolgen West-Nil-Virus: Mückenstiche werden ernster

Das West-Nil-Virus ist auf dem Vormarsch. Seit diesem Jahr nun auch in Deutschland. Erstmals wurden hier Menschen durch Mückenstiche infiziert, gerade Sachsen und Sachsen-Anhalt ist betroffen. Ein Fall aus Leipzig und einer aus Wittenberg ist offiziell. In Leipzig werden weitere Verdachtsfälle untersucht.

Eine Mücke 3 min
Bildrechte: imago/Xinhua

Bisher waren Mückenstiche vor allem lästig. Seit dem Sommer 2019 können sie auch gefährlich werden. Schuld daran ist das wärmeliebende West-Nil-Virus. Das konnte sich, dank der sommerlichen Hitze, ganz wunderbar vermehren und zwar in den Körpern unserer deutschen einheimischen Mücken.

2018/2019 im Vergleich: Fälle von West-Nil-Virus

West-Nil Virus Verbreitung
Bildrechte: FLI/BNI/RKI
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Von da gelangte es dann durch Stiche in den Menschen. Schaden nehmen nur die wenigsten davon, erklärt Infektionsmediziner Bernhard Ruf vom Leipziger St. Georg Klinikum:

Mann mit Brille und weißen Haaren
Dr. Bernhard Ruf Bildrechte: MDR

Das ist ein Virus, das eigentlich in der Regel der Patient, wenn er infiziert ist, gar nicht merkt. 80 Prozent der Infektionen verlaufen völlig problemlos ab, also ohne jede klinischen Erscheinungen. Wenn man krank ist, dann haben die meisten eine ganz harmlose virale allgemeine Infektion. Nur die wenigsten erkranken wirklich an einer Hirn- und Hirnhautentzündung.

Bernhard Ruf

Die kann allerdings tödlich enden. 2018 starben in Europa 115 Menschen am West-Nil-Virus. In Deutschland sind dieses Jahr erstmals drei Menschen erkrankt. Zwei davon aus Mitteldeutschland. Hier sei es schließlich besonders warm gewesen, erklärt Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Die drei Patienten seien aber nur die Spitze des Eisberges.

Wenn man bedenkt, dass nur ein Prozent diese schweren Verläufe zeigen, kann man ganz einfach hochrechnen: Bei drei registrierten sind das schon Mal mindestens 300 insgesamt und auch bei den schweren Verläufen wird auch nicht jeder diagnostiziert. Da muss erstmal der Arzt eine Diagnostik anfordern.

Jonas Schmidt-Chanasit

West-Nil-Virus zwingt zum Umdenken

Schmidt-Chanasit geht davon aus, dass die Zahlen für 2019 noch steigen. Das Bernhard-Nocht-Institut prüft derzeit weitere Verdachtsfälle aus diesem Sommer. Auch in den kommenden Jahren werden die Infektionen zunehmen, vermutet Infektionsmediziner Ruf:

Vielleicht nicht im Winter, aber im nächsten Sommer, wenn auch die Stechmücken aktiver sind, wird das mehr werden.Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit fügt hinzu: Es wird ein Umdenken stattfinden müssen bei Mückenstichen:

Früher war ein Mückenstich nahezu unbedenklich. Es hat ein bisschen gejuckt. Man musste sich aber keine Sorgen machen, dass man sich ein Virus holt. Das ist eben anders jetzt. Das hat sich geändert.

Jonas Schmidt-Chanasit

Mücken als die neuen Zecken

Mücken quasi als die neuen Zecken. Schmidt-Chanasit vergleicht das West-Nil-Fieber daher auch mit dem von Zecken übertragenen FSME. Ähnlich häufig tritt die Krankheit auf und kann ähnlich schwer verlaufen. Nur einen bedeutenden Unterschied gibt es: Für FSME gibt es eine Impfung. Die gibt es beim West-Nil-Virus noch nicht.

Mücken: Fiese, kleine Stecher

Gemeine Stechmücke, Ringelmücke, Trauermücke, Kriebelmücke - welche Mücken sind da draußen unterwegs und piesacken uns? Hier eine Galerie ausgewählter Plagegeister.

Gemeine Hausmücke .
Die Gemeine Stechmücke - der Name sagt alles. Ihr Summen hören wir am häufigsten in unseren Wohnungen und Häusern, wo sie das ganze Jahr zu finden ist. Der Stich ist klein, das Jucken meist groß. Die Weibchen stechen übrigens nur, weil sie Stoffe aus unserem Blut zur Eiablage brauchen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bildrechte: imago/blickwinkel
Gemeine Hausmücke .
Die Gemeine Stechmücke - der Name sagt alles. Ihr Summen hören wir am häufigsten in unseren Wohnungen und Häusern, wo sie das ganze Jahr zu finden ist. Der Stich ist klein, das Jucken meist groß. Die Weibchen stechen übrigens nur, weil sie Stoffe aus unserem Blut zur Eiablage brauchen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bildrechte: imago/blickwinkel
Kriebelmücke
Die Kriebelmücke - Biologen unterscheiden 50 verschiedene Arten in Deutschland. Ihre Weibchen sind Blutsauger. Aber sie lieben Rinder. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Ringelmücke
Große Hausmücke, Ringelmücke auch Ringelschnake. Über einen Zentimeter groß und das ganze Jahr aktiv. Hinterlässt beim Stechen oft auch Entzündungen. Bildrechte: IMAGO
 Buschmücke
Die Asiatische Buschmücke ist erst seit 20 Jahren bei uns zu finden. Sie gilt auch als Überträger verschiedener Krankheiten, wie etwa des West-Nil-Virus'. Bildrechte: IMAGO
Eine Trauermücke auf einer Margerite
Die Trauermücke ist völlig ungefährlich für Menschen, aber enorm lästig, denn die Larven fressen bevorzugt Pflanzenwurzeln. Bildrechte: IMAGO
Asiatische Tigermücke
Tigermoskito wird die Asisatische Tigermücke gelegentlich auch genannt. Sie ist tagaktiv, sehr stechfreudig und überträgt in den Tropen verschiedene Viren. Dafür ist es bei uns (noch) zu kalt. Bildrechte: IMAGO
Wintermuecke
Wintermücken sind unempfindlich gegen Kälte und können gut im Winter und in Höhenlagen überleben. Sie stechen nicht und sind für Menschen völlig ungefährlich. Bildrechte: IMAGO
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Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 29. Oktober 2019 | 17:50 Uhr

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