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Studie Wetterumschwung gefährlich für Schlaganfall-Risikopatienten

Morgens eisig, mittags sonnig, abends nass - das Wetter legt sich nicht nur auf die Laune. Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme oder Juckreiz sind mögliche Folgen. Das Phänomen ist als Wetterfühligkeit bekannt. Was machen die plötzlichen Wetterumschwünge tatsächlich mit unserem Organismus, gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau und für wen sind die Wetterkapriolen tatsächlich gefährlich?

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April und Mai haben ziemliche Wetter-Kapriolen geschlagen. Erst kletterten die Temperaturen fast in den sommerlichen Bereich, um gleich danach regelrecht abzustürzen. Wirkt sich das ständige Hin und Her auf den Organismus aus? Bei einer Umfrage unter Passanten in Halle fällt auf, dass vor allem Frauen körperliche Reaktionen auf Wetterwechsel an sich beobachten: Sie schildern Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schmerzen oder anschwellende Gelenke bei feucht-warmen Wetter.

Mann leidet an einer heftigen Erkältung 3 min
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Sind Frauen tatsächlich wetterfühliger als Männer?

Tatsächlich reagieren Frauen sensibler auf auf das Wetter. Der Leiter der Medizin-Meteorologischen Forschung des Deutschen Wetterdienstes, Professor Andreas Matzarakis, bestätigt das im Gespräch mit MDR Wissen und erklärt auch warum das so ist:

Das System bei den Frauen ist anders, etwa bei der Blutzirkulation über den ganzen Monat. Prinzipiell können wir sagen, dass das Wetter der verstärkende Faktor ist. Es ist das, was das Fass zum Überlaufen bringt. Denn wenn wir Wetterfühligkeit beschreiben möchten, sollten wir berücksichtigen, dass viele Faktoren eine Rolle spielen. Angefangen beim Fitnesszustand, Gesundheitszustand, Stress, Ernährung und das Wetter spielt da auch ein Rolle.

Menschen mit Bluthochdruck erwischt ein Wetterumschwung stärker

Doch egal ob Mann oder Frau: Die Wissenschaft hat inzwischen viele Hinweise darauf, dass sich ein Wetterumschwung tatsächlich auf den Organismus auswirkt. Das kann ein plötzlicher Temperaturabfall sein, ein anderer Luftdruck oder eine andere Luftfeuchtigkeit. Während gesunde Menschen in der Regel ohne Probleme mit einem Wetterwechsel zurechtkommen, sieht das bei Menschen mit Bluthochdruck schon anders aus. Während gesunde Menschen in der Regel ohne Probleme mit einem Wetterwechsel zurechtkommen, sieht das bei Menschen mit Bluthochdruck schon anders aus, weiß Matzarakis:

Bei Leuten, die unter Bluthochdruck leiden, wissen wir ganz genau, dass bei schönem Wetter der Transfer des Blutes einfach ist. Wenn ich eine schnelle Wetteränderung habe, ist die Differenz zwischen dem Blutdruck im Körper und dem Luftdruck außerhalb zu hoch. Deswegen kommt der Mensch nicht mehr nach.

Das Herz bekommt Stress und muss stärker pumpen. Die Folge: Kreislaufprobleme oder Kopfschmerzen.

Temperatursturz um drei Grad erhöht das Schlaganfall-Risiko um elf Prozent

Diese Beobachtungen bestätigt Dr. Florian Rakers. Er forscht als Neurologe an der Universität Jena und hat in einer Studie den Zusammenhang zwischen Wetterumschwung und Schlaganfall-Risiko untersucht.

Dabei kristallisierten sich drei Einflussfaktoren für das Schlaganfallrisiko heraus: Rasche Temperaturveränderungen begünstigen schnelle Wechsel von Luftfeuchtigkeit und Luftdrucks - sie alle erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls. Fällt die Temperatur um je etwa drei Grad Celsius, erhöht sich das Schlaganfallrisiko um elf Prozent. Wissenschaftler Rakers sagt:

Die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls bei Risikopatienten kann sich Wetterwechsel teilweise vervierfachen.

Besonders sensibel reagierten demnach Patienten mit Diabetes oder Arterienverkalkungen. Deshalb ist es so wichtig, dass Risikopatienten, aber auch ihre Angehörige die Warnzeichen eines Schlaganfalls richtig erkennen und schnellstmöglich medizinische Hilfe anfordern.

Was sind die Warnzeichen? Einseitiges Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen, Verständnisstörungen, Schwindel oder schlagartige Kopfschmerzen

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 17. Mai 2019 | 08:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 16:34 Uhr

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