Ein Kind spielt in einem Brunnen.
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Klimawandel Wie wird der Sommer 2100?

Es wird wärmer auf unserem Planeten. Durch den Klimawandel oder durch die Klimaerhitzung – wie manche inzwischen sagen. Im Prinzip wissen wir das, und doch bleibt der Klimawandel immer etwas abstrakt. Das will die Weltwetterbehörde jetzt ändern. Sie lässt Fernseh-Meteorologen aus aller Welt einen fiktiven Wetterbericht gestalten – für das Jahr 2100.

von Johannes Schiller

Ein Kind spielt in einem Brunnen.
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Wetter aus Spanien, Kanada oder Deutschland, Hessen um genau zu sein. Fernseh-Meteorologen aus zwölf Ländern zeigen ihren Zuschauern, wie warm es bei ihnen wird. In gut 80 Jahren – also 2100.  Im Fokus stehen Städte, deswegen trägt die Aktion auch den Namen “Summer in the City“, sicher nicht unbwusst angelehnt an den Joe Cocker Hit (im Original von Lovin‘  Spoonful).

In den fiktiven Wetterberichten werden jeweils zwei Städte in Beziehung zueinander gebracht. Solche, die heute bereits das Klima haben, das eine andere Stadt erst im Jahr 2100 haben wird. Das Beispiel aus Deutschland: Aktuell liegt die durchschnittliche Sommertemperatur in Frankfurt/Main zum Beispiel bei 21,8 Grad. Eines Tages wird es aber so heiß sein wie in Barcelona oder Madrid, erklärt Silke Hansen, Meteorologin beim Hessischen Rundfunk.

Sie erklärt: “Lassen wir alles so, wie es ist, wird nach Berechnungen von Experten die Temperatur bis zum Jahr 2100 auf 28,5 Grad steigen. Setzen wir das vereinbarte Klima-Abkommen um, wird es nicht ganz so heftig. Und die Temperaturen steigen auf 25,6 Grad. Dann haben wir hier in Frankfurt ein Klima wie derzeit in Barcelona.“

Hinter den fiktiven Wetterberichten steckt die Weltwetterbehörde WMO, eine Unterorganisation der UNO. Sie entwickelt sich mehr und mehr zu einem Kämpfer für den Klimaschutz, beobachtet Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig.

Sie muss das tun, weil ganz viele andere Lobby-Organisationen zeigen wollen, dass Klimawandel gar nicht so schlimm sei. Ohne das mit Informationen zu unterfüttern. So ist es gekommen, dass aus dem Klimabereich eine Art Gegenlobby entstanden ist.

Andreas Marx, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig

Die große Mehrheit der Wissenschafts-Gemeinschaft ist sich einig: der Klimawandel ist messbar, er findet statt. Und der Mensch hat ihn ausgelöst. Diskutiert wird in der Fachwelt allenfalls über einzelne Aspekte, so Marx. "Aussagen zu Temperaturen sind sehr sicher. Zu Niederschlägen sind sie etwas weniger sicher, das hängt einfach damit zusammen, dass die Niederschlagssimulationen in den Modellen einfach mit größeren Unsicherheiten verbunden ist.“

Bleiben wir also bei den Temperaturen. Mit Blick auf den Klimawandel werden sie nach Ansicht von Marx vor allem für Städte zum Problem werden. Denn die entwickeln sich im Sommer schon heute zu regelrechten Wärmeinseln. Beton und Asphalt heizen sich auf.

Das haben wir für Leipzig mal untersucht und haben dort gesehen, dass es im Kern von Leipzig an einem heißen Sommertag bis zu zehn Grad heißer sein kann, als am Stadtrand.

Andreas Marx, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig

Und dieses Temperatur-Plus kommt bei der Klimaerwärmung noch oben drauf. Wie heiß es in den Großstädten der Welt werden kann, hat auch die US-Organisation “Climate Central“ ausgerechnet und auf einer Karte zusammengefasst. Funktioniert ganz einfach: Großstadt eintragen und schon zeigt die Karte die Veränderung. Berlin zum Beispiel hat heute im Sommer im Schnitt 22,1 Grad und wird 2100 Temperaturen haben wie heute Bukarest – 28,1 Grad Celsius.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 08.07.2017 | 09:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2017, 13:28 Uhr