Feldhase
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Wildtier-Monitoring Bilanz 2018: Hasen im Osten haben schwer zu knabbern

Hasen in Ostdeutschland haben ganz schön an der Monokultur in der Landwirtschaft zu knabbern. Das spiegelt sich wider, wenn man die Langohren zählt: keine Sträucher und Kräuter, weniger Hasen.

Feldhase
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Deutschlandweit tummelten sich 2018 auf einem Quadratkilometer im Schnitt zwölf Langohren - einer mehr als 2017: Das ergeben die Zählungen von Jägern und Wissenschaftlern in rund 450 Referenzgebieten für das Wildtier-Informationssystem in Deutschland (WILD).

Schaut man sich die einzelnen Regionen näher an, stößt man auf starke Unterschiede. Im ostdeutschen Mittelgebirge beispielsweise gibt es nur sieben, im nordostdeutschen Tiefland sogar nur fünf Hasen pro Quadratkilometer, einer weniger als im Jahr davor.

Mehr Hasen treiben sich im nordwestdeutschen Tiefland herum, 16 Stück pro Quadratkilometer, im südwestdeutschen Mittelgebirge 14, im Alpenvorland zwölf und im westdeutschen Mittelgebirge elf. Das rückläufige Hasenvorkommen zwischen Frühjahr und Herbst 2018 erklärt ein Sprecher des WILD-Verbandes mit einem Kälteeinbruch im vergangene Frühjahr: In Thüringen war es am 19. März 2018 noch einmal minus 17 Grad - der Garaus für viele Junghasen.

Woran die Hasen knabbern

Europäischer Feldhase drückt sich in eine vegetationslose Ackerfurche
Hasen finden in kilometerlangen Furchen keinen Schutz Bildrechte: imago images/blickwinkel

Wie es konkret für einzelne Bundesländer aussieht, erfasst die Zählung nicht. Zum einen scheren Hasen sich nicht um geographische Grenzen. Zum anderen liegen auch nicht aus allen Regionen Zahlen vor. Obwohl das sehr wichtig wäre, sagt Franziska Thelke, Referentin für Wildtierökologie und Wildtiermonitoring beim Deutschen Jagdverband (DJV) im Gespräch mit MDR Wissen. In den östlichen Regionen haben Hasen vor allem an der Art der Landwirtschaft zu knabbern: an der Monokultur, dem überwiegenden Anbau von Mais und Raps.

Mäusebussard landet an totgemähtem Feldhasen
Die Fressfeinde der Hasen dagegen machen auf Flächen ohne schützende Sträucher leichte Beute Bildrechte: imago images/imagebroker

Häsinnen brauchen nämlich Wildkräuter für ihre Milch, verdeutlicht Thelke, damit der Nachwuchs über den ersten Winter kommt. In Süddeutschland haben es Hasenpopulationen leichter, da hier die Landwirtschaft noch kleinteiliger ist, sagt Thelke. Beobachtet hat das vermutlich jeder schon mal, der Deutschland von oben aus dem Flugzeug gesehen hat: Den offensichtlichen Wechsel vom "bunten Flickenteppich" verschiedener Felder und im Gegensatz dazu die weiten Flächen im Osten.

Welche Rolle spielt das Wetter?

Insgesamt zieht der Deutsche Jagdverband eine positive Hasen-Bilanz. Im Vergleich von Frühjahr und Herbst 2018 wurden insgesamt 18 Prozent mehr Feldhasen gezählt, sagt DJV-Sprecher Torsten Reinwald. So gesehen geht es dem Feldhasen gut. Eine Aktie daran hat auch das trockene Wetter im vergangenen Frühjahr – denn der Feldhase lebt nicht wie Kollege Kaninchen unterirdisch im Bau, sondern ist auf der Wiese Wind und Wetter direkt ausgesetzt. Entsprechend profitiert der Feldhasen-Nachwuchs vom mildem Frühlingswetter.

Zwei springende Feldhasen
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Grafik: Scheinwerferzählung
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Scheinwerferzählung ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode, um Feldhasen zu zählen. Dazu fährt man eine festgelegte Strecke im Revier mit dem Auto ab und leuchtet mit einem Scheinwerfer das sogenannte Offenland (Felder, Wiesen, Weiden). Dabei werden Hasen und andere Tiere gezählt und es wird festgehalten, wo sie sich aufgehalten haben. Dass im Frühjahr mehr Hasen gezählt werden als im Herbst liegt wahrscheinlich daran, dass sie im Frühjahr aktiver und deshalb besser zu finden sind. Trotz einer minimalen Fehlerquote gelten die Daten aus der Scheinwerferzählung als so belastbar, dass sie zum Beispiel auch vom Bundesumweltamt genutzt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 11. April 2019 | 07:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 18:22 Uhr