Valentinstag Wildtiere im Liebesrausch

Nicht nur die Menschen sind am Valentinstag von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt! Auch bei Wildschwein, Rotfuchs, Wolf und Co spielen die Hormone derzeit verrückt: Es ist Paarungszeit in Feld, Wald und Wiese. Auf dem Acker boxen sich die Feldhasen fürs Rammeln warm und im Wald singen die Füchse ihrer Angebeteten heisere Liebeslieder. Die Paarung läuft höchst unterschiedlich. Doch eins haben fast alle gemeinsam: Der Nachwuchs kommt erst zur Welt, wenn es noch etwas wärmer geworden ist.

Zwei springende Feldhasen
Zwei Feldhasen beim "Liebes-Casting". Bildrechte: IMAGO

Wildtiere brauchen keine kuschelige Wärme, um in die richtige Stimmung für Intimitäten zu kommen. Denn egal ob noch Schnee liegt oder schon die ersten Schneeglocken blühen: "In der Natur wird jetzt die Generation 2018 gezeugt", sagt Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung.

Die Feldhasen etwa bereiten sich schon seit eingen Tagen auf ihre Hasen-Hochzeiten vor und zwar mit vollem körperlichen Einsatz, erzählt Goris: "Wer genau hinschaut, kann die ersten hitzigen Boxkämpfe beobachten." Doch bei den Feldhasen streiten sich nicht etwa die Männer um eine Dame - ganz im Gegenteil: Die Häsin prüft im Boxkampf, ob der potentielle Partner stark und widerstandsfähig genug für ihre Ansprüche ist. Wenn er die Prüfung besteht, darf er rammeln - wenn nicht, sucht sie sich einen anderen Sparringspartner.

Wildschweine bei der Paarung im Herbstlaub
Wildschweine beim Paarungsakt Bildrechte: IMAGO

Und die Feldhasen-Damen scheinen nicht nur resolut, sondern auch unersättlich zu sein: Sie paaren sich in kürzester Zeit mit mehreren Männchen. Der Nachwuchs kann also auch unterschiedliche Väter haben. Diese Besonderheit haben die Feldhasen im Laufe ihrer Evolution entwickelt: Häsinnen können während der Tragezeit von etwa 40 Tagen noch einmal trächtig werden - in der Gebärmutter sind dann Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien. Dadurch wird die mit drei bis vier Würfen ohnehin hohe Zahl des Nachwuchses noch einmal deutlich vermehrt.

Auch bei den Wildschweinen ist die Paarungszeit bereits seit Dezember in vollem Gange und das, obwohl sich die Tiere eigentlich das ganze Jahr über paaren können. Trotzdem werden die Frischlinge zum Jahresbeginn gezeugt. Und die Wildschwein-Bachen werden in dieser Zeit gleich mehrfach vom stärksten Keiler im Revier beglückt. Der markiert seinen Herrschaftsbereich mit Urin: "Wildschwein-Urin ist 'Männer-Parfüm' für die Bachen", sagt Goris. Zusätzlich imponiert er den Damen mit Schaum vor dem Maul, der ebenfalls betörende Duftstoffe enthält.

Liebeslieder für die Ladies

Mit dem richtigen Song schmilzt jede Frau dahin - da ist der Mensch nicht anders als die Europäische Wildkatze. Auch die ist dieser Tage wieder schwer "verliebt": Wenn die scheuen Katzen sich tief in der Nacht zu einer heißen Liaison treffen wollen, ruft der Kater seine Herzensdame mit einem langezogenem kehligem Miauen. Wildtier-Expertin Goris zufolge ist dieser Liebesruf während der Ranzzeit nicht zu überhören. Da die Wildkatze ein sehr seltenes und bedrohtes Tier ist, das nur in naturnahen Wäldern lebt, weiß man noch nicht alle Details aus ihrem Liebesleben:

Doch eins weiß man sicher: Jetzt im Februar sind Wildkatzen 'schwer verliebt'. Es ist Ranzzeit und der Duft von Baldrian ist für sie unwiderstehlich.

Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung
Rotfüchse im Winter
Ein Rotfuchs-Paar Bildrechte: IMAGO

Doch bei den Katzen ist auch schnell wieder Schluss mit der Romantik: Nach der Paarung gehen die notorischen Einzelgänger sofort wieder getrennte Wege.

Da sind die Füchse schon etwas treuer: Sie leben immerhin in komplexen Familienverbünden. Und um für Nachwuchs zu sorgen, muss das Fuchspärchen treffsicher sein: Denn Frau Fuchs ist in der Ranz - also der Paarungszeit - nur drei Tage paarungsbereit. Damit diese seltene Gelegenheit ihm zugute kommt, intoniert der Fuchs sein Liebeslied, erzählt Biologe Andreas Kinser von der Wildtier-Stiftung. "Mit seinem 'kauw, kaw, kaw' erinnert es an das heisere Bellen eines Hundes." Meist werben mehrere Fuchsrüden gleichzeitig um eine Fähe.

Mit seinem Fuchs-Parfüm – einem für menschliche Nasen unangenehm riechenden Ammoniak-Geruch – bringt er die Hormone in Wallung.

Andreas Kinser, Deutsche Wildtier Stiftung

Auch bei Familie Wolf ist von Ende Januar bis Mitte März Paarungszeit. Und in der setzten auch sie auf betörende Düfte: Allerdings sondern bei den Wölfen die Weibchen einen intensiven Lockduft ab. Der Rüde hält sich in der Zeit der Läufigkeit mehrere Tage und Nächte in der Nähe seiner Angebeteten auf, um den richtigen Moment abzupassen. Für den Liebesakt ziehen sich die beiden dann vom Rudel zurück. Wenn es beim Wolf einmal gefunkt hat, ist es übrigens um ihn geschehen: Das Wolf-Paar bleibt in der Regel ein Leben lang zusammen.

Auf der Suche nach der großen Liebe

Auch Herr Biber ist kein Mann für eine Nacht, sondern sucht die Partnerin fürs Leben. Wildtier-Expertin Eva Goris erklärt, dass auch bei den Bibern die Hauptpaarungszeit im Januar beginnt.

Zwei Biber schwimmen
Ein Biber-Paar in seinem Element Bildrechte: IMAGO

Und der Liebesakt ist ziemlich feucht-fröhlich: Das Paarungsritual der Biber findet natürlich schwimmend im seichten Wasser statt. Das eiskalte Wasser macht dem Biber-Paar dabei nichts aus. Bis zu 20 Jahre kann so eine große Nager-Liebe halten, sagt Goris.

Auch bei Iltis und Wiesel, Fischotter und Eichhörnchen, oder dem Marderhund - einem pelzigen Allesfresser, der aus Ostasien eingewandert ist - beginnt die Paarungszeit jetzt im Winter. Nur weit oben am Himmel herrscht noch Stille. Die Vögel brauchen dann doch noch etwas mehr Licht, um in die richtige Stimmung für die Liebe zu kommen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Steinadler und Seeadler schwingen sich schon jetzt zur Balz in die Lüfte, um eine Partnerin fürs Leben zu finden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Februar 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 16:08 Uhr