Haben Zecken doch einen Sinn? Zeckenspucke gegen Herzprobleme

Welchen Sinn haben Zecken? Evolutionsforscher sagen, sie brauchen keinen. Britische Wissenschaftler haben trotzdem eine Antwort gefunden. Zecken könnten uns helfen, neue Medikamente gegen Herzkrankheiten zu finden.

Zecke
Der Gemeine Holzbock - für viele der Inbegriff der Zecke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zecken – sie sind nervig, eklig und übertragen fiese Krankheiten. Keiner kann sie leiden. Und wenn man Wissenschaftler fragt, wozu sie überhaupt gut sind, dann kann die Antwort lauten: Die Evolution fragt nicht nach einem Sinn. Jetzt aber haben Wissenschaftler der Universität von Oxford (Großbritannien) herausgefunden, dass Zecken möglicherweise einen echten Nutzen haben. Forschungsergebnisse, die sie an der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht haben, legen nahe, dass die Spucke der Zecken ein Protein enthält, das Menschen mit Myokarditis – Entzündungen am Herzmuskel – helfen kann.

"Myokarditis ist eine verheerende Krankheit, für die es derzeit nur sehr wenige Behandlungen gibt", so Prof. Shoumo Bhattacharya, der die Untersuchungen geleitet hat. "Mit dieser neuesten Forschung hoffen wir, in der Lage zu sein, die entzündungshemmenden Effekte der Zecken zu nutzen, um eine lebensrettende Therapie für diese gefährliche Herzerkrankung zu entwickeln." Der Speichel der Zecken verhindert, dass Wirtsorganismen den Einstich spüren. Er sorgt auch dafür, dass das Blut gerinnt und die Stelle sich nicht entzündet, wenn die Zecken tagelang an ihren Opfern saugen. Prof. Bhattacharya glaubt sogar, dass der gefundene Wirkstoff irgendwann auch bei Herzinfarkt, Schlaganfall, Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) oder Arthritis helfen könnte.

Fleischallergie durch Zeckenbiss

Zecke auf einem Arm
Der Speichel der Zecke kann beim Menschen eine Fleischallergie auslösen. Bildrechte: IMAGO

Zeckenspeichel kann allerdings auch ganz andere Reaktionen hervorrufen. Wie die Deutsche Welle (DW) berichtet, können Zeckenstiche und die Wirkung des Speichels auf der Haut bei Menschen dazu führen, Antikörper gegen bestimmte Fleischbestandteile zu entwickeln. Die lösen dann beim Verzehr von Fleisch zum Teil schwere Allergiereaktionen aus.
Vergleichbar sei das mit Allergien, die "viele Menschen gegen Pollen, Erdnüsse oder Wespengift“ haben, so Tilo Biedermann, Direktor der Hautklinik der Technischen Universität München auf DW.com. Problematisch sei dabei, dass die Reaktionen – Hautausschläge, Krämpfe, Anschwellen der Atemwege, Herzkammerflimmern - oft erst Stunden nach dem Verzehr von Fleisch auftreten und dadurch nicht sofort der Zusammenhang zwischen dem Biss und der Allergie hergestellt werden kann.

Dass dieser Zusammenhang besteht, haben US-Forscher mit Versuchen an Mäusen bestätigt. Biedermann berichtet von mindestens 100 bekannten Fällen in Deutschland. Bisher gibt es noch kein Heilmittel gegen diese Allergie. US-Wissenschaftler der University of North Carolina forschen bereits an einem Impfstoff. Der wäre wichtig, um die akuten Folgen der Allergie zu bekämpfen. Denn, wenn keine weiteren Zeckenbisse erfolgen - das ist die gute Nachricht -, verschwindet sie von allein.

Über dieses Thema berichtete MDR FERNSEHEN: Hauptsache gesund | 08.06.2017 | 21:00 Uhr