Ein Schild weist neben dem Leipziger Löwen am 04.03.2013 auf die Umweltzone in Leipzig (Sachsen) hin.
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Wissenschaftlicher Abschlussbericht vorgestellt Umweltzone Leipzig hat giftigen Feinstaub reduziert – kein Erfolg bei Stickoxiden

Seit fast sieben Jahren dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette nach Leipzig hinein. Dadurch wurde die Luft für Stadtbewohner gesünder, giftiger Feinstaub nahm deutlich ab. An anderer Stelle zeigte die Umweltzone keine Wirkung.

von Clemens Haug

Ein Schild weist neben dem Leipziger Löwen am 04.03.2013 auf die Umweltzone in Leipzig (Sachsen) hin.
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Nach fünf Jahren Umweltzone ist die Leipziger Luft für die Stadtbewohner weniger gesundheitsschädlich. Autos stoßen heute weniger schädliche Abgaspartikel aus, als vor der Einführung der strengen Regeln für den Pkw- und Lkw-Verkehr. Das ist die insgesamt positive Bilanz, die die Stadt Leipzig am Donnerstag gemeinsam mit dem sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, sowie dem Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) gezogen hat.

"Wir haben in Leipzig heute moderne Fahrzeuge auf den Straßen. Die Umweltzone war hier das richtige Mittel, um diese Modernisierung des Fuhrparks zu erreichen", sagte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) bei der Vorstellung der neuen Zahlen. Seit 1. März 2011 dürfen nur noch Fahrzeuge mit einer grünen Plakette in die Umweltzone einfahren, die flächenmäßig größte in Deutschland ist.

Ein Förderprogramm der Bundesregierung, das Besitzer beim Nachrüsten ihrer Fahrzeuge mit neuen Partikelfiltern unterstützte, wurde in Leipzig rund 5500 Mal in Anspruch genommen. In der Landeshauptstadt waren es im gleichen Zeitraum nur 1700 umgerüstete Fahrzeuge.

Giftiger Feinstaub wird weniger

Die Veränderung des Fahrzeugparks schlägt sich auch in den Messergebnissen der Wissenschaftler wieder. Sechs Jahre lang, von 2010 bis 2016, haben sie die Werte von insgesamt 13 Messstationen miteinander vergleichen, vier davon im Stadtgebiet, die übrigen in Sachsen in verschiedenen Räumen.

Mit diesem komplexen Verfahren wollen die Forscher die Quellen schädlicher Abgase besser voneinander unterscheiden, also die Effekte des Stadtverkehrs trennen von der grundsätzlich in der Region vorhandenen Belastung der Luft. Zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben maßen sie auch extrem kleine Ultrafeinstäube, um auch die besonders schädlichen Rückstände von Dieselmotoren feststellen zu können.

Die größten Verbesserungen zeigten sich beim durch Motoren erzeugten Feinstaub. So nahm die Zahl der 20 bis 200 Nanometer kleinen Partikel um 75 Prozent ab. Auch bei Rußpartikeln, die vor allem von Dieselfahrzeugen erzeugt werden, maßen die Wissenschaftler einen Rückgang von etwa 60 Prozent.

"Moderne Dieselfahrzeugen haben Filter, die aus dem Abgas etwa 97 Prozent der Partikel herausfiltern können und damit hoch effektiv sind. Dass die Dieselfahrzeuge, die heute an der Messstation vorbeifahren, moderner sind, kann man an den Messergebnissen deutlich sehen ", sagte Gunter Löschau vom Landesumweltamt. Der Anteil hochtoxischer Emissionen sei deutlich gesunken.

Umweltzone gegen Dieselgate wirkungslos

Keine Verbesserung wurden hingegen beim Ausstoß von Stickoxiden erreicht. "Wir haben im Mittel der Fahrzeugflotte keine Verbesserung bei den Dieselfahrzeugen", so Löschau. Die schärferen Vorschriften, die die Euronormen 4, 5 und 6 gesetzt hätten, seien in der Realität wirkungslos geblieben.

In Leipzig wurde daher der von der EU festgelegte Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter 2016 weiterhin überschritten. Gegen die Stadt läuft daher ebenso wie gegen Stuttgart weiterhin ein Vertragsverletzungsverfahren.

Wenn es bei den Messungen Schwankungen gebe, seien sie einzig den Wetterlagen geschuldet, ergänzte Alfred Wiesensohler, Wissenschaftler von Tropos. "Dafür sind die Fahrzeughersteller verantwortlich. Nicht nur bei Volkswagen, auch bei anderen sind die Emissionen bei einer Alltagsfahrt um das Fünf- bis Zehnfache höher als auf den Prüfständen."

Neues Risiko Holzöfen

Mit Sorge beobachten die Experten auch den wachsenden Trend zu Holzöfen und Holzheizungen. Da es den meisten Häusern an teuren Filtern in den Kaminen fehle, gebe es hier ein neues Risiko großer Feinstaubemissionen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14. Dezember 2017 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2017, 10:45 Uhr